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Entscheidung bis 1. Juli: Cockpitschutz wirft Probleme auf

Kopffreiheit und Lichtreflexionen: Die Red-Bull-Windschutzscheibe hat noch Kinderkrankheiten - Entscheidung für 2017 muss bis 1. Juli fallen

(Motorsport-Total.com) - Bis 1. Juli wird die Entscheidung darüber fallen, ob die Formel-1-Autos ab 2017 mit einem Cockpitschutz ausgestattet werden müssen. Ferrari und Red Bull hatten unterschiedliche Konzepte getestet, auf eines davon müssen sich die Teams und die FIA festlegen. Und das ist nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick erscheint.

Denn: "Es wird sich mit Sicherheit auf die Aerodynamik auswirken, auf den oberen Bereich des Bodyworks und besonders den Heckflügel", erklärt Williams-Chefingenieur Robert Smedley. "Es wird sich auch auf die Kühlung auswirken, bis runter zu den Seitenkästen, wegen der Verwirbelungen. Und es wird sich auf den Luftstrom in die Airbox über dem Kopf der Fahrer auswirken. Es ist eine technische Herausforderung."

Aber: "Die gab es in den 50ern beim Vanvall auch schon. Ich bin sicher, es ist machbar", relativiert er. Die grundsätzlichen Bedenken teilt jedoch auch McLaren-Rennleiter Eric Boullier: "Es wird nicht funktionieren", sagt er, von 'Motorsport-Total.com' gefragt, wie eine so einschneidende aerodynamische Veränderung binnen kurzer Zeit reibungslos funktionieren soll. "Aber wir müssen damit umgehen. Es ist für alle gleich."

FIA bestätigt Deadline bis 1. Juli

"Wir haben jetzt ein Datum fixiert. Bis dahin muss die Entscheidung fallen, weil wir sonst mit der Entwicklung des Autos schon zu weit sind", sagt er - und Charlie Whiting, Technischer Delegierter der FIA, bestätigt, dass es sich dabei um den 1. Juli handelt: "Bis dahin keine klare Richtung zu haben, wäre unverantwortlich. Das Chassisdesign für das nächste Jahr steht zu dem Zeitpunkt normalerweise fest."


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Seiner Meinung nach sei der Cockpitschutz aber nur "ein kleiner Teil des Chassis. Es wird sich nicht auf Dinge wie das Tankvolumen auswirken, aber es ist trotzdem Teil eines komplexen Designs." Zum Beispiel sorgen Faktoren wie die Lichtreflexionen auf der Innenseite noch für Schwierigkeiten: Auf Strecken wie Monaco und Monza, "wo du große Gebäude, Bäume, tiefstehende Sonne hast, könnte es schwierig sein", räumt Whiting ein.

Kopffreiheit wichtig wegen Verletzungsgefahr

Außerdem besteht die FIA auf einem Mindestmaß an Kopffreiheit zwischen Oberseite des Fahrerhelms und dem Cockpitschutz, um bei einem harten Einschlag kein neues Verletzungspotenzial zu schaffen. Für diese Fragen soll aber in den nächsten zwei Wochen eine Antwort gefunden werden. In Barcelona und Monte Carlo wird Red Bull dann weitere Tests durchführen, wahrscheinlich schon mit weiterentwickelten Versionen.


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Übrigens: Die Befürchtung, dass der Cockpitschutz am Gremium der Formel-1-Kommission scheitern könnte, ist unbegründet. Bekanntlich sind Regeländerungen für 2017 inzwischen nur noch bei Einstimmigkeit aller Teams möglich, und dass Red Bull gegen das Ferrari-Design stimmt und Ferrari gegen das Red-Bull-Design, ist grundsätzlich plausibel. Aber: Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit kann die FIA jederzeit ohne Konsens unter den Teams einführen.

Und selbst bei den Teams, die nicht direkt in die Entwicklung involviert sind, regt sich kaum Widerstand gegen den Cockpitschutz: "Die Sicherheit der Fahrer steht über allem", stellt Williams-Chefingenieur Smedley klar. "Dass der Kopf frei ist, ist der eine verbliebene Faktor, durch den heute noch Rennfahrer sterben. Dass die Fans vielleicht den Helm der Fahrer sehen wollen, ist für mich kein ausreichend starkes Argument dagegen."