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Doppel-DRS: Red Bull gewinnt, Lotus wartet

Doppel-DRS ist der letzte Schrei: Red Bull auf den Geraden endlich konkurrenzfähig, Lotus muss weiter warten, Williams warnt vor Gefahren und Sauber plant für 2013

(Motorsport-Total.com) - Seit die Hockenheim-Updates voll angeschlagen haben, war McLaren auf so unterschiedlichen Strecken wie Budapest, Spa-Francorchamps und Monza die schnellste Kraft im Formel-1-Feld. Auch in Singapur schied Lewis Hamilton in Führung liegend mit Getriebeschaden aus, doch am vergangenen Wochenende in Suzuka waren der Red-Bull-Renault RB8 und Sebastian Vettel eine unschlagbare Kombination.

FloViz-Farbe am Red Bull von Sebastian Vettel

Mit sogenannter FloViz-Farbe testete Red Bull in Suzuka den Doppel-DRS-Effekt Zoom

Suzuka mit seinen schnellen Kurven war den Newey-Autos schon immer auf den Leib geschneidert - das beweist alleine schon die Tatsache, dass Vettel seit seinem Wechsel zu Red Bull in vier Suzuka-Qualifyings ungeschlagen ist. Aber viele Experten vermuten hinter dem Aufschwung auch das neue Doppel-DRS, das beim Grand Prix von Japan erstmals in den Mittelpunkt rückte. Dabei stellt Teamchef Christian Horner klar: "Das System wurde schon bei anderen Rennen eingesetzt. Das hier war nicht das erste Rennen mit dieser Entwicklung."

Die Wirkungsweise ist bekannt: Wenn der Fahrer im Cockpit den DRS-Knopf betätigt, klappt der Heckflügel auf. Dadurch wird ein Luftschacht frei, der beim Red-Bull-Design außen auf den Heckflügel-Endplatten nach unten führt und den Luftstrom am Heckflügel wieder freisetzt, um einen Strömungsabriss zu bewirken. Dieser verbessert die Höchstgeschwindigkeit - bisher eine notorische Red-Bull-Schwäche. Das würde auch erklären, warum Vettel in Suzuka vor allem im Qualifying so überlegen war, denn im Rennen ist die DRS-Nutzung bekanntlich nur begrenzt möglich.

Red Bull: Vom hinteren ins vordere Drittel

Red Bull setzt seit Singapur auf das System. Den Nutzen belegen die nackten Zahlen: In Monza fehlten Vettel noch 11,9 km/h auf den besten Topspeed - damit war er 18. unter 24 Fahrern. In Singapur war er schon Dritter (Teamkollege Mark Webber Erster) und in Suzuka Sechster. Auf die Spitze fehlten gestern nicht einmal mehr fünf km/h. Aber: "Es ist wie mit all diesen Dingen: Es gibt nicht die eine Wunderwaffe. Ich glaube nicht, dass es richtig wäre, die Performance hier nur am Heckflügel festzumachen", winkt Horner ab.

Doppel-DRS des Lotus-Teams

Das Doppel-DR-System des Lotus-Teams wäre auch nächstes Jahr legal Zoom

"Wir haben in allen Bereichen Fortschritte gemacht", fährt er fort. "Es geht um die Liebe zum Detail. Die Jungs machen in allen Bereichen Druck. Wir hatten heute mit Sebastian den schnellsten Boxenstopp. Zu sagen, dass unsere Leistungssteigerung nur darauf zurückzuführen ist, dass wir auf den Geraden ein paar km/h gefunden haben, wäre falsch." Red-Bull-Motorsportkonsulent Helmut Marko will die Bedeutung des Doppel-DRS aber nicht ganz leugnen, wenn er sagt: "Die Schritte, die hier aufs Auto gekommen sind, hatten eine positive Auswirkung."

Doppel-DRS-Pionier war übrigens das Mercedes-Team, das den Strömungsabriss schon am Saisonbeginn am Front- statt am Heckflügel herbeiführte. Doch das Reglement schiebt solchen Innovationen für 2013 einen Riegel vor. Ein Schlupfloch hat bisher nur Lotus gefunden, aber das Team von Eric Boullier ist bisher nicht über Testläufe im Freitagstraining hinausgekommen. Bereits seit Budapest experimentiert Lotus mit dem System. Schwierig zu durchschauen, Eric? "Ja", gibt der französische Teamchef offen zu.

