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Formel 1 Bahrain 2016: Rosberg triumphiert, Drama um Vettel

Alles läuft für Nico Rosberg: Vettels Motorschaden und Hamiltons Kollision verhelfen dem Mercedes-Fahrer zum Sieg im hochspannenden Bahrain-Grand-Prix

(Motorsport-Total.com) - Die Formel-1-Saison 2016 entwickelt sich weiterhin ganz nach dem Geschmack von Nico Rosberg: Beim Grand Prix von Bahrain feierte der Mercedes-Pilot seinen zweiten Saisonsieg, seinen bereits fünften hintereinander, und baute die WM-Führung auf 17 Punkte aus. Denn seine schärfsten Rivalen im Kampf um den Gesamtsieg erlebten heute einen schwarzen Sonntag.

Für Sebastian Vettel war das Rennen schon vorbei, als es noch gar nicht begonnen hatte. Am Ende der Aufwärmrunde verrauchte sein Ferrari-Motor. "Es hat sich gar nicht angekündigt", seufzt er. "Ich hatte keinen Vortrieb mehr und sah den Rauch im Rückspiegel. Das war's dann." Und unmittelbar nach dem Start war Rosberg auch seinen zweiten großen Gegner los: Polesetter Lewis Hamilton wurde von Valtteri Bottas (Williams) in der ersten Kurve angeschubst.

Bottas sah eine Chance, innen an Hamilton vorbeizugehen, doch als der Weltmeister nach innen zog, verkeilten sich die beiden Autos - sehr zum Ärger von Mercedes-Boss Niki Lauda: "Ich bin von Bottas genervt. Das war komplett verrückt." Hamilton selbst sieht den Zwischenfall etwas gelassener: "Wer auch immer es war, ich habe ihn nicht gesehen. Er war im toten Winkel. Es war ein Rennunfall." Die FIA-Rennkommissare brummten Bottas trotzdem eine Durchfahrtsstrafe auf.

Irgendwo im Getümmel verlor dann auch noch Daniel Ricciardo (Red Bull) die rechte Frontflügel-Endplatte, die er beim ersten Routinestopp wechseln ließ. Hamilton fiel auf den zehnten Platz zurück, lag schon in der zweiten Runde auf Platz sieben und hielt sich auch mit den beiden Williams-Fahrern, die ihre Positionen zwei und drei nicht halten konnten, nicht lange auf. Nur an Rosberg und Kimi Räikkönen (Ferrari) biss er sich die Zähne aus.

"Das war Schadensbegrenzung. Zumindest habe ich noch wertvolle Punkte geholt", ärgert sich der Weltmeister, der nun schon 17 Punkte Rückstand auf Rosberg hat. Für den läuft es im Moment wie am Schnürchen: Fünf Siege hintereinander haben in der Geschichte der Formel 1 bisher nur Fahrer geschafft, die irgendwann einmal Weltmeister waren, und in den vergangenen vier Jahren gewann am Ende stets der Bahrain-Sieger den Titel. Ein gutes Omen?

"Zwei Siege hintereinander sind toll", freut sich Rosberg, der nach zehn Runden schon 13 Sekunden Vorsprung auf Räikkönen hatte. In ernsthafte Gefahr geriet der Deutsche nie, zwischendurch schmolz der Abstand aber durch unterschiedlich getimte Boxenstopps auf unter fünf Sekunden. "Die sind nicht weit weg", sagt Mercedes-Sportchef Toto Wolff über Ferrari. "Wenn Sebastian im Rennen geblieben wäre, wäre das sicher heißer geworden."

Der Ferrari-Funkspruch an Räikkönen, er soll Druck machen, weil er auf Rosberg aufhole, war reines Motivationstraining - im Finish zog der Mercedes im Gegenteil wieder davon. "Der Start war der Schlüssel. Danach musste ich nur das Tempo kontrollieren", strahlt Rosberg. Ferrari-Chefstratege Jock Clear gibt zu: "Wir wollten Druck auf Rosberg machen, aber die Reifen haben es nicht zugelassen." Weil Räikkönens Softs um zwei Runden mehr auf dem Buckel hatten.

Spannung kam kurzzeitig im Kampf um Platz zwei auf, als Hamilton vor dem dritten und letzten Boxenstopp nur noch fünf Sekunden hinter dem "Iceman" lag. Aber anstatt früher reinzukommen und es strategisch über den sogenannten Undercut zu probieren, blieb Hamilton noch vier Runden länger draußen. So hatte er nach dem Boxenstopp zwar die frischeren Reifen als der Ferrari, aber auch 17 Sekunden Rückstand.

