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  • 07.07.2016 · 20:40

  • von Dieter Rencken & Roman Wittemeier

Ferrari ohne explizite Schwächen: Titel 2016 noch machbar?

Dem Formel-1-Gegner Mercedes näher gekommen, das Potenzial bisher nicht voll ausgeschöpft: Die Ferrari-Piloten sehen für die laufende Saison noch gute Chancen

(Motorsport-Total.com) - Ferrari hat in der aktuellen Formel-1-Saison 2016 nach neun von 21 Rennen einen Rückstand von 102 Zählern auf Branchenprimus Mercedes. Die Distanz zwischen den beiden Topteams ist groß, aber dennoch wird anhand dieser Zahlen deutlich, dass die Italiener dem deutschen Werksteam näher gekommen sind. Im Vorjahr lag die Distanz nach neun Grands Prix schon bei 160 Punkten. Ohne die drei Nullnummern von Sebastian Vettel und derer zwei von Kimi Räikkönen könnte die rote Welt noch etwas rosiger sein.

Sebastian Vettel

Punktgleich mit Kimi Räikkönen: Sebastian Vettel hat bessere Einzelergebnisse Zoom

"Es hätte bis hierher etwas besser laufen können, aber es sind ja noch ein paar Rennen zu fahren. Wir müssen fokussiert bleiben, Rennen für Rennen sehen und unser Bestes geben. Wir sollten nicht auf andere schauen", meint Vettel vor dem Grand Prix von Großbritannien in Silverstone. "Die Saison war bislang etwas durchwachsen. Wir hoffen, dass sich alles mal etwas beruhigt und wir normale Rennen haben. Dann können wir zeigen, was in uns steckt. Wir wissen aber, dass noch ein bisschen fehlt."

Nach Ansicht des Deutschen könnten sich in allen noch ausstehenden Rennen des Jahres gute Chancen ergeben. Man werde auch in Zukunft siegfähig sein - wenngleich vielleicht nicht auf allen Strecken. "Wir sind bisher nicht die Favoriten - und das liegt nicht an einem speziellen Verhalten des Autos in irgendwelchen Kurvenarten. Es wurde zuletzt oft über angeblich mangelnde Traktion gesprochen. Aber das sieht oftmals nur von außen so aus."

"Wenn wir unser Auto mit jenem von Mercedes oder den anderen vergleichen, dann gibt es keine heraus stechende Schwäche bei uns. Wir müssen überall etwas besser werden", meint der viermalige Champion. "In langsamen Ecken sind wir meistens gut, in mittelschnellen und schnellen Ecken fehlt uns eher etwas. Bei der Antriebsleistung haben wir einen riesigen Sprung gemacht, aber Mercedes kann halt im Qualifying weiter aufdrehen. Da legen sie um 20 oder 25 PS zu - und so etwas sieht man natürlich."

Räikkönen fährt 100. Grand Prix in Rot: Hohe Ziele

Vettel hat bislang 96 Zähler auf seinem Konto, Teamkollege Räikkönen konnte nach Rang drei in Österreich gleichziehen. Der Finne ist somit der einzige Pilot in den Top 4, der bislang mehr Punkte einfahren konnte als zum gleichen Zeitpunkt in der Saison 2015. "Wusste ich gar nicht", so Räikkönen. "Aber was soll das schon für einen Unterschied machen. Es zeigt aber vielleicht, dass ich es in diesem Jahr etwas besser mit den Gegnern aufnehmen kann. Jetzt wollen wir halt noch mehr."

Vettel hat bislang fünfmal auf dem Siegerpodest stehen dürfen, Räikkönen nach dem Teilerfolg in Spielberg viermal. "Ich bin sicher, dass ich dieses Jahr noch Rennen gewinnen kann", zeigt sich der Champion von 2007 kämpferisch. "Ich werde um den Titel kämpfen, bis rechnerisch nichts mehr geht. Es gibt noch so viele Punkte zu holen. Ja, wir liegen im Moment zurück - aber so ist es nun einmal. Wir können nur versuchen, aus jedem Rennen das Beste zu machen. Schauen wir mal, wo wir am Ende des Jahres stehen werden."


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Vor allem für den bevorstehenden Grand Prix in Silverstone hat sich der Finne viel vorgenommen. Es wird sein 100. Formel-1-Renneinsatz in den Farben von Ferrari sein. "Das klingt nach viel, aber es sind ja auch ein paar Jahre ins Land gezogen", schmunzelt er. "Ferrari ist das berühmteste Team in der Formel und ich bin seit langer Zeit an Bord. Ich habe sogar mit Ferrari meinen Titel geholt. Es gab gute Jahre und schlechtere, aber das ist bei jedem Team so. Ich bin glücklich, bei Ferrari zu sein und werde es hoffentlich auch in Zukunft bleiben. Ich würde gern Ferrari wieder dorthin bringen, wo es hingehört: nach vorn."

Für eine Fortsetzung seiner Karriere in Rot bedarf es einer Verlängerung seines Vertrages. "Er hat es selbst in der Hand", meinen die Ferrari-Verantwortlichen und stacheln den Mann aus Espoo zu weiteren Spitzenleistungen an. "Ich wäre nicht hier, wenn ich nicht überzeugt wäre, dass ich 100 Prozent Leistung bringen kann. Wenn ich nicht mehr motiviert wäre, dann würde ich meine Zeit hier nicht verschwenden", stellt Räikkönen klar. "Ferrari wird mein letztes Team in der Formel 1 sein. Dazu stehe ich. Ich denke aber nie zu weit voraus. Mal schauen, was die Zukunft bringen wird."