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Geheimwaffe Longrun: Mercedes in Silverstone wieder ganz vorne dabei?

Mercedes erlebte einen starken Freitag in Silverstone und war vor allem von seinem Longrun überrascht - Upgrade behebt Bouncing-Probleme aber nicht

(Motorsport-Total.com) - "Es sieht so aus, als hätten wir einen Schritt nach vorne gemacht, weil wir normalerweise am Freitag nicht in der Nähe der Spitze sind", sagt Andrew Shovlin, Leitender Renningenieur von Mercedes, gegenüber 'Sky'. Die Silberpfeile blicken positiv gestimmt auf das Wochenende in Silverstone, denn wie üblich ist Lewis Hamilton pünktlich zu seinem Heimrennen in guter Form.

Lewis Hamilton (Mercedes W13) beim Training zum Formel-1-Rennen in Silverstone 2022

Für Lewis Hamilton lief es am Freitag ziemlich gut Zoom

Der Brite landete heute im Training (Formel 1 2022 live im Ticker) auf einem starken zweiten Platz und deutete an, dass Mercedes ein starkes Wochenende haben könnte. "Es hat sich ziemlich gut angefühlt", freut sich Hamilton, der deutlich schneller war als Teamkollege George Russell, der nur Achter wurde. "Er hat eine wirklich starke Runde gezeigt", muss Russell anerkennen.

Bei Mercedes gibt man sich aber realistisch und geht davon aus, dass von Ferrari und Red Bull am Samstag noch etwas kommen wird. Trotzdem rechnet man sich durchaus Chancen auf ein gutes Ergebnis aus, weil der Longrun aus Mercedes-Sicht ziemlich stark war.

"Der Longrun war ziemlich vielversprechend im Vergleich zu McLaren", sagt Russell. "Wir waren deutlich schneller als sie, und als die Reifen am Ende warm waren, waren wir sogar schneller als Ferrari", betont er. "Sie sind am Ende etwas abgefallen, aber wir haben uns Runde für Runde verbessert."

Auch Shovlin lobt den "ermutigenden" Longrun: "Normalerweise sehen wir da einen Abstand von einer halben Sekunde oder sogar sieben, acht Zehnteln auf die schnelleren Teams. Aber hier sah es so aus, als wäre der nicht da", meint er. "Das liegt vermutlich daran, dass die Strecke dem Auto liegt."

Russell will aber noch verstehen, wieso die Rennpace des W13 deutlich besser ist als die Qualifyingpace. "McLaren war ziemlich stark auf eine Runde, und wir können die Reifen nicht zum Funktionieren bringen. Aber über das Rennen gesehen sind wir in einem guten Fenster. Es liegt natürlich immer an der Balance, aber du kannst nicht alles auf die Karte Sonntag setzen."

Warum Hamilton deutlich schneller war

Laut Shovlin seien beide Autos mit einem identischen Set-up in den Tag gegangen. "Aber das Ding war, dass wir uns beide Reifen anschauen wollten - den Hard und den Medium", sagt er. "George hatte zu Beginn des zweiten Trainings den Hard und hatte damit ein paar Probleme mit dem Grip. Das hat ihn etwas zurückgeworfen."

Durch den großen Schritt zu den Soft-Reifen sei der Sprung für ihn noch einmal größer gewesen als für Hamilton. "Und Lewis konnte sehen, was George damit gefunden hat, darum hat er noch einmal eine Runde eingelegt, um darauf aufzubauen", versucht er den großen Unterschied zwischen beiden zu erklären.


Fotostrecke: Formel 1 2022 in Silverstone: Das Wichtigste zum Freitag

"Und man braucht auf dieser Strecke eine Menge Selbstbewusstsein. Das bringt auch noch einmal eine Menge Rundenzeit. Denn in diesen großen, schnellen Kurven musste du wissen, dass dein Heck auf der Straße bleibt", so der Ingenieur.

Zumindest scheint das Upgrade einen guten Schritt gegeben zu haben, auch wenn man die Bouncing-Probleme nicht komplett im Griff zu haben scheint. "Es hüpft immer noch ziemlich", sagt Hamilton. "Nicht unbedingt auf den Geraden, aber in den Kurven."

Bouncing kein Upgrade-Thema

Das sei aber ohnehin kein Thema des Upgrades, wie er betont: "Das Upgrade hat nichts mit dem Fahrverhalten zu tun. Es geht einfach um Abtrieb", so der siebenmalige Weltmeister, der auch keinen Vergleich zum Paket davor ziehen möchte. "Denn wir waren auf zwei enorm unterschiedlichen Strecken unterwegs."

"Die Strecke ist einfach deutlich glatter, deutlich besser - eher wie Barcelona", so Hamilton, der in Kanada gemeint hatte, dass er die Strecke gar nicht wiedererkennt mit dem Auto. Ist das auch in Silverstone so?


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"Es sind einfach die Autos", winkt er ab. "Du kannst die Strecke nicht auf die gleiche Art und Weise fahren wie zuvor. Es ist einfach alles so steif. Es ist nicht das Gleiche. Aber trotzdem hatte ich eine Menge Spaß durch Maggots und Becketts. Die sind immer noch mega. Sie sind meine Lieblingskurven."

Und genau dort habe Hamilton auch die Zeit gegenüber Russell geholt, meint Shovlin und sagt, dass die Balance des Autos an dieser Stelle eigentlich okay war. "In Kurve 9 hatten wir hingegen Probleme, und auch in Kurve 15 hatten wir etwas Bouncing. Aber das sind Dinge, die wir uns anschauen, wenn wir zurück ins Büro kommen."

"Waren ziemlich aggressiv unterwegs"

Doch wie ist Mercedes mit seinem neuen Unterboden eigentlich gefahren: hoch oder niedrig? "Wir haben in den ganzen Rennen eine Menge ausprobiert und gelernt, dass große Schritte für das Qualifying keine tolle Idee sind, denn wenn man falsch liegt, dann ist man im Qualifying und Rennen darauf festgelegt", sagt Shovlin.

"Wir waren hier am Anfang ziemlich aggressiv, und vielleicht kommt noch ein kleines Bisschen mehr", deutet er weiter an.


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"Und wenn man bedenkt, dass wir gerade drei ziemlich holprige Low-Speed-Straßenkurse hatten, haben wir verstanden, warum wir dort ein wenig zu kämpfen hatten", sagt Shovlin. "Wir fangen an, richtig zu wissen, was hier gut ist und warum es dort schlecht ist. Und dann können wir versuchen, es zu verbessern."