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Fehlendes Vorwissen: Reifenchaos beim Auftakt in Melbourne?

Williams-Technikchef Pat Symonds glaubt, dass es in den ersten Saisonrennen Überraschungen geben könnte, da die Teams nur wenig über die neuen Reifen wissen

(Motorsport-Total.com) - Die neuen Reifenregeln der Formel-1-Saison 2016 haben bei vielen Fans der Königsklasse bereits für mächtig Verwirrung gesorgt. Selbst einige Piloten mussten sich das neue Reglement (Hier nachlesen!) mehrfach durchlesen, bevor sie alle Formulierungen wirklich verstanden hatten. Einigen Teams bereiten die neuen Regeln allerdings noch aus einem ganz anderen Grund Sorgen. Pat Symonds, Technikchef von Williams, vermutet, dass es in Australien ein kleines Chaos geben könnte.

Pirelli, Reifen

Die Reifen werden sich 2016 ändern und noch haben die Teams keine Daten Zoom

Laut Symonds sind die neuen Pirelli-Reifen der Saison 2016 "signifikant anders" als die alten Pneus der Italiener. Gegenüber 'F1i.com' erklärt er: "Die Lauffläche besteht jetzt effektiv aus zwei Schichten. Die obere Mischung ist Hard/Medium/Soft/Supersoft/Ultrasoft und darunter ist eine Art Abnutzungsschicht. Sobald du diese Mischung erreichst, hast du viel weniger Grip."

Durch dieses Konzept möchte Pirelli bei den Reifen eine sogenannte 'Klippe' schaffen, wie sie auch in früheren Zeiten bereits existierte. Das bedeutet, dass die Pneus ab einem bestimmten Punkt stark einbrechen und deutlich weniger Performance liefern. "Ich weiß nicht, ob es unbedingt wieder so sein wird wie in Pirellis erstem Jahr, aber es wird ähnlich sein. Dadurch wird es einen ganz anderen Ansatz geben", ist sich Symonds sicher.

Hembery beruhigt Teams

Das große Problem: Die Teams mussten sich bereits jetzt entscheiden, welche Reifen sie für die ersten drei Rennen in Australien, Bahrain und China verwenden möchten. "Wir mussten uns entscheiden, bevor wir die Charakteristik der Reifen überhaupt kannten", grübelt Symonds und erklärt: "In den ersten Rennen könnte es passieren, dass jemand Reifen ausgewählt hat, die er nicht gewählt hätte, wenn er die Charakteristik der Reifen gekannt hätte."


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Für alle drei Rennen legte Pirelli die drei Mischungen Medium, Soft und Supersoft fest. Die Teams mussten allerdings selbst entscheiden, wie viele Sätze der jeweiligen Mischungen sie für das Wochenende haben wollen. Insgesamt stehen jedem Piloten an einem Rennwochenende 13 Sätze zur Verfügung, von denen zehn frei wählbar sind. Nur drei Sätze sind durch Pirelli vorgegeben.

"Wir mussten uns entscheiden, bevor wir die Charakteristik der Reifen überhaupt kannten." Pat Symonds

Pirellis Motorsportdirektor Paul Hembery sieht die Situation allerdings ganz gelassen und erklärt gegenüber 'F1i.com': "Wir verwenden Ultrasoft in Australien nicht, und das ist die einzige Mischung, die sie nicht getestet haben." Zwar habe die neue Zusammensetzung der Reifen eine Auswirkung, "aber die Mischungen selbst werden sich in Wahrheit sehr ähnlich zu dem verhalten, was wir aus den vergangenen Saisons kennen."

Größte Schwierigkeiten für Haas

"Wenn es dadurch in den ersten Rennen der Saison ein paar Überraschungen gibt, dann ist das das, was die Teams wollten", stellt Hembery klar. Lediglich auf ein Team sieht er größere Probleme zukommen: "Haas ist vermutlich in der schwierigsten Situation, denn sie haben kein Hintergrundwissen. Sie kennen nicht einmal die Performance des Autos, was für sie sowieso schon eine große Herausforderung sein wird."


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Dem stimmt auch Teambesitzer Gene Haas zu, der gegenüber 'Sports Business Daily' verrät: "Wir kommen auf diese Party, ohne dass wir wirklich wissen, wie sie werden wird. Wir können beobachten, was die anderen Leute machen, aber das ist kein Vergleich dazu, wenn man selbst dabei ist." Der US-Amerikaner sieht das erste Jahr seines Teams in der Formel 1 ohnehin als Lehrjahr.

"Ich bin mir sicher, dass wir einen Haufen Fehler machen werden. Aber wir werden diese Fehler beheben und bei jedem Rennen besser vorbereitet sein", so Haas. Gerade in den ersten Saisonrennen wird es im Hinblick auf die Reifen daher deutlich spannender sein, ob sich vielleicht auch einige der etablierten Teams bei ihrer Reifenwahl falsch entschieden haben.