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  • 07.07.2022 · 11:38

  • von M. Sommerfield, Co-Autor: G. Piola, Übersetzung:

Formel-1-Technik: Was uns die Upgrades von Mercedes verraten

Nach einem schwierigen Saisonstart scheint Mercedes bei der Weiterentwicklung seines Formel-1-Autos W13 wieder auf Kurs zu sein: Die Silverstone-Upgrades

(Motorsport-Total.com) - Mercedes hat allen Grund für Optimismus in der Formel 1. Mit einer Reihe von Upgrades konnten sich die Silberpfeile am vergangenen Wochenende beim Grand Prix von Großbritannien in Silverstone wieder besser in Szene setzen.

Die Frontflügel-Endplatten von Montreal und Silverstone im Vergleich

Die Frontflügel-Endplatten von Montreal und Silverstone im Vergleich Zoom

Auch wenn die glatte Strecke dazu beitrug, das Bouncing zu reduzieren, haben die vielversprechenden Änderungen am Auto das Team zuversichtlich gestimmt, dass es mit dem W13 nach einem schwierigen Saisonstart bei der Entwicklung auf dem richtigen Weg ist.

"Der Weg, den wir jetzt einschlagen wollen, wird immer klarer. Und das ist aus Sicht der Entwicklung sehr ermutigend", schätzt Technikchef Andrew Shovlin die Lage ein. "Ich denke, dieses Update ist das erste entlang der Linie, die wir in Barcelona begonnen haben zu entwickeln, und es ist ermutigend zu sehen, dass es funktioniert hat."

Finne an der Frontflügel-Endplatte wurde nach unten verlegt

Werfen wir also einen Blick darauf, was Mercedes nach Silverstone mitgebracht hat und was das darüber aussagt, worauf derzeit der Fokus liegt. Vor dem Rennwochenende hatte das Team eine Vielzahl von Neuerungen angekündigt. Eine Änderung am Frontflügel wurde aber nicht erwähnt, sodass sie nicht im Mittelpunkt stand.

Detail des Frontflügels des Mercedes W13

Die bisherige Position der Finne ist noch deutlich zu erkennen Zoom

Sie entging der Aufmerksamkeit vor allem deshalb, weil es sich nicht um neue Teile handelte. Die Finne auf der Außenseite der Frontflügel-Endplatte bleib unverändert, wurde aber weiter nach unten versetzt. Man kann sogar noch die Position erkennen, an der sie vorher montiert war.

Auch wenn diese Änderung recht klein erscheint, führt ihre Neupositionierung dazu, dass der Flügel ganz anders funktioniert. Zum Beispiel beeinflussen sowohl der Durchgang des Luftstroms als auch die Art und Weise, wie sich der Druck auf der Oberfläche aufbaut, die Interaktion mit den anderen Oberflächen, zum Beispiel mit der Endplatte darunter.

Mercedes sucht weiter nach einzigartigen Lösungen

Dies ist nicht nur für die Leistung des Frontflügels entscheidend, sondern auch für die Auswirkungen für den weiteren Verlauf des Luftstroms, wobei der vom Vorderreifen erzeugte Sog durch die Richtungsänderung beeinflusst wird.

Der Unterboden, auf den wir in Kürze eingehen werden, hat aufgrund der Probleme, die Mercedes in dieser Saison hatte, mehr Aufmerksamkeit erregt. Die Änderungen an der Frontpartie des Autos sollten jedoch auch nicht unterschätzt werden. Denn sie sind sicherlich von Bedeutung, wenn man bedenkt, wie sie Strömungsstrukturen schaffen, die auch für den Abtrieb von Vorteil sind.

Die Änderungen des Team aus Brackley sind zudem einzigartig, was beweist, dass Mercedes mit den neuen Regeln immer noch ein wenig gegen den Strom schwimmt und versucht, dort Leistung zu finden, wo andere es nicht geschafft haben.

Verkleidung der Vorderradaufhängung wurde verändert

Dies steht in gewisser Weise im Einklang mit der Entscheidung, die Zero-Pod-Lösung zu bevorzugen. Die Konkurrenten werden sich dies zweifellos ansehen und prüfen, ob es Aspekte gibt, die auch ihnen helfen könnten, mit ihren eigenen Lösungen Performance zu erzielen.

