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Feature: Die Spezialkleidung der Mechaniker

Wenn beim Boxenstopp Feuer ausbricht oder die Piloten ungenau anfahren, sind die Mechaniker der Teams durch spezielle Bekleidung geschützt

(Motorsport-Total.com) - An einem Formel-1-Rennwagen zu arbeiten, welcher mit Benzin befüllt ist und kochend heiß werden kann, ist besonders risikoreich. Deshalb bedarf es entsprechender Ausrüstung. Aber es sind nicht bloß die Fahrer, die auf der Rennstrecke speziellen Schutz benötigen, sondern auch die Crews in der Boxengarage sind auf die richtige Bekleidung angewiesen.

Mechaniker

Die Mechaniker sind gerade bei den Stopps einer gewissen Gefahr ausgesetzt Zoom

Beim Force-India-Team des deutschen Piloten Adrian Sutil trägt beispielsweise jeder der 26 Mechaniker und Ingenieure in der Boxengasse speziell angefertigte Overalls. Diese Funktionsbekleidung liefert ein Spezialausrüster und wird denselben Anforderungen gerecht, die auch für Rennanzüge der Fahrer gelten.#w1#

Jedes Mitglied der Boxencrew trägt während des Qualifikationstrainings und des Rennens einen feuerfesten Nomex-Overall - also immer dann, wenn die Tankschläuche in der Boxengasse verwendet werden. Dabei muss die Bekleidung genauso geschmeidig und haltbar sein wie die Rennoveralls der Fahrer, da jeder Mechaniker und Ingenieur bei den Arbeiten an den Autos - in der Startaufstellung vor dem Rennen, oder während der Boxenstopps - nichts an seiner Beweglichkeit einbüßen darf.

Feuerfeste Unterwäsche ist Pflicht

Unter den Overalls trägt jedes Crewmitglied ein langarmiges T-Shirt und lange Unterhosen, beides ebenfalls aus Nomex. Schließlich kann es von lebenswichtiger Bedeutung sein, dass die Mechaniker während der Tankstopps so gut wie möglich vor plötzlich ausbrechendem Feuer geschützt sind - auch wenn dies in der Praxis eher selten vorkommt.

Obwohl die Anzüge nicht für jedes Teammitglied maßgeschneidert sind, so ist das Design der Overalls den Bedürfnissen der jeweiligen Crew angepasst. So verfügt beispielsweise jeder Anzug über Schlaufen am Rücken, an dem die Funkgeräte befestigt werden können, mit denen das Team während der Rennen kommuniziert. Ebenso befinden sich Laschen an den Schultern, um daran die Kabel anzubringen, welche den Funkempfänger mit den Ohrhörern verbinden, die wiederum unter den Helmen getragen werden. Diese Ohrhörer ähneln denen, welche viele Musiker auf der Bühne tragen, da sie der jeweiligen Form des Ohres angepasst sind. Hierfür wird ein speziell entwickeltes Harz verwendet, das einen größtmöglichen Tragekomfort gewährleisten soll.

Aufmerksame Beobachter haben sicherlich schon einmal bemerkt, dass eine Boxencrew auch Sturmhauben unter ihren Helmen trägt. Dabei ist es jedem Mitglied selbst überlassen, ob es das Standardmodell mit dem großen Loch für die Augen- und Mundpartie wählt oder die Variante mit dem Nasenschutz und den zwei kleineren Löchern für die Augen. Welche Variante getragen wird, ist also eine persönliche Entscheidung - Hauptsache es wird eines der beiden Modelle verwendet. Ebenso ist jedes Crewmitglied dazu verpflichtet die entsprechenden Handschuhe und Stiefel zu tragen.

Einige der Boxenmechaniker verwenden zudem noch zusätzliche Schutzbekleidung, je nachdem mit welcher Aufgabe sie betraut sind. So tragen zum Beispiel der sogenannte Lollipopmann und der Mechaniker, der den hinteren Wagenheber bedient, doppelt verstärkte Sturmhauben. Die vier Männer, die während eines Reifenwechsels mit dem Schlagbohrschlüssel hantieren, tragen hingegen zusätzliche Knieschützer, da sie dabei auf dem Asphalt knien müssen.

Wie die Fahrer per Funk verbunden

Felipe Massa

Dann und wann kommt es vor, dass bei einem Boxenstopp Feuer ausbricht Zoom

Jedes Crewmitglied, außer dem bereits erwähnten Lollipopmann und dem Mechaniker am hinteren Wagenheber, trägt während der Stopps spezielle Helme. Der Lollipopmann (oft handelt es sich dabei um den Chefmechaniker des Teams) muss dabei ein vollständiges Headset inklusive Mikrofon tragen, um mit seiner Crew sprechen zu können. Dies ist mit einem Helm nur schwer möglich. Der Mann am hinteren Wagenheber kann dagegen keinen Helm tragen, da er während eines Stopps die volle Ladung an heißen Abgasen abbekommt, die am Heck des Fahrzeug entweichen. Diese heißen Dämpfe könnten seine Sicht beeinträchtigen, würde er einen Helm dabei tragen. Oder die Abgase könnten, was ebenso nicht auszuschließen ist, sich sehr schnell in seinem Helm ansammeln und ihn somit behindern.

Alle anderen Mechaniker tragen aber ihre Helme aus gutem Grund. Die Rennwagen werden zwar durch das Tempolimit in der Boxengasse (60 km/h) eingebremst, aber durch den begrenzten Platz, den jedes Team vor seiner Garage zur Verfügung stehen hat, biegen die Autos immer erst in letzter Sekunde und sehr abrupt in ihre jeweilige Parkposition ab. Und auf so engem Raum sind 60 km/h durchaus eine sehr hohe Geschwindigkeit, wie jeder, der schon man am Rand einer schmalen Landstraße stand, bestätigen kann!

Boxenstopps sind zweifellos eine gefährliche Angelegenheit, wobei 99 Prozent aller Stopps planmäßig verlaufen. Und um für den Ausnahmefall gerüstet zu sein, ist die spezielle Schutzkleidung da - aus gutem Grund...