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Formel 1 Belgien 2016: Also doch Pole für Rosberg!

Mercedes wackelte vor dem Qualifying in Spa, steht aber doch wieder auf Pole-Position - Red Bull und Ferrari für das Rennen in Schlagdistanz

(Motorsport-Total.com) - Obwohl Mercedes nach dem dritten Freien Training zum Grand Prix von Belgien (Formel 1 2016 live im Ticker) nicht als unumstrittener Pole-Favorit gehandelt wurde, hat es am Ende doch wieder gereicht. Nico Rosberg erzielte in Spa-Francorchamps eine Bestzeit von 1:46.744 Minuten und war im entscheidenden Q3 um 0,149 Sekunden schneller als sein erster Verfolger Max Verstappen (Red Bull).

Max Verstappen, Nico Rosberg

"Local Hero" Max Verstappen forderte im Qualifying Nico Rosberg heraus Zoom

Rosberg hatte schon in Q2 Bestzeit erzielt, mit fast identischem Vorsprung auf Verstappen, den rund 40.000 niederländische Landsleute bei strahlendem Sonnenschein anfeuerten. Doch letztendlich war die Pole außer Reichweite. Für Verstappen ist das kein Weltuntergang: "Wir sind sehr zufrieden damit, dass wir auf einer Strecke mit so langen Geraden so nahe dran sind. Das Auto ist wirklich gut gelaufen, wie wir im zweiten Sektor gesehen haben."

Rosberg wiederum ist happy, dass er die goldene Chance nutzen konnte, sich die Pole zu holen, wenn Teamkollege Lewis Hamilton ganz hinten steht. Danach hatte es am Vormittag noch nicht ausgesehen: "Heute Morgen waren wir nicht die Schnellsten, aber wir haben dann sehr viel am Auto verändert", sagt der Deutsche. Mercedes-Sportchef Toto Wolff betont aber, wie knapp es gegen Red Bull und Ferrari war: "Die waren ganz, ganz nahe dran!"

Spa-Spezialist Kimi Räikkönen (3./+0,166) schrammte nur um 17 Tausendstelsekunden an der ersten Startreihe vorbei - was ihn umso mehr ärgert, als er glaubt, dass mehr gegangen wäre: "Heute hätten wir Pole holen können. In der letzten Schikane habe ich drei Zehntel verloren", erklärt der Finne unter neugierig-nervösen Blicken von Rosberg, der offenbar immer noch besorgt ist, dass das Rennen morgen für Mercedes eines der schwierigeren der Saison werden könnte.

Genau wie Räikkönen verspielte auch Sebastian Vettel (4./+0,364) die erste Startreihe in der Bus-Stop-Schikane. Was sich am Boxenfunk noch wie ein stinksaurer Fluch auf Pirelli anhörte, klang Minuten später vor laufenden TV-Kameras schon wieder recht diplomatisch: "Wir haben uns alle schwer getan, die Leistung in der letzten Kurve auf den Boden zu bringen, weil die Reifen so heiß werden - und an der Stelle sehr heiß."

Die Reifenwahl könnte morgen das Rennen entscheiden. "34 Grad habe ich hier noch nie erlebt", stöhnt Toto Wolff über den ungewöhnlichen Ardennen-Sommer, der besonders die Pirelli-Supersofts an ihre Grenzen treibt. Nachteil Verstappen: Der Niederländer muss als einziger Topfahrer auf den Supersofts starten, weil er mit diesen in Q2 seine Bestzeit erzielt hat.

Insofern kann Teamkollege Daniel Ricciardo auch die Niederlage im Stallduell verkraften. Normalerweise sei ein fünfter Platz enttäuschend, wenn Verstappen Zweiter wird, aber diesmal schätzt er den strategischen Vorteil durch die härteren Startreifen höher ein: "Max hat auf seiner Strategie bestanden, ich auf meiner. Ich glaube, dass mir das morgen helfen wird."

Auch bei Ferrari ist man aus demselben Grund optimistisch: "Wir starten auf dem richtigen Reifen. Das ist ein Vorteil", glaubt Jock Clear. Und Vettel, der gegen Räikkönen schon das ganze Wochenende das Nachsehen hatte, analysiert: "Ich war ein bisschen überrascht, dass Mercedes auf Supersoft nicht schneller war. Meine letzte Runde war nicht so gut, da hatte ich ein paar Ecken drin. Schade, wenn die Abstände so knapp sind."

Wolff sieht nun "drei oder vier mögliche Sieger" für das Rennen, lässt aber offen, ob er auch Hamilton zu diesen Kandidaten zählt. Der WM-Leader (19 Punkte Vorsprung auf Rosberg) erfüllte in Q1 seine Pflicht, setzte eine 107-Prozent-Zeit, ließ es damit dann aber auch gut sein. "Es ging heute nicht darum, das wahre Tempo zu zeigen. Es ging nur darum, alle Vorbereitungen für morgen zu treffen", erklärt er seine Herangehensweise.

Mit einer Podiums-Chance rechnet Hamilton unter normalen Umständen "ganz ehrlich" nicht mehr: "Wir sind hier nicht die klar Schnellsten. Ich starte von ganz hinten und muss versuchen, mich da durchzukämpfen. Aber bei dieser Hitze und mit diesen fragilen Reifen wird das hart. Wenn man im Verkehr steckt und von hinten kommt, bauen die Reifen zusätzlich ab. Es wird zwei oder drei Stopps geben. Ein lockerer Tag wird das nicht."

Insofern wittert Red Bull die große Chance, unter Umständen sogar beide Autos auf das Podium zu bringen. Vielleicht ist sogar Rosberg in Reichweite, glaubt Motorsportkonsulent Helmut Marko: "Wir wussten, dass Mercedes im Qualifying mit ihren Spezialeinstellungen mehr PS lukrieren kann. Das hat man im ersten Sektor gesehen. Aber im Rennen sieht's wieder anders aus. Unsere Longruns waren gut und unser Reifenverschleiß war im Rahmen des Üblichen."

Im Vergleich zum Freitagstraining ist Force India am Samstag zurückgefallen. Nico Hülkenberg, bis dahin das ganze Wochenende schneller als Sergio Perez, wurde am Ende Siebter, 0,136 Sekunden hinter seinem mexikanischen Teamkollegen. Der konnte in Q3 sogar einen kleinen Ausritt verkraften, ähnlich wie (an gleicher Stelle) Räikkönen. Der "Iceman" musste seinen ersten Run abbrechen, sodass alles auf seine letzte Runde ankam.

Pech hatte das Williams-Team: Nach (reifenbegünstigter) Massa-Bestzeit in Q1 reichte es am Ende nur zu den Positionen acht und zehn - unter anderem, weil ein Software-Problem Fehlzündungen des Mercedes-Motors verursachte. Zwischen Valtteri Bottas und dem Brasilianer reihte sich Jenson Button (McLaren/+1,370) an neunter Stelle ein. Fernando Alonso im zweiten McLaren rollte gleich zu Beginn von Q1 aus.

Pascal Wehrlein behielt im Manor-Duell gegen Formel-1-Debütant Esteban Ocon letztendlich klar die Oberhand. Der Deutsche witterte eine Überraschung, als er in Q1 die neuntbeste Zeit fuhr, musste aber seinen ersten Q2 Run abbrechen, weil ein Rad lose war, und hatte dann für den zweiten Versuch keine frischen Supersofts mehr. "In der zweiten Runde ist der Supersoft um eine Sekunde langsamer. Was in Q2 sonst möglich gewesen wäre, hat man in Q1 gesehen", seufzt er.

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