Detail der Vorderradaufhängung des Mercedes W13

Detail der Vorderradaufhängung des Mercedes W13 Zoom

Um die Ziele zu erreichen, hat Mercedes auch das Volumen an der Seite des Chassis um die Aufhängungselemente herum vergrößert. Die Verkleidungen der Aufhängung wurden ebenfalls vergrößert.

Diese Änderungen werden dazu führen, dass der lokale Luftstrom zum Boden und zu den Seitenkästen hin abwärts gelenkt wird, wobei die seitlichen Finnen am Chassis ebenfalls neu profiliert und positioniert werden, um die neu geschaffenen Strömungsbedingungen zu maximieren.

Seitliche Finnen am Chassis überarbeitet

Damit diese Änderungen voll zum Tragen kommen, wird es wahrscheinlich noch weitere Optimierungen geben. Um das aerodynamische Zusammenspiel zwischen den verschiedenen Oberflächen zu verbessern, wurden im Rahmen der Überarbeitung auch der Latzflügel und die Bodenabdeckungen modifiziert.

Die unterschiedlichen Chassis-Finnen am Mercedes W13

Die unterschiedlichen Chassis-Finnen am Mercedes W13 Zoom

Auch dem Unterboden hat Mercedes wieder ein neues Design beschert. Im Zentrum der Neugestaltung steht die DNA der bisherigen Lösung. Der sensenförmige Flügelabschnitt am Rand ist nach wie vor Teil der Lösung, wurde aber nach vorne verlängert.

Dieser Teil des Unterbodens ist dem von McLaren verwendeten Design sehr ähnlich, allerdings hat sich Mercedes für die ursprüngliche Lösung von McLaren entschieden: nur drei Streben werden verwendet, um die Richtung des Luftstroms am Ende des Unterbodens zu beeinflussen. Bei McLaren sind es jetzt fünf.

Arbeit am Unterboden geht weiter

Die Kante des Mercedes-Unterbodens entlang des abgetrennten, sensenartigen Abschnitts des Randflügels ist nun vollständig mit einem Metallschiene überzogen, um eine eventuelle Biegung zu reduzieren, während in der Mitte dieses Abschnitts ebenfalls eine neue, robustere Strebe eingesetzt wurde.

Die Änderungen am Unterboden von Mercedes

Die Änderungen am Unterboden von Mercedes Zoom

Die Streben, die um den vorderen Bereich herum verwendet werden, erfüllen ebenfalls einen doppelten Zweck, da ihre Form zweifellos die Erzeugung von Wirbeln begünstigt, die die Leistung der Bodenkante weiter verbessern. Der vordere Teil der Bodenkante wurde im Vergleich zur letzten Spezifikation des Bodens ebenfalls aufgerollt, sodass mehr vom hinteren Teil der Bodenabdeckungen freigelegt ist als zuvor.

All diese Änderungen deuten darauf hin, dass Mercedes eine viel bessere Vorstellung davon hat, wie der Luftstrom um und unter dem Auto kanalisiert werden soll - und das geschieht sicherlich auf eine andere Weise als zu Beginn der Saison.

Auch der Heckflügel wurde verändert

Die jüngsten Änderungen zeigen auch, dass Mercedes in Bezug auf den erzeugten Abtrieb im Vergleich zum Luftwiderstand des Auto zu Beginn der Saison 2022 sein Ziel verfehlt hat.

Die unterschiedlichen Heckflügel des Mercedes W13 im Vergleich

Die unterschiedlichen Heckflügel des Mercedes W13 im Vergleich Zoom

In den vergangenen Rennen wurde dieses Defizit verringert und für Silverstone wurde der äußere Teil des Heckflügels neu gestaltet, um dies weiter auszugleichen.

Die für Silverstone vorgenommenen Änderungen betreffen die gerollte Flügelspitze. Mercedes hat den oberen Teil abgeflacht, wodurch sich die Spannweite des Flügels vergrößert und sich die Wirbelbildung an der Spitze verändert (Silverstone, rechts unten, gelb markierte Kante).

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