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Formel 1 Hockenheim 2016: Lewis Hamilton gewinnt souverän

Lewis Hamilton gewinnt alle vier Juli-Rennen und baut den WM-Vorsprung auf 19 Punkte aus - Entscheidung in Hockenheim fällt bereits am Start

(Motorsport-Total.com) - Sechs Siege in den letzten sieben Rennen, vier Siege in den vier Juli-Rennen: Lewis Hamilton geht als Dominator der Formel-1-Saison 2016 in die Sommerpause. In der Fahrer-WM hat er seinen Vorsprung mit dem Triumph beim Grand Prix von Deutschland von sechs auf 19 Punkte ausgebaut. Denn Mercedes-Teamkollege Nico Rosberg kam diesmal hinter den beiden Red Bulls (Daniel Ricciardo vor Max Verstappen) nur als Vierter ins Ziel.

Für Rosberg, den Hockenheim-Sieger von 2014, ist das ausgerechnet vor der vierwöchigen Pause eine herbe Enttäuschung, hatte er doch zwischenzeitlich schon 43 Punkte Vorsprung auf Hamilton. Seine Niederlage wurde heute schon am Start besiegelt: Zwar kam er auf den allerersten Metern problemlos weg, aber in der Beschleunigungsphase zog Hamilton an ihm vorbei. Rosberg musste noch vor der ersten Kurve sogar beide Red Bulls durchlassen.

Der Grund dafür war Wheelspin, wie eine fette schwarze Reifenspur im Asphalt beweist. "Ich versteh's nicht, ich hab' keine Ahnung", rätselt Rosberg über die aus seiner Sicht rennbestimmende Szene. "Der Probestart war gut, ich habe alles gleich gemacht, ich hatte aber mega durchdrehende Räder." Und später auch noch Untersteuern. "Lewis hat das nicht gehabt", wundert sich Sportchef Toto Wolff. "Wirklich komisch, denn es waren zwei identische Autos."

Rosberg attackierte zunächst mit der Wut im Bauch den vor ihm fahrenden Ricciardo, wurde aber vom Kommandostand zurückgepfiffen: "Halte dich an den Plan!" Und der lautete: Reifen schonen. Hamilton hatte nach sieben Runden erstmals mehr als drei Sekunden Vorsprung auf Verstappen, der seinen Teamkollegen Ricciardo nie ganz abschütteln konnte, obwohl der um fünf Runden ältere Pirelli-Supersofts drauf hatte.

Verstappen hatte Ricciardo in der ersten Kurve außen überholt und damit seiner Reputation als Racer wieder einmal alle Ehre gemacht. "Er hatte einfach mehr Schwung", analysiert Ricciardo. Dieses Malheur konnte er aber im dritten Stint rückgängig machen, als Verstappen auf Soft und er selbst auf Supersoft unterwegs war. Weil Ricciardo in jener Phase die deutlich schnelleren Rundenzeiten fahren konnte, wurde er teamintern vorbeigewinkt.

"Ich habe Daniel vorbeigelassen. Habe ich für das Team gemacht", bestätigt Verstappen. "Das Hauptziel war, beide Autos auf das Podium zu bringen und vor den Ferraris zu bleiben. Das ist uns gelungen." Und zwar zum ersten Mal seit dem Grand Prix von Ungarn 2015. "Wir wollten eigentlich mit einem Fahrer nur zwei Stopps ausprobieren", gibt Teamchef Christian Horner im Nachhinein zu. "Aber dann bauten die Reifen etwas stärker ab als erwartet."

Zwischenzeitlich lag Rosberg wieder vor den beiden Red Bulls, dank eines strategischen Undercuts. Rosberg kam beim ersten Boxenstopp gleichzeitig mit Verstappen an die Box, stand aber wegen eines Problems links hinten etwas länger. Als Rosberg dann auf der Strecke attackierte, setzte er sich vor der Spitzkehre auf die Innenbahn - und lenkte so weit geradeaus, dass Verstappen gar keine andere Wahl hatte, als neben die Strecke zu fahren und das Duell aufzugeben.

"He pushed me off the track", klagte Verstappen am Boxenfunk an - und wurde gehört: Die FIA-Rennkommissare bestraften Rosberg mit fünf Sekunden, abzusitzen beim dritten Boxenstopp. "Es hat so ausgesehen, als würde er nach Köln fahren wollen. Das war etwas frech", findet Red-Bull-Teamchef Horner. Und Rosberg akzeptiert die Strafe letztendlich auch ohne Widerspruch: "Ich verstehe, dass ich ihm mehr Platz hätte lassen sollen."

