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Formel 1 berät über Wochenendformat: Fällt der Freitag weg?

Einmal mehr steht der erste Trainingstag eines Formel-1-Wochenendes in der Grundsatzdiskussion: Pro und Contra zur Komprimierung der Rennwochenenden

(Motorsport-Total.com) - Nicht zum ersten Mal wird in der Formel 1 über ein neues Wochenendformat beraten. Die Idee, die Freitage aus dem Fahrplan zu streichen, gab es in der Ära Bernie Ecclestone schon häufiger. Umgesetzt wurde sie nie. Nun, unter der Führung von Liberty Media, kommt die Idee erneut hoch - und zwar ernsthaft.

Esteban Ocon

Geht es den Formel-1-Freitagen unter Ross Brawn endgültig an den Kragen? Zoom

Der Grundgedanke hinter einer Komprimierung der Rennwochenenden auf nur Samstag und Sonntag ist, noch mehr Rennen in den Kalender zu hieven. Doch die Vorstellung von bis zu 25 Formel-1-Rennen pro Saison kommt nicht bei allen gut an.

"Ich finde, bei der Anzahl der Rennen ist der Faktor Qualität der entscheidende", sagt Formel-1-Motorsportchef Ross Brawn, eine der drei großen Stützen in der Formel-1-Führungsetage von Liberty Media. "Es ergibt keinen Sinn, mehr Rennen auszutragen, wenn es keine Qualitätsrennen sind. Der Austragungsort, die Art der Strecke und die Eignung für ein großartiges Rennen sind entscheidend", sagt Brawn.

Team-Interessen vs. Promoter-Interessen

Ross Brawn

Ross Brawn kann sich mehrere Optionen vorstellen und ist offen für alles Zoom

Dem Briten ist bewusst: "Die Teams stehen natürlich vor logistischen Herausforderungen, wenn wir weitere Rennen in den Kalender aufnehmen." Aber: "Wenn wir über eine Neugestaltung des Rennformats nachdenken, dann tun wir das, um es für sie logistisch so einfach wie möglich zu machen. Wir gehen unbelastet an dieses Thema heran. Dabei reden wir auch gar nicht über das Hauptevent", spricht Brawn den Rennsonntag an und stellt klar: "Die offene Frage ist, ob wir den Freitag brauchen?"

"Würden wir den Freitag streichen, könnten wir mehr Rennen austragen. Das wäre logistisch besser für die Teams. Andererseits ist der Freitag für die Rennpromoter und die übertragenden TV-Sender wichtig. Wie finden wir also die richtige Lösung?"

Gegenüber 'Sky Sports F1' unterstreicht Brawn: "Das Thema steht in der Diskussion. Wollen wir Zwei-Tages-Events? Wollen wir Zweieinhalb-Tages-Events? Wollen wir Drei-Tages-Events? Wir untersuchen das und versuchen, alle Faktoren auf den Tisch zu bringen, sodass die Teams und die FIA eine Antwort finden können."

Teams sehen Zwei-Tages-Events kritisch

Christian Horner, Franz Tost

Christian Horner und Franz Tost einig: Verzicht auf Freitag keine gute Idee Zoom

Apropos Teams. Red-Bull-Teamchef Christian Horner sieht die Idee, den Freitag komplett zu streichen, kritisch: "Ich glaube, der Freitag erlaubt es den Promotern, mehr Fans an die Strecke zu bringen. Was wir vielleicht tun könnten, ist, den Freitag etwas anders zu gestalten. Wir können ihn interaktiver gestalten. Vielleicht braucht es nur eine einzige Session, am Freitagnachmittag."

"Bei einem Zwei-Tages-Event hätte ich aber Bauchschmerzen", gesteht Horner und begründet dies gleich mit zwei Argumenten: "Dann wäre das Rennwochenende schon sehr kurz und das würde bedeuten, dass wir noch stärker auf Simulationen setzen müssten. Ich bin mir nicht sicher, ob das dem Kräfteverhältnis zwischen den Teams zuträglich wäre."

Der andere Aspekt, der Horner bei diesem Gedanken Bauchschmerzen bereitet, ist das Thema Anzahl der Rennen. "Ich glaube, wir müssen aufpassen, dass wir in der Formel 1 nicht zu viele Rennen haben. Es wäre wohl wenig sinnvoll, nur für zwei Tage nach Mexiko oder nur für zwei Tage nach Australien zu kommen", gibt der Red-Bull-Teamchef zu bedenken.

Toro-Rosso-Teamchef Franz Tost stimmt zu: "Ich sehe es wie Christian. Das Fahren am Freitag ist wichtig für die Organisatoren, um Tickets zu verkaufen. Es ist auch wichtig für die Teams, denn wir haben zwischen den Rennen keine Zeit mehr für Testfahrten. Wir können nur Simulationen durchführen. Deshalb sind die Sessions am Freitag, insbesondere für kleine Teams wie Toro Rosso, von Bedeutung. Es ist wichtig, dass wir fahren, um verschiedene Set-ups auszuprobieren, um uns bestmöglich auf das Qualifying und das Rennen vorbereiten zu können."

Brawn, der die Idee eines neuen Wochenendformats diesmal auf den Tisch gebracht hat, weiß genau: "Das Ganze ist nicht so einfach. Die Antwort ist nicht einfach schwarz oder weiß, sondern steht zur Diskussion."