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Die Konkurrenz zittert vor Haas - aber wie lange?

Haas hat sich mit seinem gelungenen Einstand in der Formel 1 Respekt erarbeitet, doch das Team sieht sich noch nicht auf dem Höhepunkt der Leistung angekommen

(Motorsport-Total.com) - "Vielleicht haben wir einen Fehler gemacht", lacht Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene mit Blick auf die WM-Tabelle. Denn an fünfter Stelle - und damit etwa vor Sebastian Vettel - rangiert dort Romain Grosjean vom Neueinsteiger Haas. Das amerikanische Team hat mit den Rängen sechs und fünf in Australien und Bahrain für viel Aufsehen gesorgt, was unter anderem auf die große Unterstützung Ferraris zurückzuführen ist. "Doch im Ernst, ich bin beeindruckt von ihren Resultaten", unterstreicht Arrivabene.

Romain Grosjean, Daniil Kwjat

Haas war in Bahrain teilweise auf Augenhöhe mit Red Bull unterwegs Zoom

Andere sind hingegen weniger beeindruckt vom Einstand des Haas-Teams, auch Bernie Ecclestone winkt nur ab und sagt: "Sie performen, weil sie im Grunde einen Ferrari haben." Der VF-16 ist im Grunde ein Dallara-Chassis mit zahlreichen Teilen von Ferrari, auch der Motor kommt aus dem Haus der Scuderia. Im Gegensatz zu Toro Rosso bekommen die Amerikaner sogar das aktuelle Aggregat geliefert, während die Jungbullen auf ein Vorjahresmodell setzen müssen.

"Wenn wir hinter ihnen liegen, dann sieht man schon, dass sie mehr Leistung haben", hat auch Max Verstappen erkannt, der gestern hinter Grosjean auf Rang sechs ins Ziel kam. Der Niederländer muss den unerwarteten Konkurrenten für die geleistete Arbeit loben. "Ihr Auto scheint sehr gut zu funktionieren", merkt er an. "Sie haben einfach ein gutes Auto gebaut, und auch ihre Antriebseinheit ist eine Hilfe, denn so können sie mit etwas mehr Abtrieb fahren."

Fahrerwahl macht sich "bezahlt"

Großes Plus, und da ist man sich im Feld einig, ist auch die Tatsache, dass man bei Haas zum Einstand auf Paydriver verzichtet hat. Romain Grosjean ist eine bekannte Größe im Formel-1-Feld, und auch Esteban Gutierrez kommt trotz Sponsorenmillionen mit zwei Jahren Erfahrung als Stammpilot bei Sauber sowie einer Empfehlung als Testfahrer von Ferrari zum Team. Auch bei Haas ist man sich nach zwei Rennen nun sicher, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

Günther Steiner und Romain Grosjean

Günther Steiner ist mit der Fahrerwahl mehr als zufrieden Zoom

"Das hat sich im Grunde schon 'bezahlt' gemacht", lacht Teamchef Günther Steiner. "Wenn wir jetzt Paydriver hätten, dann wären wir jetzt vielleicht nicht da, wo wir stehen. Und wir würden uns selbst hinterfragen: Ist das Material gut genug? Ist das Auto gut genug?", so der Südtiroler. Doch jetzt könne man das Leistungsverhältnis gut einschätzen. "Das ist es, was wir mit einem Fahrer von Romain Grosjeans Kaliber erreichen wollten. Er leistet großartige Arbeit für uns", so Steiner.

Gleiches lässt sich aber auch über die weiteren Mitglieder im Team sagen. Strategisch hat Haas in Bahrain eine perfekte Leistung hinbekommen und so das Optimum herausgeholt. "Unsere Stärke ist, dass wir ein kleines Team sind. Deswegen ist jeder an jedem Entscheidungsprozess beteiligt", unterstreicht Grosjean. "Das ist interessant, denn es kommen unterschiedliche Meinungen zusammen, und die Leute haben einen breiten Horizont."

Grosjean hofft auf regelmäßige Updates

"Wir sind sehr glücklich", betont auch Teamchef Steiner. "Wir haben an diesem Wochenende immer noch bis spät in die Nacht gearbeitet, aber nicht so sehr am Limit wie in Australien", sagt er und lobt dabei den Eifer des Teams. Nach dem gelungenen Start ist die Laune bei Haas natürlich ziemlich gut, doch die Frage ist, ob das auch langfristig der Fall sein kann. Kann Haas die gute Form halten? "Solange wir Fortschritte machen, sind wir auf dem richtigen Weg - und das tun wir", so Steiner.

Ob Haas die Entwicklung aufrecht halten kann, wird sich erst im weiteren Saisonverlauf zeigen, doch Grosjean ist sich sicher, dass im Team niemand nachlassen wird: "Günther wird das Team pushen. Wir sind kleiner als andere Teams, also wird es für uns schwieriger, aber wir haben gute Leute und eine klare Ausrichtung", so der Franzose, der weiß, dass man wohl nicht wie die großen Teams mit Updates bei jedem Rennen rechnen darf. "Aber vier, fünf große Updates alle vier, fünf Rennen wären gut genug", sagt er.

Die Konkurrenz hofft schon jetzt, dass Haas im Entwicklungsrennen nicht noch weiter gewinnen wird. "Hoffentlich entwickeln sie nicht zu viel, denn dann werden sie uns davonfahren", lacht Verstappen. Potenzial sei auf jeden Fall noch eine Menge vorhanden, da ist man sich bei den Amerikanern sicher. Das Setup des VF-16 ist nämlich laut Aussagen der Fahrer noch komplett grob, und auch in Sachen operativer Arbeit könne man noch deutlich zulegen.

Haas rekrutiert für Italien

Aktuell denkt man im Hause Haas aber auch bereits an die langfristige Zukunft. In Kürze soll die Entwicklung für das 2017er-Modell anlaufen und alles in die Wege geleitet werden. Teamchef Steiner bestätigt, dass man auch für die kommende Saison weiter mit Ferrari arbeiten wird und auch Personal aufstocken wird. "Wir benötigen mehr Leute. Wir haben herausgefunden, dass wir mit mehr Personal mehr Arbeit verrichten können", sagt der Teamboss.


Präsentation Haas-Ferrari VF-16

Aktuell hält man bei rund 180 Angestellten, die man "ein bisschen, aber nicht gravierend" verstärken möchte. "Es gibt ein paar freie Stellen, die wir im Vorjahr noch nicht besetzt haben. Wir haben im Vorjahr noch nicht die richtigen Leute gefunden", so Steiner, der aber bereits gute Rückmeldungen erhalten habe. "Es scheint Leute zu geben, die nach Italien gehen wollen." Dort hat Haas bei Dallara ein paar Büros gemietet und dort wird man auch wieder die Anlagen von Ferrari nutzen können. Dann soll der amerikanische Traum in die nächste Traumphase übergehen.

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