Lotus: Keine Premiere in Yeongam

Auch in Suzuka wurde ein Renneinsatz nach dem Vergleich im Freitagstraining verworfen. Eine Premiere am kommenden Wochenende beim Grand Prix von Südkorea ist unwahrscheinlich: "Ich glaube nicht, dass es in Südkorea etwas bringen würde. Wir konzentrieren uns auf andere Entwicklungen", meint Boullier. Dabei lechzen die Fahrer regelrecht nach einem großen Entwicklungsschritt: "Wir brauchen jetzt ein neues Aeropaket für mehr Anpressdruck, eindeutig", fordert zum Beispiel Romain Grosjean.


Sky Sports F1: So funktioniert Doppel-DRS

"Mindestens zwei Zehntel" wünscht er sich von Technikchef James Allison und dessen Designteam. Teamkollege Räikkönen hat indes "keine Ahnung", ob das Doppel-DRS 2013 noch eingesetzt werden kann, empfindet es aber zumindest nicht als Nachteil, das System an den Trainingsfreitagen wieder und wieder ausprobieren zu müssen: "Ich glaube nicht, dass es einen Unterschied macht. Unsere Probleme an diesem Wochenende hatten damit nichts zu tun. Manchmal kam uns das Wetter nicht entgegen und es gab auch andere Probleme."

Räikkönen sieht trotz Tests keinen Nachteil

"Es ist aber nicht so, dass wir aus der Bahn geworfen wurden, weil wir das System ausprobiert haben. In Ungarn haben wir es ja auch getestet, aber dort hat es uns nicht geschadet", spielt er auf den erfolgreichen Ungarn-Grand-Prix an, wo das Doppel-DRS erstmals getestet, aber in Qualifying und Rennen nicht verwendet wurde. Überhaupt sei ihm egal, was die Mechaniker an seinen E20 schrauben: "Das Ziel muss sein, in den nächsten Rennen das Maximum herauszuholen - ganz egal, welches Paket uns zur Verfügung steht."

Matt Morris

Sauber-Chefingenieur Matt Morris studiert den Heckflügel des aktuellen C31 Zoom

Williams-Chefingenieur Mark Gillan ortet im Doppel-DRS "ein gewisses" Potenzial, hält es aber für gefährlich, so eine Innovation während der Saison einzuführen. Besser wäre über den Winter: "Im Optimalfall hat man dann zwölf Testtage vor der Saison. Falls der Test innerhalb der Saison wieder wegfällt, dann sind es sogar 15 Tage vor dem Saisonstart. Aber man muss dabei bedenken, dass man mit einem neuen Auto vielleicht Probleme mit der Zuverlässigkeit hat, auch wenn sich an den Regeln kaum etwas ändert."

"Die Gefahr ist immer, dass mein bei der Implementierung eines solchen Systems sehr viel Entwicklungszeit opfert, die man für Grundlagenarbeit brauchen könnte", erläutert er. "Wir haben so wenig Zeit auf der Strecke, dass jede einzelne Fahrt extrem wichtig ist. Man muss genau abwägen, was einem ein solches System bringen kann, wenn man es wirklich funktionsfähig hinbekommt. Das muss man ins Verhältnis setzen zu dem, was man in gleicher Zeit mit normaler Entwicklung erreichen könnte. Es ist sehr schwierig, da eine passende Balance zu finden."

Sauber erwägt Doppel-DRS für 2013

"Wenn es dir gelingt, eine solche Vorrichtung in das Gesamtpaket zu integrieren, ohne Kompromisse zu machen, dann ist es ganz klar ein Vorteil", sagt Sauber-Chefdesigner Matt Morris im Interview mit 'Motorsport-Total.com'. "Das war einer der Hemmschuhe in diesem Jahr. Ja, wir hätten es auch bei uns einbauen können, doch dann hätten wir viel Zeit und Geld aufwenden müssen, um es ins Auto zu einzubauen. Das war es nicht wert. Wenn du beim Design aber ganz von vorn anfängst, kannst du es berücksichtigen, weil es einen Leistungszugewinn darstellt."

Sauber gehörte übrigens zu den Pionieren des F-Schacht-Prinzips, dem die modernen Doppel-DRS-Abwandlungen zugrunde liegen. Ein Doppel-DRS haben die Schweizer noch nicht: "In Suzuka hatten wir keines dabei", gibt Morris zu, verrät aber: "Im Augenblick schauen wir uns das näher an." Allerdings nicht mehr für die letzten fünf Rennen, sondern für 2013, denn: "Die Regeln verändern sich nicht, also denken wir vielleicht darüber nach. Ich rede von DR-Systemen, die wir über den Winter entwickeln. Das Mercedes-Design wird ab 2013 nicht mehr erlaubt sein."

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