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Ferrari-Sieg in Ungarn: Plötzlich schneller als Mercedes...

Der zweite Saisonsieg von Sebastian Vettel und Ferrari in Ungarn kam überraschend - Für Klassenprimus Mercedes ist es erst die zweite Niederlage im Jahr 2015

(Motorsport-Total.com) - Sebastian Vettel fuhr am Sonntag den zweiten Saisonsieg für Ferrari ein. Seinen ersten Triumph in Rot feierte der Heppenheimer in Malaysia (zum Bericht), nun eroberte er mit der Scuderia auch Ungarn. Um ein Haar wäre es sogar der erste Ferrari-Doppelerfolg seit mehr als fünf Jahren geworden, zuletzt standen beim Großen Preis von Deutschland 2010 beide Piloten der Scuderia ganz oben auf dem Podest. Da stellt sich zwangsläufig die Frage: Was war eigentlich mit Mercedes los?

Sebastian Vettel

Nico Rosberg konnte Sebastian Vettel in Ungarn am Sonntag nicht folgen Zoom

Die Silberpfeile dominieren die Saison 2015 scheinbar nach Belieben, gewannen vor Ungarn acht der neun Rennen. Einzige Ausnahme war Ferraris Erfolg in Malaysia. Dass Lewis Hamilton und Nico Rosberg auf dem Hungaroring nur auf den Plätzen sechs und acht ins Ziel kamen, lässt sich sicher durch die chaotischen Umstände erklären. Unter anderem waren beide Mercedes-Piloten gegen Rennende in Kollisionen verwickelt.

Fakt ist allerdings, dass Mercedes auch bei regulären Bedingungen nie in der Lage war, Ferrari wirklich unter Druck zu setzen. "Ferrari hatte einen perfekten Start, da hat alles angefangen", erklärt Niki Lauda gegenüber 'Sky Sports F1'. Vettel und Teamkollege Kimi Räikkönen schossen beim Start von den Positionen drei und fünf an den beiden Mercedes vorbei und sicherten Ferrari eine Doppelführung.

Rosberg schlicht zu langsam

Die Situation kannte Mercedes bereits aus Silverstone (zum Bericht): Da waren die beiden Williams-Autos beim Start vorbeigezogen. Doch während man in England an Felipe Massa und Valtteri Bottas dranbleiben konnte, und die beiden schließlich auch überholte, konnte man Vettel und Räikkönen in Ungarn nicht folgen. Hamilton fand sich nach einem Ausritt ins Kiesbett im Mittelfeld wieder und Rosberg verlor die beiden Ferraris auf Position drei mehr und mehr aus den Augen.

"Ich hatte einen ordentlichen Start, wenn auch nicht den besten", berichtet der Deutsche und erklärt: "Ich hatte auf den Option-Reifen keine tolle Balance. So konnten sich die Ferrari zu Beginn recht schnell absetzen." Gegenüber 'Sky' zeigt sich Rosberg "sehr überrascht" und verrät: "Ich habe gedacht, dass es einfach sein wird, ihnen zu folgen, aber das ging überhaupt nicht."


Großer Preis von Ungarn

Dabei hatte Ferrari am Sonntag gleich zweimal Pech: Zunächst fiel die MGU-K an Räikkönens SF15-T aus, weshalb der Finne keine konkurrenzfähigen Rundenzeiten mehr fahren konnte. "Leid tut mir der Kimi, denn wenn er nicht so ein Problem gehabt hätte, wäre er wahrscheinlich Zweiter geworden", ist sich auch 'RTL'-Experte Lauda bewusst. So ging Ferrari ein eigentlich sicher geglaubter Doppelerfolg noch durch die Lappen.

"Ich habe gedacht, dass es einfach sein wird, ihnen zu folgen, aber das ging überhaupt nicht." Nico Rosberg

Zu allem Überfluss musste kurze Zeit später auch noch das Safety-Car auf die Strecke. Vettel büßte seinen kompletten Vorsprung ein und hatte Rosberg anschließend direkt im Genick. Doch selbst dieses unverhoffte Glück half Mercedes nicht. Der Deutsche konnte seinen führenden Landsmann nicht mehr angreifen und auch ohne seine Kollision mit Daniel Ricciardo wäre für ihn am Ende wohl maximal der zweite Platz drin gewesen.

