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  • 25.06.2011 · 23:11

  • von Fabian Hust & Dieter Rencken

Genial oder riskant? An Hamilton scheiden sich die Geister

Die zahlreichen Zwischenfälle von Lewis Hamilton bei den Rennen in Monaco und Kanada waren auch in Valencia noch ein heißes Diskussionsthema

(Motorsport-Total.com) - Sieben Rennen der 19 Grands Prix umfassenden Formel-1-Saison 2011 sind gefahren, und Lewis Hamilton hat bereits einen gewaltigen Rückstand auf Sebastian Vettel. 76 Zähler fehlen dem Briten, der derzeit auf Position vier liegt. Auch Teamkollege Jenson Button hat mehr Punkte auf dem Konto, rangiert mit 16 Zählern Vorsprung hinter Sebastian Vettel auf dem zweiten Rang.

Lewis Hamilton

Lewis Hamilton: Über seinen Fahrstil wird wieder einmal heiß diskutiert

In den vergangenen beiden Rennen hat sich Lewis Hamilton einige aggressive Manöver geleistet. Im Falle von Felipe Massa und Pastor Maldonado endeten diese in Monte Carlo für beide in einem Unfall. Der "Höhepunkt" war nach dem Dreher von Mark Webber kurz nach dem Start die Kollision mit dem eigenen Teamkollegen vor zwei Wochen beim Großen Preis von Kanada in Montreal.

Damals musste der McLaren-Mercedes-Pilot sein beschädigtes Auto auf der Strecke abstellen, wohingegen er nach dem Rennen in Monte Carlo acht zusätzliche Punkte auf dem Konto hatte, einer Bestrafung durch die Rennleitung entgehen konnte.

Hamilton denkt zweimal nach - zumindest über seine Aussagen

Lewis Hamilton

Will es Hamilton nun wirklich etwas ruhiger angehen? Zoom

Direkt nach dem Qualifying zum Großen Preis von Europa wurde Hamilton von einem Journalisten gefragt: "Du hattest bei den vergangenen Rennen ein paar Probleme beim Überholen. Wirst du morgen vorsichtiger sein, wenn du attackierst?" Nach einer rund zehn Sekunden langen Denkpause meinte der ehemalige Formel-1-Weltmeister: "Ich würde gerne nein sagen. Ich glaube nicht, dass ich vorsichtiger sein werde."

Einige Minuten später - längst waren andere Fragen gestellt - besann sich Hamilton wohl eines Besseren: "Kann ich noch einmal auf die vorherige Frage eingehen? Ich möchte ins Ziel kommen, das ist der Schlüssel. Ich werde immer so aggressiv bleiben, wie ich bin, aber vielleicht werde ich über das eine oder andere Manöver nicht mehr nur einmal, sondern zweimal nachdenken. Wenn das bedeutet, dass ich vorsichtiger bin, dann soll es so sein, aber wenn ich eine Gelegenheit wittere, dann werde ich attackieren und sie ergreifen."

Interessanterweise hatte Hamilton direkt im Anschluss an das Qualifying auf der internationalen Pressekonferenz noch etwas anders geklungen: "Zu diesem Zeitpunkt der Saison wäre ich sehr glücklich darüber, dort ins Ziel zu kommen, wo ich mich im Moment befinde. Ich werde also daran arbeiten, morgen meine Position zu halten. Wir arbeiten nicht an einem Podium sondern an einer Zielankunft."

Zuletzt hatte es viel Kritik von Formel-1-Experten gegeben. Einige forderten ganz offen eine harte Bestrafung für den Rennfahrer, darunter eine mehrere Rennen lang andauernde Sperre. Hört der Brite auf die Aussagen der Experten? "Nicht ein bisschen", meint der 26-Jährige gelassen.

Whitmarsh bleibt gelassen: Kein Zwist mit Button

Lewis Hamilton, Jenson Button

Sehr zur Freude des Teams verstehen sich die Fahrer immer noch bestens Zoom

Für das Team war der Unfall zwischen den eigenen Teamkollegen natürlich alles andere als eine angenehme Sache. Doch glücklicherweise hat dies an dem bis dato sehr guten Verhältnis zwischen den beiden Landsleuten nichts geändert wie Teamchef Martin Whitmarsh versichert: "Das Bemerkenswerte ist, dass der Teamgeist und ihr Verhältnis überhaupt nicht gelitten haben", so Whitmarsh. "Wir haben hier zwei sehr ehrliche Rennfahrer. Sie wollen sich gegenseitig schlagen, das ist ja auch in Ordnung so."

"Natürlich können wir im Nachhinein sagen, dass wir uns gewünscht hätten, das wäre nie passiert, aber sie sind davor auch schon sehr fair gegeneinander gefahren. Für mich als Teamchef sind das immer angespannte Momente, denn im Nachhinein hörst du von den Leuten immer: 'Warum hast du nicht dies gesagt oder jenes getan?'"

Whitmarsh sieht keinen Grund zum Einschreiten

Martin Whitmarsh (Teamchef), Lewis Hamilton

Martin Whitmarsh hat ein paar Worte mit Lewis Hamilton gewechselt Zoom

Er habe keinen Grund, seinen Fahrern Anweisung zu geben: "Die Wahrheit ist, dass ich diese beiden Jungs respektiere und ihnen voll vertraue. Ich weiß, dass es keine Absicht war. Sie haben halt ihre Rennfahrerinstinkte und ich habe kein Problem damit, wie Lewis Rennen fährt. Er ist ein natürlich aggressiver Racer, den man racen lassen muss."