Beim Absitzen der Strafe warteten die Mercedes-Mechaniker dann auch noch über acht statt fünf Sekunden. "Man kann's kaum für möglich halten, aber in einem so hochtechnologischen Formel-1-Team hat schlicht die Stoppuhr nicht funktioniert", ärgert sich Wolff. "Das Ding lief nicht los, dann mussten wir auf Nummer sicher gehen." Und ein paar Sekunden grob geschätzten Puffer lassen, um nicht auch noch eine Folgestrafe zu kassieren.

Rosberg lag nach dem letzten Boxenstopp 4,9 Sekunden hinter Verstappen und konnte dem Niederländer von da an nicht mehr gefährlich werden, obwohl er die härteren Reifen drauf hatte. Deren höhere Konstanz begann sich zu spät auszuwirken: In der 62. Runde lag Rosberg über sieben Sekunden hinter Verstappen, bei der Zieldurchfahrt nach 67 Runden waren es nur noch 2,4 Sekunden - was auch daran lag, dass die Red Bulls nicht mehr pushen mussten.

Vorne fuhr Hamilton sein einsames Rennen trocken zu Ende. Letztendlich gewann er mit sieben Sekunden Vorsprung auf Ricciardo. "Die Balance war unglaublich", strahlt der WM-Leader. "Es ging für mich heute nur darum, cool zu bleiben und den Motor zu schonen. Ich habe nicht erwartet, dass ich so stark sein würde. Gestern habe ich einen Fehler gemacht und mich geärgert. Heute war es andersrum. Ich habe so abgeliefert, wie ich es muss."

Ferrari hingegen erlebte einen bescheidenen Sonntag und war auch im Rennen nur dritte Kraft hinter Mercedes und Red Bull. Zu keinem Zeitpunkt konnten Sebastian Vettel (5.) und Kimi Räikkönen (6.) den Red Bulls gefährlich werden. Der teaminterne Positionswechsel spielte sich gleich am Start ab, danach fuhren die beiden ein ereignisloses Rennen. Dass Räikkönens erster Boxenstopp nicht optimal war, machte für das Endergebnis keinen Unterschied.

Vettel diskutierte zwischendurch mit der Boxenmauer, die ihn früher zum letzten Reifenwechsel holen wollte. Antwort aus dem Cockpit: "Negativ." Aber das machte das Kraut nicht fett: "Sie waren weiter weg als erwartet", sagt Vettel, in Hockenheim immer noch ohne Heimsieg, über Mercedes und Red Bull. "Die Rennpace war nicht schlecht, aber es hat nicht gereicht. Ich bin in den Kurven gerutscht. Das kostet auf eine Runde schon Zeit, auf die Renndistanz aber noch mehr."

Nico Hülkenberg (Force India) fuhr heute ein blitzsauberes Heimrennen und holte mit Platz sieben das Maximum heraus. Lange Zeit sah es so aus, als würde er Valtteri Bottas (Williams) vor sich haben, aber dessen Zweistoppstrategie rächte sich in den letzten Runden, als er mit abbauenden Reifen noch hinter Hülkenberg und Jenson Button (McLaren) zurückfiel. Zehnter wurde Sergio Perez (Force India), der seinen Punkt mit einer glücklichen Aktion errang.

Denn als er in der Schlussphase mit den härteren Reifen zu Alonso aufschloss, versuchte der gerade, sich gegen einen Red Bull zurückzurunden. Alonso war schon daneben, zog vor der Spitzkehre aber zurück, verbremste sich dabei und schaffte so den für Perez nötigen Platz auf der Strecke. In den letzten Runden fiel der zweimalige Weltmeister dann auch noch hinter Haas-Fahrer Esteban Gutierrez zurück und wurde Zwölfter.

Pascal Wehrlein (Manor) fuhr zu Beginn einmal seinem Teamkollegen Rio Haryanto über den Frontflügel, beendete sein erstes Heimrennen in der Formel 1 letztendlich mit zwei Runden Rückstand als 17. - 8,9 Sekunden vor Sauber-Pilot Marcus Ericsson. Felipe Massa (Williams) schied wegen des Folgeschadens einer Kollision mit Jolyon Palmer (Renault) aus; Felipe Nasr (Sauber) blieb mit einem technischen Defekt stehen.

Nach zwölf von 21 Rennen geht die Formel-1-Saison 2016 nun in ihre vierwöchige Sommerpause. In der Konstrukteurs-WM hat Red Bull im Kampf um Platz zwei erstmals 14 Punkte Vorsprung auf Ferrari. Und laut Mercedes-Sportchef Wolff ist auch im Kampf um die Fahrerkrone "noch gar nichts" entschieden: "Es sind 225 Punkte zu vergeben, und Lewis bekommt noch einen Penalty. Die Meisterschaft ist völlig offen", sagt er.

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