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  • 04.06.2008 · 14:35

FIA droht die Spaltung

Der ADAC betont, dass deutsche Veranstaltungen durch den Boykott nicht gefährdet seien - Max Mosley verliert auch Rückhalt in Großbritannien

(Motorsport-Total.com/sid) - Der Verbleib des durch die Sex-Affäre belasteten Max Mosley im Amt des FIA-Präsidenten hat nicht nur in der Formel 1 Empörung ausgelöst und droht den Automobil-Weltverband zu spalten. Nachdem der deutsche ADAC nach der Geheimabstimmung in Paris einen Boykott der FIA erklärt hatte, denken weitere große Automobilclubs wie der amerikanische AAA über einen ähnlichen Schritt nach. Die wichtigsten deutschen Motorsportveranstaltungen sollen trotz der Eiszeit zwischen dem ADAC und dem Weltverband aber nicht gefährdet sein.

Max Mosley (FIA-Präsident)

Max Mosleys Verbleib im Amt sorgt für zahlreiche kritische Stimmen

"Die ADAC Deutschland Rallye ist für dieses Jahr fest im Kalender. Ich gehe davon aus, dass es dabei bleibt", sagte ADAC-Sportpräsident Hermann Tomczyk dem 'sid'. Bei der WM-Rallye vom 15. bis 17. August ist der größte deutsche Automobilclub der Veranstalter, allerdings im Auftrag des Deutschen Motor Sport Bundes DMSB und nicht direkt der FIA. Der Große Formel-1-Preis von Deutschland am 20. Juli auf dem Hockenheimring wird vom AvD organisiert.#w1#

Beim Tourenwaren-WM-Lauf am 31. August in Oschersleben ist der ADAC Weser-Ems in die sportliche Ausrichtung eingebunden. "Es gibt einen Vertrag mit dem Promoter und der Motorsport Arena. Daran wird sich ganz bestimmt nichts ändern", sagte Peter Rumpfkeil als Vorstandsmitglied des ADAC Weser-Ems.

Der ADAC hat nach der Bestätigung von Mosley erklärt, mit ADAC-Präsident Peter Meyer an der Spitze als Mitglied des FIA-Senats alle Ämter und jegliche Mitarbeit im Dachverband sofort ruhen zu lassen. Tomczyk, der den DMSB im FIA World Motor Sport Council vertritt und FIA-Vizepräsident ist, schloss sich an.

Verständnis für den ADAC

Der zweimalige Le-Mans-Sieger Klaus Ludwig zeigt Verständnis für die harte Haltung contra Mosley. "Motorsport wird im großen Umfang von heranwachsenden jungen Menschen betrieben. Wir brauchen deshalb Vorbilder und Max Mosley kann das nach seiner Sex-Affäre in keinem Fall sein", sagte Ludwig.

"Wir brauchen die FIA nicht." Robert Darbelnet (AAA)

Bis zum turnusmäßigen Ende von Mosleys Amtszeit im Oktober 2009 drohen nun 16 Monate Chaos. "Wir brauchen die FIA nicht. Wir müssen uns sehr genau überlegen, ob wir Mitglied einer Organisation sein wollen, die diese Art von Benehmen unterstützt", sagte Robert Darbelnet als Präsident des mehr als 45 Millionen Mitglieder repräsentierenden AAA und drohte Mosley und der FIA offen: "Es gibt Bestrebungen, nach anderen Strukturen zu schauen." Nach dem Sieg von Mosley mit 103:55 Stimmen soll es bereits ein Treffen wichtiger Automobilclubs in Sachen Austritt gegeben haben.

Auch die Finanzen sind gefährdet

Auch Mosleys Versprechen, zumindest bis zum Rennen in Hockenheim größtenteils auf öffentliche Auftritte zu verzichten, konnte die mitgliedsstärksten Automobilclubs (USA, Japan, Deutschland) nicht beschwichtigen. Die Mosley-Gegner stellen fast 90 Prozent der Mitglieder und sorgen für den Löwenanteil im FIA-Budget - bei einem Austritt könnte der Weltverband in ernsthafte finanzielle Probleme geraten.

"Nur weil ein paar Klubs aus Afrika für ihn stimmen, wird der König von Spanien nicht seine Hand schütteln." Bernie Ecclestone

Selbst Mosleys langjähriger Weggefährte, Formel-1-Boss Bernie Ecclestone, macht sich ernsthafte Sorgen um die FIA und die Zukunft der Königsklasse: "Niemand weiß genau, was jetzt in der Formel 1 passiert. Ich hoffe, dass sich die Zusammenarbeit mit den Sponsoren und Herstellern nicht destabilisiert." Niemand wolle mehr mit Mosley reden: "Nur weil ein paar Klubs aus Afrika für ihn stimmen, wird der König von Spanien nicht seine Hand schütteln."

Die Stimmung in Großbritannien

Ex-Weltmeister Damon Hill als Präsident des Britischen Rennfahrerklubs bezeichnete die Bestätigung von Mosley als "eine Tragödie": "Die Formel-1-Fahrer sind wegen dieser Sache nur Nebendarsteller - und das ist schrecklich falsch."

Auch sonst hat der 68 Jahre alte Brite selbst in seiner Heimat den Rückhalt verloren. "Mosley hat weiteren unnötigen Schaden für den Automobil-Weltverband und die Formel 1 ausgelöst, die ihm komplett den Rücken zuwendet", schrieb die 'Times'. Der 'Independent' kommentierte: "Er gewinnt den härtesten Test in seiner 14-Jährigen Amtszeit - aber nur auf Kosten einer potenziellen weltweiten Spaltung des Motorsports."

Die in der Formel 1 involvierten Automobilhersteller halten sich dagegen mit ihren Kommentaren zurück - schließlich müssen sie die Rache des mächtigen FIA-Präsidenten fürchten. BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen meinte, dass man das demokratische Votum der FIA-Mitglieder akzeptieren und zum Sport zurückkehren müsse.

"In einer Demokratie muss man auch verlieren können" Christian Danner

RTL-Formel-1-Experte Christian Danner gehört zu den wenigen Fürsprechern des FIA-Präsidenten. "Ich gehe davon aus, dass Max Mosley seine bislang hervorragende Arbeit bis zum Ende seiner Amtszeit genau so weiterführt. Ob es dem ADAC schmeckt oder nicht - in einer Demokratie muss man auch verlieren können", sagte er.

"Ich wünsche mir, dass Max diesen Erfolg hernimmt und sagt: Seht her, ich habe es euch gezeigt, aber ich trete zurück", meint der ehemalige Formel-1-Teamchef Eddie Jordan. Es wird wohl ein frommer Wunsch bleiben.

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