Daran wolle er auch nicht ändern: "Das würde ich gar nicht anders wollen, denn das ist sein Charakter. Er hat daraus gelernt und ich glaube nicht, dass ich ihn belehren muss. Er ist ein professioneller Rennfahrer. Und Jenson hat in den Augen vieler einen sehr entspannten Zugang, aber ich denke, er hat bewiesen, dass auch er sehr hungrig ist."

Liuzzi sieht die Schuld nicht bei den Fahrern

Vitantonio Liuzzi

Liuzzi sieht das Überholen an für sich als Problem in der Formel 1 an Zoom

Fahrerkollege Vitantonio Liuzzi sieht die Angelegenheit zwiespältig: "In der Vergangenheit haben sich alle immer über das Überholen beklagt. Aber das Problem ist, dass es in der modernen Formel 1 so ist, dass es das Team nicht gern sieht, wenn du ein Manöver startest und dabei den Frontflügel ruinierst. Das ist vielleicht der Grund, warum einige Fahrer es oft gar nicht erst probieren. In der GP2 bauen sie mehr Unfälle, aber sie versuchen es auch und es funktioniert."

So gesehen fährt Lewis Hamilton noch so wie zu seinen GP2-Zeiten, nutzt jede Lücke, die sich vor im auftut, auch dann, wenn das Risiko Ist, dass es kracht: "Er versucht es immer", so der Italiener. "Man riskiert einen Unfall dabei, klar, aber er fährt einfach nur aggressiver. Und darum geht es."

Irvine kritisiert seinen Favoriten: "Er hat den Respekt verloren"

Rachel Hunter und Eddie Irvine

Eddie Irvine outet sich als Fan von Lewis Hamilton Zoom

Der ehemalige Formel-1-Pilot Eddie Irvine outet sich als "echter Lewis-Fan" - spricht aber auch Kritik aus: "Er ist im Moment der einzige Kerl in der Formel 1, der es wert ist, dass man ihm zusieht, aber ich glaube, er hat den Faden verloren. Ich denke nicht, dass er von den besten Leuten umgeben ist, mit denen er sich umgeben könnte, und ich finde, er hat den Respekt vor den anderen Fahrern verloren."

"In Kanada war eindeutig Jenson schuld", so der Ire weiter. "Ich glaube, dass er Lewis nicht gesehen hat, aber das ändert nichts daran, dass er eine vermeidbare Kollision verursacht hat. Lewis setzt solche Manöver nicht, um einen Unfall zu provozieren, sondern weil er überholen will. Lewis hätte mit seinem Rad in die Luft aufsteigen und dabei sich selbst und die Boxencrew umbringen können. Jenson hat ihn abgedrängt und wurde dafür nicht bestraft."

Whitmarsh lacht über Irvines Worte

Über die Kritik Irvines an seinem Fahrer kann Whitmarsh nur lachen: "Es ist immer wichtig, Eddie Irvine zuzuhören, wenn er über Fahrer spricht, die den Faden verloren haben. Lewis hatte ein paar harte Rennen, aber das passiert im Motorsport nun einmal. Er ist leidenschaftlich, aggressiv, ein sehr motivierter Fahrer. Ihm zuzuschauen ist am aufregendsten in der Welt."

"Ich denke nicht, dass er seine Herangehensweise ändern wird. Er kann an diesem Wochenende gewinnen. Ich bin mir sicher, dass er diesbezüglich entschlossen ist, und er wird sich genau darauf fokussieren. Er wird seine Herangehensweise meiner Meinung nach nicht ändern."

Hatte Hamilton einfach nur Pech?

Lewis Hamilton

In Montreal kostete Hamilton der Zwischenfall wertvolle Punkte Zoom

"Er war in den vergangenen Rennen schnell, die Dinge sind einfach nicht so gelaufen, wie er das gerne gehabt hätte. Das hat jedoch nichts an seiner Form geändert. Er war schnell, aggressiv und wird von jedem Fahrer auf der Strecke gefürchtet. Lasst uns sehen, wie es an diesem Wochenende läuft. Er ist sicherlich heiß, sieht gut in Form aus. Er ist sehr enthusiastisch, an diesem Wochenende ein gutes Ergebnis zu erzielen."

Immerhin habe es nach den beiden riskanten Überholmanövern in Monte Carlo ein Gespräch mit seinem Piloten gegeben. Allerdings ging es dabei nicht um die Überholmanöver, sondern über das Verhalten seines Piloten außerhalb des Autos. Im Eifer des Gefechts hatte er nach dem Rennen der Rennleitung unterstellt, rassistisch zu agieren.

"Ich hatte mit ihm nach Monaco ein Gespräch. Wir hatten eine Unterhaltung über das, was außerhalb des Autos geschahen - nicht über das, was im Auto passierte. Er mag es nicht, wenn er nicht gewinnt. Er hat die vergangenen zwei Rennen Wochenende nicht besonders genossen."

Herbert: "Hamilton liefert aufregendes Racing"

Johnny Herbert ist froh, dass es Fahrer wie Lewis Hamilton gibt Zoom

Der ehemalige Formel-1-Pilot Johnny Herbert hat auch seine Freude, Hamilton beim Fahren zuzusehen: "Er ist aufregend anzusehen, so der Brite bei 'talkSPORT'. "In Monaco hat er ein bisschen über das Ziel hinausgeschossen, zum Beispiel als er Maldonado überholen wollte, aber in Kanada war die Kollision mit Mark ein Rennunfall und dann war da noch die Berührung mit Jenson bei Start und Ziel."

"Es war einfach Pech, dass er nach Monaco wieder in ein paar Zwischenfälle verwickelt wurde. Jenson ging es ja genauso: Erst war der Zwischenfall mit Lewis und dann ein bisschen später mit Fernando. Das schienen aber eher normale Rennunfälle zu sein. Ich hoffe, dass Lewis so weitermacht wie bisher, denn das ist aufregendes Racing."

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