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F1-Rennen Baku 2021: Reifenschaden kostet Verstappen den Sieg!

Max Verstappen war unterwegs zu einem sicheren Sieg, schied aber in Führung liegend mit Reifenschaden aus - Sergio Perez gewinnt vor Sebastian Vettel

(Motorsport-Total.com) - Dramatisches Ende beim Grand Prix von Aserbaidschan: Max Verstappen (Red Bull) sah schon wie der sichere Sieger aus, als ihn ein Reifenschaden in der 47. von 51 Runden in Baku das Rennen kostete. Davon profitierte sein Teamkollege Sergio Perez, der seinen zweiten Sieg in der Formel 1 feierte - vor Sebastian Vettel (Aston Martin) und Pierre Gasly (AlphaTauri).

Max Verstappen

Max Verstappen tritt nach seinem Ausfall in Baku gegen den kaputten Reifen Zoom

Vettel belohnte sich dank einer clever exekutierten Strategie und einem entschlossenen Zweikampfverhalten mit seinem ersten Podium seit dem Weggang von Ferrari und hielt somit seine Top-4-Serie in Baku aufrecht.

Nach dem Rennen stand Reifenhersteller Pirelli im Rampenlicht, denn vor Verstappen hatte bereits Lance Stroll (Aston Martin) bei hoher Geschwindigkeit einen Reifenschaden erlitten - bei Stroll in der 30., bei Verstappen in der 29. Runde des Hard.

Das Rennen wurde nach dem Verstappen-Crash zunächst hinter dem Safety-Car fortgesetzt und dann per roter Flagge unterbrochen. Anschließend wurde es noch einmal neu gestartet (stehend), dabei ließ sich Perez die Butter aber nicht mehr vom Brot nehmen.

Zwar verlor er zunächst das Startduell gegen Lewis Hamilton (Mercedes), der sich eigentlich vorgenommen hatte, im Hinblick auf die WM nichts mehr zu riskieren ("Es ist ein Marathon und kein Sprint"). Doch Hamilton verbremste sich in der ersten Kurve und fiel aus den Punkterängen, wodurch Verstappen trotz seines Ausfalls die WM-Führung verteidigen konnte.

Vierter wurde Charles Leclerc (Ferrari) vor Lando Norris (McLaren) und Fernando Alonso (Alpine).

Valtteri Bottas (Mercedes) lieferte (mit einem anderen Heckflügel als Hamilton) eine enttäuschende Performance ab und landete auf Rang zwölf.

Mick Schumacher wurde trotz eines Problems beim zweiten Boxenstopp 15., hinter seinem Haas-Teamkollegen Nikita Masepin.

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Warum war Schumacher nach dem Rennen so sauer?

Der Deutsche, sonst immer wohlerzogen und höflich, hatte nach dem Rennen in Baku einen richtig dicken Hals. Denn auf den letzten Metern setzte er gerade dazu an, seinen Teamkollegen Masepin aus dem Windschatten heraus zu überholen. Der wehrte sich aber und zuckte auf seiner Spur.

"Was zur Hölle war das? Ehrlich, ernsthaft! Will er crashen?", plärrte Schumacher in den Boxenfunk. Gut, dass das Haas-Team heute keine Medienrunde mit ihm angesetzt hatte. Möglich, dass er da zum ersten Mal seine Gelassenheit über Bord geworfen hätte.

Warum ist Perez in der Auslaufrunde ausgerollt?

Noch ist nicht bekannt warum, aber offenbar hatte der Red-Bull-Pilot am Ende ebenfalls ein technisches Problem: "Wir waren knapp dran, das Auto abzustellen", sagt er. "Zum Glück sind wir n noch ins Ziel gekommen. Es war wirklich bis zum Schluss ein schwieriges Rennen."

Übrigens: Reglementtechnisch ist es grundsätzlich kein Problem, während der Aufwärmrunde auszurollen. Allerdings muss anschließend noch genug Benzin für die FIA-Routinekontrolle im Tank sein.

Warum unterlief Hamilton beim Neustart so ein Fehler?

Zunächst hatte er sich noch vorgenommen, es beim Schlussspurt langsam angehen zu lassen. Er konnte wichtige Punkte für die WM sammeln, Perez hingegen hatte nichts zu verlieren und konnte es als Teamkollege von Verstappen zur Not drauf ankommen lassen. "Es ist ein Marathon und kein Sprint", funkte Hamilton aus der Startaufstellung und signalisierte damit, dass er nicht vorhat, unnötiges Risiko einzugehen. Toto Wolff unterstützte diesen Gedanken: "Ich sehe es genauso, Lewis."

