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  • 30.04.2016 · 07:28

  • von Dieter Rencken & Roman Wittemeier

Windschutzscheibe von Red Bull: Entscheidet die Optik?

Nach der Testrunde mit der Red-Bull-Windschutzscheibe scheiden sich am neuen Konzept die Geister: Meinungen der Piloten gehen extrem weit auseinander

(Motorsport-Total.com) - Red-Bull-Pilot Daniel Ricciardo hat am Freitag im ersten Freien Training der Formel 1 den neuen Cockpitschutz seines Teams ausprobiert. Nach seiner Runde mit der neuen Windschutzscheibe äußerte sich der Australier positiv. Die Sicht sei "anders, aber kein Problem", berichtete der Red-Bull-Fahrer. "Die Sicht war ziemlich gut, ich konnte alles sehen." Das Team wird das Konzept in den kommenden Wochen verfeinern und auf weiteren Strecken ausprobieren.

Daniel Ricciardo

Ungewohnte Optik: Die Windschutzscheibe am Red Bull von Daniel Ricciardo Zoom

Der Test am Freitag hat die Diskussion um den neuen Cockpitschutz wieder neu entfacht. "Halo" oder Windschutzscheibe - das ist nun die Frage. "Eine schwierige Entscheidung, mit der sich sogar die Piloten schwer tun - und eigentlich sind sie diejenigen, die entscheiden sollten", meint Haas-Teamchef Günther Steiner. "Wir müssen aber früher oder später zu einer Entscheidung kommen." Red Bull hat betont, dass man innerhalb der kommenden zwei Monate wissen müsse, ob die Windschutzscheiben in Serie produziert werden sollen. 2017 werden die Formel-1-Fahrzeuge einen neuen Cockpitschutz tragen.

Ferrari hatte das "Halo"-System, das von Red-Bull-Teamchef Christian Horner abfällig als "Flipflop-Modell" bezeichnet wird, zu Beginn des Jahres ausprobiert. Das Konzept wurde von Mercedes erarbeitet und wird bei den Stuttgartern derzeit noch weiter entwickelt. "Es ist nicht wirklich schön, um ehrlich zu sein", erklärt Williams-Pilot Felipe Massa seine Meinung zur Windschutzscheibe. "Vielleicht war Ferraris Teil besser. Aber es geht um die Sicherheit des Fahrers. Es gilt, das richtige System zu finden."

Macht die Scheibe die Formel 1 sogar attraktiver?

"Ich finde es besser als Halo", widerspricht Jenson Button. "Es sieht gut aus - um ehrlich zu sein finde ich es sogar besser als unsere jetzigen normalen Formel-1-Autos. Aber wir müssen natürlich den Sicherheitsaspekt in den Vordergrund stellen und danach entscheiden." Der McLaren-Pilot geht davon aus, dass sich Fahrer und Fans schnell an das Red-Bull-Konzept gewöhnen würden. "Dann werden wir denken, dass die Formel-1-Autos ohne diese Scheibe doch seltsam aussahen."

Sebastian Vettel testet Halo

Das "Halo"-System wurde von Mercedes entwickelt und von Ferrari getestet Zoom

"Ich habe früher bei den Formel-1-Powerboats in Bristol zugesehen. Die hatten jahrelang auch offene Cockpits. Als sie sie dann geschlossen haben, sahen sie so viel cooler aus", erklärt Button. "Es sieht viel aerodynamischer als das 'Halo'-System aus. Es wird für alle Teams richtig schwierig werden, das für ihre Windkanäle an die Autos zu bauen - außer für Red Bull, die haben das sicher auch schon unter aerodynamischen Gesichtspunkten getestet."

"Hoffentlich gibt es noch weitere Ideen", kann sich Fernando Alonso mit keiner der beiden Lösungen anfreunden. "Für mich ist es aber ein Muss, dass wir nächstes Jahr eine Lösung haben. Es ist ein Muss für die Sicherheit. Wir brauchen hier keinen Helden. Wir hatten so viele Unfälle in den vergangenen Jahren. Ich glaube, alle Todesfälle in der Formel 1 und in den Junior-Klassen resultierten aus Kopfverletzungen. Wir wollen nicht, dass künftig noch jemand verletzt wird. Jetzt scheint eine Lösung in Aussicht, also lasst sie uns einführen."