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  • 01.05.2015 · 12:15

  • von Dominik Sharaf

Ex-Pilot teilt aus: Fatale Regeln und "aalglatte PR-Maschinen"

Derek Warwick lässt kein gutes Haar an der Formel 1 und wünscht sich Autos, die zu fahren sind "wie Tiere" - Körperliche Anforderungen müssten wieder steigen

(Motorsport-Total.com) - Scharfe Kritik an der modernen Formel 1: Ex-Pilot Derek Warwick fürchtet um die Zukunft der Königsklasse, wenn sich nicht rasch etwas Grundlegendes im Grand-Prix-Zirkus ändert. Autos und Piloten sind dem 60-Jährigen ein Dorn im Auge, besonders die neuen Regeln in der V6-Hybrid-Ära schmecken ihm nicht: "Ich verstehe die Überlegung, Getriebe und Antriebsstränge zu begrenzen, aber das tötet den Sport im Fernsehen und für die Zuschauer", warnt Warwick im Gespräch mit 'Perform'.

Derek Warwick

Derek Warwick lässt ordentlich Dampf ab, wenn es um die Formel 1 geht Zoom

Der richtige Ansatz, aber eine fatale Wirkung, analysiert der 147-fache Grand-Prix-Teilnehmer, der von 1981 bis 1993 mit Unterbrechungen für Toleman, Renault, Brabham, Arrows, Lotus und für Footwork ins Lenkrad griff. "Die meisten Fahrer drehen im Freien Training nur zehn Runden, weil sie irgendetwas sparen wollen", ärgert sich Warwick. "Regeln werden zum Bumerang: Das Prinzip stimmt, aber es muss sich etwas ändern, damit die Formel 1 spannend wird, damit die Fahrer wieder wie Gladiatoren aussehen."

Das sei aktuell nicht der Fall. Im Gegenteil: Warwick fällt ein knallhartes Urteil über die aktuelle Generation der angeblich besten Piloten der Welt und bezeichnet sie wörtlich als "glattgebügelte PR-Maschinen". Auch wenn er es nach eigener Aussage hasst, von "seiner Zeit" zu sprechen, erinnert der Brite sich gerne an Autos, die "wie Tiere" zu fahren waren. Boliden mit Power en masse, ohne Fahrhilfen, mit H-Schaltung und allen Händen voll zu tun, um den körperlichen Aufwand zu meistern.

Warwick schwärmt: "1600 PS und Abtrieb, der dir die Augen aus den Kopf fallen ließ. Als wir ausgestiegen sind, waren wir physisch und psychisch zerstört." Strapazen merkt er den Stars des neuen Jahrtausends nicht mehr an, wenn sie auf dem Podium die neuen Interviews mit einem Star aus der Showbranche abspulen. "Die Jungs heute sehen aus, als wären sie zweimal um den Block gedüst", ärgert sich Warwick. "Wir müssen einen Schritt zurückgehen, uns einen guten Überblick verschaffen - bevor es zu spät ist."