Doch als es dann losging, ging für Hamilton alles schief. Zunächst kam er besser weg als Perez und fuhr als Erster auf die erste Kurve zu. Doch dann verbremste er sich, sodass er sogar aus den Punkterängen fuhr. Nachher stellte sich heraus: Hamilton hatte irrtümlich einen falschen Knopf gedrückt. "Sorry, Jungs", entschuldigte er sich mit geknickter Stimme.

"Er hat einen Knopf erwischt, und dadurch ging die Bremsbalance nach vorne", erklärt Toto Wolff den Fehler, der den Sieg gekostet hat.

Warum verlor Hamilton beim Boxenstopp die Führung?

Erstens, weil Baku - genau wie zuletzt Monaco - ein Over- und kein Undercut-Rennen war. Oder, in anderen Worten: Es hatte nicht der den Vorteil, der früher an die Box kam, sondern der, der länger draußen bleiben konnte. Und Hamilton kam in Runde 11 eine Runde vor Verstappen und zwei Runden vor Perez, um direkt von Soft auf Hard zu wechseln.

Das rächte sich. Auch, weil die Mercedes-Boxencrew ein bisschen Pech hatte und Hamiltons Standzeit auf 4,6 Sekunden verlängert wurde, weil Gasly in der Boxenstraße gerade vorbeifuhr und das sonst eine unsichere Freigabe gegeben hätte. So ging Verstappen dank des um eine Runde später getimten Boxenstopps in Führung.

Eigentlich wäre sogar Perez dank zweier schneller Runden im richtigen Moment von P3 auf P1 vorgestoßen. Beim Mexikaner schaffte Red Bull aber keinen optimalen Boxenstopp (4,3 gegen Verstappens 1,9 Sekunden). So hatte der Kommandostand zumindest nicht das Problem, Verstappen per Stallorder in Führung bringen zu müssen.

Was sagt Verstappen zu seinem Reifenschaden?

Noch bevor er sich eine Begründung von Reifenhersteller Pirelli für den Schaden angehört hatte, unterstellte er dem italienischen Unternehmen, sich mit einer Ausrede herauswinden zu wollen: "Am Ende wird Pirelli wieder sagen, dass da irgendein Teil war vom anderen Crash oder so. Aber das kann nicht immer so sein. Stroll hat heute auch einen Crash gehabt, ich auch. Da muss irgendetwas falsch sein. Das ist so. Das ändert am Ende mein Rennen nicht."

Helmut Marko ergänzt: "Wir haben das Rennen souveränst kontrolliert. Max ist vorne, eine schnellste Runde nach der anderen, ohne dass er an Limit gegangen wäre mit voller Motorleistung und alles. Die Reifenkontrolle war auch optimal. Es gab weder Anzeichen von Vibrationen oder Temperatur, und dann peng, dieser Zwischenfall. Da ist uns allen das Herz in die Hose gefallen."

Warum startete Verstappen nicht mit den Reifen aus Q2?

Aus den FIA-Dokumenten vor dem Start ging hervor, dass am Auto mit der Nummer 33 alle vier Reifen gewechselt wurden. Dass am Startreifensatz einzelne Reifen ausgetauscht werden, wenn ein Schaden nachgewiesen werden kann, ist nicht ungewöhnlich - und dann, wenn die FIA ihr Einverständnis gibt, erlaubt.

Diese Erlaubnis wurde erteilt, weil Verstappen nach Q2 zur FIA-Waage gebeten wurde und dort noch frische Farbe von Malerarbeiten aufgetragen war. Konkret hatten Arbeiter ein Formel-1-Logo auf den Asphalt gepinselt, und Verstappen fuhr dort drüber. Die Farbe kam auf die heißen Reifen und hätte für den Start einen Gripnachteil bedeutet. Daher durfte Verstappen auf einen anderen gebrauchten Reifensatz umstecken.

Verstappen war in Q2 eine Runde mehr auf dem ursprünglichen Satz gefahren: "Mir hat ein bisschen Fahrzeit gefehlt", sagte der Red-Bull-Pilot bereits am Samstag nach dem Qualifying. "Mit meiner ersten Runde war ich nicht ganz zufrieden, und ich fand, dass das noch ein bisschen mehr geht. War auch so."