Rennen am Start verloren?

"Ferrari hat dieses Rennen verdient gewonnen, aber es ist schade für Kimi, denn es wäre ein klassisches Mercedes-Wochenende für sie gewesen. Aber die Jungs haben es verdient, weil sie hart gearbeitet haben", gratuliert Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff gegenüber 'Sky' und erklärt im Hinblick auf den Start: "Da entscheidet sich das Rennen, weil wir in eine kompromittierende Situation gekommen sind und die beiden ersten Positionen verloren haben."

Ohne Frage wäre das Rennen anders verlaufen, wenn Mercedes den Start nicht erneut in den Sand gesetzt hätte. Unklar bleibt außerdem, ob Hamilton Ferrari unter Drück hätte setzen können. Der Brite war am ganzen Wochenende deutlich schneller als Teamkollege Rosberg, sein Rennen war allerdings nach dem Ausflug ins Kiesbett in der ersten Runde bereits mehr oder weniger gelaufen.


Fotostrecke: GP Malaysia, Highlights 2015

"Die Pace war in Ordnung, aber die erste Runde war unglücklich mit dem Zwischenfall", erklärt Wolff. Aber warum lief es bei Rosberg an diesem Wochenende nicht? "Das war nicht zu sehen. Wir haben bei Nico gestern gesehen, dass irgendwo im Auto der Wurm drin ist und er nicht auf Speed gekommen ist - und im ersten Stint war das besonders krass zu beobachten, weil Lewis nach dem Stopp die Pace gehabt hat. Jetzt müssen wir schauen, wo wir bei Nico den Fehler gemacht haben."

"Der Ferrari war heute das schnellste Auto im Rennen." Toto Wolff

"Wir müssen uns auf jeden Fall Gedanken machen, denn der Ferrari war heute das schnellste Auto im Rennen", gibt der Österreicher zu und erklärt: "Wir haben wenig Punkte gemacht, und man sieht, wie schnell es gehen kann. Wenn Kimi das Problem nicht gehabt hätte, wären sie auf eins und zwei. Wir müssen aufpassen, dass uns nicht noch mehr Fehler passieren, und dass wir die Meisterschaft im Griff behalten."

"Fangt gar nicht damit an..."

Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene will allerdings nichts davon wissen, dass Ferrari nun dauerhaft auf Augenhöhe mit Mercedes ist. "Fangt gar nicht damit an", erklärt er nach dem Rennen und sorgt damit für einige Lacher bei den anwesenden Journalisten. "Sie sind das stärkste Team, das erkenne ich an. Manchmal können wir sie vielleicht einholen und wie hier Rennen gewinnen. Manchmal ziehen sie uns aber auch davon", erklärt der Italiener.

"Zu Beginn der Saison war die Lücke ziemlich groß. Dann konnten wir ein bisschen aufholen. Wir haben unsere Entwicklung fortgesetzt, aber sie haben ihr Auto auch weiterentwickelt und sind dadurch wieder weggezogen", so Arrivabene. Auffällig: Auch Ferraris zweiter Saisonsieg kam bei hohen Temperaturen zustande. In Ungarn kletterten die Asphalttemperaturen am Sonntag stellenweise auf fast 50 Grad. In Malaysia war die Hitze sogar noch extremer.


Großer Preis von Ungarn

Die warmen Temperaturen kommen Ferrari auf jeden Fall entgegen und waren in Ungarn wieder ein entscheidender Faktor. Die Scuderia schickt Mercedes somit mit einem kleinen Tiefschlag in die Sommerpause. "Wir haben noch eine Woche Arbeit und insofern genug Zeit, um das zu verkraften und zu analysieren. Wir werden hochmotiviert nach Spa zurückkehren", verspricht Wolff.

"Sie sind das stärkste Team." Maurizio Arrivabene über Mercedes

Landsmann Lauda ist von der Niederlage zwar ebenfalls genervt, freut sich allerdings für die Zuschauer, denn: "Das Rennen selber konnte nicht besser ablaufen, also wenn jetzt noch irgendjemand glaubt oder schreibt, dass das langweilig ist, dann kapiert er gar nichts mehr!" Ohnehin kann Mercedes die überraschende Niederlage sicher gut verkraften: In der Weltmeisterschaft liegen die Silberpfeile noch immer komfortable 147 Zähler vor Ferrari.

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