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Formel-1-Fahrer nach Quali-Chaos: "Was zur Hölle machen wir da?"

Wie die beteiligten Fahrer auf das Chaos-Qualifying in Monza reagieren und wie sie sich die "Grüppchenbildung" vor der letzten schnellen Runde erklären

(Motorsport-Total.com) - "Scheiße, Leute, was zur Hölle machen wir da? Wir müssten doch eigentlich von so einem Scheiß profitieren, und nicht mittendrin sein!" So hat Formel-1-Fahrer George Russell aus dem Williams-Team reagiert, nachdem Q1 im Qualifying zum Italien-Grand-Prix 2020 in Monza mit "Grüppchenbildung" und allgemeinem Chaos geendet hatte - ähnlich wie schon im vergangenen Jahr.

Sebastian Vettel, George Russell, Antonio Giovinazzi

Zu viele Autos auf zu wenig Platz: Das Monza-Qualifying war teilweise turbulent Zoom

Dazu erklärte Ferrari-Fahrer Sebastian Vettel, auf P17 eines der "Opfer" der turbulenten letzten Minuten in Q1, bei 'Sky', es hätten sich schlicht "zu viele Autos auf dem gleichen Fleck" befunden, als dass ein geordneter Fahrbetrieb möglich gewesen wäre.

Zu viele Autos auf dem gleichen Fleck - und über die Reihenfolge wurde man sich auch nicht einig. "Dadurch, dass dann zu viele angefangen haben, sich gegenseitig zu überholen, kam es zum Chaos", meint Vettel. "Es gab [aber] keinen Grund, mit dem Überholen anzufangen."

Helmut Marko: Wenn einer anfängt ...

Red-Bull-Sportchef Helmut Marko denkt ähnlich und verweist auf "Richtlinien", die von der Rennleitung "ganz klar" vorgegeben waren. Weiter sagt er bei 'Sky': "Es war unter den Fahrern auch ausgemacht, wie das vor sich geht."

Doch der Plan von Formel-1-Rennleiter Michael Masi ging nicht auf. "Plötzlich hat sich halt einer nicht mehr daran gehalten und dann kam es eben zu diesen Situationen", meint Marko. "Es waren ein, zwei, die plötzlich ausgeschert sind."


Fotos: Grand Prix von Italien


Unter den Betroffenen: Kimi Räikkönen von Alfa Romeo. Er fühlte sich von Esteban Ocon im Renault aufgehalten und monierte das auch lautstark am Funk. Später aber gab sich Räikkönen betont gelassen: "Manchmal passiert so was."

Sportkommissare: Keine Strafen

"Unterm Strich dürfen wir ja Rennen fahren. Nur eine Sache: Er hat mich weggedrückt. Letztlich hat aber niemand was falsch gemacht. Es ist nur einfach so gewesen, dass wir zu Beginn der Runde sehr nahe beisammen lagen. Kommt vor."

Er glaube nicht, dass die Situation am Ende von Q1 einer Untersuchung durch die Sportkommissare bedürfe: "Keine Ahnung, was man da untersuchen will."

Die Sportkommissare untersuchten den Zwischenfall tatsächlich, kamen aber zu dem Ergebnis, dass keine Sanktion erfolgen müsse. Die entsprechenden Manöver seien "wahrscheinlich unausweichlich" gewesen, aber "nicht gefährlich". So hätten es die Sportkommissare und auch Ocon und Räikkönen selbst gesehen.

Williams-Fahrer Latifi als Auslöser

Ausgelöst habe die ganze Situation Williams-Fahrer Nicholas Latifi, der hinter Lewis Hamilton habe Abstand nehmen wollen. "Deshalb musste [Ocon] nach links ausweichen, was wiederum [Räikkönen] zum Bremsen und Ausweichen veranlasste", so schreiben die Sportkommissare.


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Eine Videoszene, in der Räikkönen deutliche Worte für Ocons Verhalten findet, zeigt allerdings keine Fahrzeuge unmittelbar vor Ocon auf der Strecke.

So oder so: Pierre Gasly von AlphaTauri wirkt beinahe erleichtert. "Ich wusste, dass es schlimm werden würde. Ich muss aber sagen: Ganz so schlimm war es nicht", meinte er nach dem Qualifying. Das ganz große Chaos sei ausgeblieben.

Russell: Verpasste Chance für Williams

Und damit zurück zu Russell, der sich mehr ausgerechnet hatte als P19 für Williams. Ihn ärgert die Szene noch immer. Begründung bei 'Sky': "Wir sind das langsamste Team auf der Strecke [und] brauchen schon extreme Umstände, damit wir eine Chance haben. Heute gab es eine dieser extremen Chancen, und wir waren mittendrin."

Dass Williams die Situation nicht besser gemeistert habe, das sei "lächerlich", so meint er. "Es beginnt damit, wann man dich aus der Boxengasse schickt."

"Ich will hier niemandem die Schuld geben, aber alle sitzen im selben Boot. Keine Ahnung, warum jedes Team seine Autos zur gleichen Zeit rausschickt. Denn da kann man sich ja genau ausmalen, was passiert."

Problem ist "streckenspezifisch", sagt Russell

Zumal in Monza, einer Strecke, die prädestiniert ist für Windschattenspiele, und mehr als die meisten anderen Kurse im Formel-1-Kalender. "Es ist schon sehr streckenspezifisch", erklärt Russell. "Jeder will den Windschatten, aber niemand will den Zug anführen."

"Ich versuchte einfach nur, mich durchzukämpfen, aber niemand will hinter einem Williams festhängen. Deshalb blockierte mich jeder und es krachte beinahe. Und das", so sagt Russell weiter, "hatte schon komische Züge."

Red-Bull-Fahrer Alexander Albon indes hat "keine Lösung parat", wie die Formel 1 solche Situationen in Monza vermeiden könnte. "Gut wäre aber, wenn wir die Abstände bis Sektor zwei geklärt hätten."

Schafft das neue Reglement Abhilfe?

"Ansonsten, was passiert? Jeder beschleunigt, weil er seine Position im Pulk nicht verlieren will, und vor der letzten Kurve staucht sich alles zusammen. Man müsste halt darauf vertrauen können, nicht überholt zu werden", sagt Albon.

Es gäbe aber manchmal gute Gründe, weshalb ein Fahrer aus dem Pulk ausschere. "Manch einem geht die Zeit aus, sie stehen kurz vor dem Ausscheiden oder was auch immer", meint er. "Und es scheint in Monza von Jahr zu Jahr schlimmer zu werden."

Ob das neue Formel-1-Reglement ab 2022 Besserung verspricht? Albon hat seine Zweifel: "Das Hinterherfahren soll ja leichter werden. Doch wenn es so ist, dann weiß ich nicht, ob das nicht sogar den Windschatten-Effekt noch vergrößert."

Alles eine Frage der "Etikette"?

Renault-Fahrer Daniel Ricciardo glaubt indes, es braucht gar keine Regeln für solche Situationen. "Normalerweise reicht die Fahrer-Etikette aus dafür", so meint er. "Dass man vor der letzten Kurve seine Position hält."

In Monza aber sei eine Sondersituation eingetreten: "Manche wollen zwei Sekunden Abstand beim Windschatten, andere fünf. Das macht es nicht einfach", erklärt Ricciardo. "Eine Antwort darauf habe ich auch nicht. In der perfekten Welt hält jeder seine Position und geht auf Abstand. So einfach aber ist es nicht immer."

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