Welche Rolle spielte der Polesetter im Rennen?

Keine. Leclerc gewann zwar den Start, aber erwartungsgemäß konnte er das Tempo der Topteams nicht halten. Rasch war Hamilton an ihm vorbei, später konnte er sich wegen des DRS-Nachteils auch gegen die beiden Red Bulls nicht wirklich wehren. Durch die Boxenstrategie fiel er hinter Gasly zurück, sodass er letztendlich Vierter wurde. Das entspricht in etwa Ferraris Rennperformance an diesem Sonntag.

Normalerweise hätte Leclerc weiter vorne landen müssen, doch beim Neustart des Rennens ließ er sich in Kurve 1 von Vettel überrumpeln. Beim versuchten Konter in Kurve 2 bremste Leclerc so spät, dass er beinahe in den Aston Martin reingerauscht wäre. Danach waren seine Reifen nicht mehr im besten Zustand.

In der ersten Runde nach dem Neustart ging Leclerc noch an Gasly vorbei, sodass er kurzzeitig an dritter Stelle lag. Gasly konnte aber noch einmal kontern.

War die Strategie von Vettel richtig?

Tendenziell nein. Aston Martin hat ihn womöglich ein paar Runden zu früh an die Box geholt. Vettel setzte auf einen Overcut und war zu dem Zeitpunkt schneller unterwegs als Gasly und Leclerc, die schon auf neue Reifen gewechselt hatten. Ein paar Runden mehr, dann hätte er ihnen wahrscheinlich gefährlich werden können.


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So musste es Vettel im direkten Zweikampf regeln, und das tat er auch: Unmittelbar nach dem Neustart überholte er Leclerc, eine Runde später auch Gasly. Das Tempo der Top 3 konnte er in der letzten Phase des Rennens nicht ganz, aber fast mitgehen.

Im Chaos um den Neustart nach dem Verstappen-Crash fuhr Vettel auf P2. "Zum Schluss haben wir natürlich ein bisschen profitiert von Max' Ausscheiden und Lewis' Fehler nach dem Re-Start, aber insgesamt wäre auch der vierte Platz ein sehr, sehr starkes Ergebnis gewesen, ohne dass jemand da vorne ausgefallen wäre", sagt er.

"Da bin ich zufrieden, und natürlich glücklich für das Team. Nach dem bescheidenen Start ins Jahr liefen die letzten beiden Rennen jetzt sehr gut. Ich hoffe, dieses Momentum lässt sich mitnehmen."

Was war die Ursache für den Crash von Stroll?

Ein Reifenschaden links hinten. Der Aston-Martin-Fahrer war in Runde 30 der letzte Fahrer, der noch nicht an der Box war. Er war auf Hard gestartet und verfolgte die Strategie, mit einem möglichst langen ersten Stint auf den Overcut zu gehen. Das sah bis zu dem Zeitpunkt auch gut aus. Der Aston Martin lag auf P4 und fuhr immer noch konkurrenzfähige Zeiten.

Seine Pirelli-Reifen spielten da aber nicht mit und versagten auf der langen Start- und Zielgerade fast bei Höchstgeschwindigkeit. Stroll war am Boxenfunk hörbar erschrocken, blieb aber unverletzt. Ohne den Crash wäre möglicherweise ein Top-10-Ergebnis für ihn erreichbar gewesen.

Was lief bei Carlos Sainz schief?

Der Spanier hatte schon im Qualifying Pech, als Yuki Tsunoda (AlphaTauri) vor ihm crashte, und so ging's dann auch im Rennen weiter. Gleich am Start verlor er eine Position gegen Perez und lag somit nur noch an sechster Stelle. Sein Teamkollege Leclerc führte da noch das Rennen an.

Dann holte ihn Ferrari relativ früh zum ersten Boxenstopp, was wegen der Overcut-Tendenz ohnehin eine zweifelhafte Entscheidung war. Sainz doppelte gleich noch nach und fuhr wegen eines Fahrfehlers auf frischen, harten Reifen in den Notausgang. Beim Zurückschieben hätte er beinahe einen Alfa gerammt - ein Glück, dass die FIA-Kommissare das nicht bestraft haben.

Danach spielte Sainz für die vorderen Positionen keine Rolle mehr. Er holte als Achter vier WM-Punkte.

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