Was die Logik dieser Strategie war? "Das Team hoffte auf eine Safety-Car-Phase", erklärt Hamilton. "Das Heck war so stark beschädigt, dass ich aus eigener Kraft nicht mit Kimi kämpfen konnte." Verloren hat er das Rennen ohnehin am Start, denn schon vor der Kollision mit Bottas war Rosberg an ihm vorbei. "Es ist ein Hamilton-Problem und nicht unbedingt ein Mercedes-Problem", analysiert Experte Marc Surer die Startschwierigkeiten, die seit Melbourne ein heißes Thema sind.

Vierter wurde - mit über einer halben Minute Rückstand auf einen Podestplatz - Ricciardo, der sich vom Frontflügel-Schock in der ersten Runde gut erholen konnte. Aber die Sensation des Rennens war neuerlich Romain Grosjean: Der Haas-Rookie fightete besonders mit Supersoft-Reifen mit einigen weitaus höher eingeschätzten Teams, lag zwischenzeitlich an vierter Stelle und kam letztendlich als hervorragender Fünfter ins Ziel.

Technikchef Günther Steiner konnte sich ein Dauergrinsen auf dem Kommandostand nicht verkneifen, als Grosjean einen Gegner nach dem anderen überholte, und auch der Franzose selbst schwebt auf Wolke sieben: "Das ist verrückt! Wir hatten jetzt zwei unglaubliche Rennen, aber wir müssen auf dem Boden bleiben. Es war unglaublich, mit Williams, Red Bull und Toro Rosso zu fighten." Die Freude darüber war übrigens auch im Boxenfunk zu hören...

Max Verstappen (Toro Rosso) wurde nach einer soliden Vorstellung Sechster, Daniil Kwjat (Red Bull) eroberte den siebten Platz erst in der letzten Runde von Felipe Massa (Williams) - und das ein bisschen glücklich: Als Rosberg die beiden überrundete, reagierte der Russe schneller und kam vorbei. "Daran ist Rosberg schuld", findet Experte Surer. "Er hätte Gas geben können, um die beiden nicht aufzuhalten."

Bottas kam letztendlich nur 4,7 Sekunden hinter Massa ins Ziel, obwohl er sowohl eine Durchfahrtsstrafe absitzen als auch mit der alten Williams-Nase vorliebnehmen musste. Der letzte Punkt ging an Rookie Stoffel Vandoorne, der nach dem frühen Ausfall von Jenson Button den ersten McLaren-Zähler der Saison 2016 fixierte. Vandoorne leistete sich keine sichtbaren Fehler, legte routiniertes Zweikampfverhalten an den Tag und eine echte Talentprobe ab.

Das gilt auch für Pascal Wehrlein (Manor), der nach Melbourne vom 16. Platz aus seinen zweiten Raketenstart ablieferte und in der ersten Runde drei Positionen gewann. Zwischendurch lag er sogar an elfter Stelle, am Ende reichte es zu Platz 13 - den vor ihm liegenden Sauber von Marcus Ericsson konnte er im Finish nicht mehr knacken. Und trotz Mercedes-Power bei Force India war das Überholmanöver gegen Nico Hülkenberg wohl eines von Wehrleins Highlights.

Kein Wunder, dass Manor so viel im TV zu sehen war wie noch nie. "Wir mussten in der Mitte unsere Strategie auf drei Stopps ändern, weil wir Probleme mit den Reifen hatten", erklärt der amtierende DTM-Champion. "Aber mit den neuen Reifen war ich deutlich schneller als die vor mir und ich konnte einige überholen: Sauber, Force India. Hat Spaß gemacht! Ich konnte von Anfang an mithalten. Ich war selbst überrascht von unserem Speed."

Hülkenberg, als Achter im Qualifying weit über Force-India-Niveau in Bahrain, musste schon nach der ersten Runde zum Nasenwechsel an die Box kommen, Teamkollege Sergio Perez nach Kollision mit Carlos Sainz (Toro Rosso) in der zweiten. Die beiden begegneten sich auf der Strecke mehrfach, am Ende hatte Hülkenberg (15.) die Nase vorne - und Perez fuhr in der letzten Runde an die Box, um vor Schanghai wenigstens das Getriebe wechseln zu dürfen.

WM-Leader Rosberg blickt nun optimistisch, aber auch realistisch in die Zukunft: "Lassen wir die Kirche mal im Dorf, das war das zweite von 21 Rennen. Ich habe mir den Vorsprung noch gar nicht angeschaut." Ohne WM-Punkte sind nur noch drei Teams: Renault, Sauber und Manor. Weiter geht's am 17. April mit dem Grand Prix von China in Schanghai - dann voraussichtlich wieder mit Fernando Alonso im Vandoorne-McLaren.

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