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Die Erfüllung des Traums: Wie Sebastian Vettel zu Ferrari kam

Sebastian Vettel erzählt, wie sein roter Traum Schritt für Schritt real wurde: Vom ersten Boxenbesuch 2003 über ein Geheimtreffen in Maranello bis zur Unterschrift

(Motorsport-Total.com) - Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz weiß schon seit langem, dass ihm sein Schützling irgendwann abhanden kommen würde. Der Österreicher meinte vor Jahren: "Sebastian Vettel wird irgendwann zu Ferrari wechseln." Was er vermutlich nicht wusste: Der damalige Senkrechtstarter war damals längt in Kontakt mit dem Traditionsteam aus Maranello.

Sebastian Vettel

Ferrari-Fan Sebastian Vettel im SF15-T: Bis dahin war es ein weiter Weg... Zoom

"Ich war 13 Jahre alt", erzählt der nunmehrige Ferrari-Pilot gegenüber der 'Gazzetta dello Sport', wie sich sein Traum bereits im Jahr 2003 anbahnte. "Ich habe es damals geschafft, auf dem Nürburgring in die Ferrari-Box zu kommen. Damals fuhr ich Formel BMW. Ich habe niemanden gekannt außer Michael."

Erste Gespräche in der Toro-Rosso-Ära

Fünf Jahre später, als sein Idol Michael Schumacher längst zurückgetreten war, fuhr Vettel für Toro Rosso und feierte in Monza vor den Tifosi seinen ersten Grand-Prix-Sieg - mit einem Ferrari-Triebwerk im Heck. "Damals habe ich Stefano Domenicali und die Ferrari-Ingenieure stets gegrüßt, weil sie sich um meinen Motor kümmerten", erinnert er sich. Doch das war nicht der einzige Kontakt mit dem damaligen Ferrari-Teamchef: "Ich habe von Zeit zu Zeit mit ihm darüber gesprochen, wie eine potenzielle Zukunft bei Ferrari für mich aussehen könnte."

Sebastian Vettel

Schon Vettels Toro-Rosso-Bolide wurde von einem Ferrari-Motor angetrieben Zoom

Als Vettel 2009 seinen ersten WM-Titel knapp verpasste, wurde das Interesse konkreter. "2010 kam man erneut auf mich zu", erinnert sich Vettel. Zudem schwärmte Domenicali auch öffentlich über Vettel, dessen Formel-1-Dominanz sich damals schon abzeichnete. Laut Vettel kam man damals aber über Gespräche nicht hinaus.

Auch nicht im Winter nach der Saison 2012, als Vettel Ferrari-Boss Luca di Montezemolo traf. "Ich war geheim in Maranello, und wir haben über das gleiche Thema gesprochen", verrät der damals bereits dreifache Champion.

Schumacher-Managerin Kehm spielte wichtige Rolle

Konkret wurde die sich anbahnende Zusammenarbeit erst Mitte 2014, als Domenicali bei Ferrari bereits Geschichte war und Marco Mattiacci kurzzeitig das Ruder übernommen hatte. Bei Ferrari zeichnete sich bereits der Abschied von Fernando Alonso ab, und auch beim vierfachen Weltmeister lief es damals alles andere als rund. Es fanden Gespräche statt, die dann aber drohten, im Sand zu verlaufen.

Michael Schumacher, Sebastian Vettel, Stefano Domenicali

Mit Stefano Domenicali und Michael Schumacher sprach Vettel früh über Ferrari Zoom

Damals spielte Sabine Kehm, die Managerin von Schumacher, eine entscheidende Rolle. Der ehemalige Philip-Morris-Manager Maurizio Arrivabene kontaktierte die ehemalige Journalistin und bat sie, mit Vettel wegen Ferrari in Kontakt zu treten. Sein Ziel war, es den Deal unter Dach und Fach zu bringen - mit Erfolg.

"Ich habe Sabine Kehm nach ihrer Meinung gefragt", schildert Vettel die Ereignisse aus seiner Sicht. "Leider konnte ich ja nicht mit Michael sprechen." Der Rekord-Weltmeister hatte Vettel aber bereits in der Vergangenheit Lust auf die Scuderia gemacht: "Er meinte, dass ich, wenn ich mich darauf einlasse, eine gute Atmosphäre und einen enormen Enthusiasmus in Maranello vorfinden würde. Aber es wirkte wie ein Traum. Heute bin ich Teil dieses Traums."

Marchionne ließ letzte Zweifel schwinden

Laut Arrivabene war das Gespräch mit Kehm ausschlaggebend: "Sabine hat die Atmosphäre beschrieben, die sie zu Michaels Zeit hier vorgefunden hat, und gesagt, dass es ein großartiges Team ist, wie eine Familie. Seb hat zugehört und sagte dann 'Okay.'"

Sergio Marchionne

Boss Marchionne, der eine Zeitlang Vettels Nachbar war, überzeugte den Deutschen Zoom

Vettel selbst erwähnt aber auch einen Anruf von Ferrari-Boss Sergio Marchionne. "Er hat mich angerufen und gemeint, dass er gerne mit mir arbeiten würde", erzählt der damalige Red-Bull-Pilot. "Ich fragte ihn, woher er meine Handynummer hat, und er lachte nur. Seine Botschaft war klar: Ferrari wollte mich. Und das war dann der Punkt, dass ich auch wollte."

Zumal er bei Ferrari einen der möglicherweise letzten wirklich lukrativen Formel-1-Deals einfädelte: Bei Red Bull hatte Vettel eine schlechte Verhandlungsbasis, da Daniel Ricciardo trotz eines deutlich geringeren Gehalts bessere Leistungen brachte - außerdem stand mit Daniil Kwjat bereits der nächste Diskont-Pilot vor der Tür. Und selbst bei Mercedes beißt Lewis Hamilton bei den derzeitigen Verhandlungen auf Granit.

Wie Vettel verhandelte

Vettel, der keinen Manager besitzt, verhandelte auch diesmal selbst mit Ferrari: "Ich bespreche das immer alleine. Dann habe ich einen Anwalt, der alles verschriftlicht." Seine eigenen Entscheidungen bespreche er "mit der Person, die mir am nächsten steht: mit meiner Freundin. Ich habe mit ihr ausgiebig über den Wechsel zu Ferrari gesprochen." Zudem habe er den Rat seiner Eltern und einiger enger Freunde eingeholt.

Kurios ist, dass Vettel und Ferrari-Boss Marchionne bis 2010 sogar Nachbarn in der Schweizer Gemeinde Zug waren, ehe der Formel-1-Pilot nach Kemmental übersiedelte und dort einen alten Bauernhof renovierte. "Ich habe damals erfahren, dass ein FIAT-Manager in der Nachbarschaft wohnt", wusste Vettel grundsätzlich Bescheid. "Ich hatte aber keine Vorstellung, wer es war. Und dann bin ich vor vier Jahren umgezogen."

Ein anderer, der jahrelang sein Weggefährte war, hat es Vettel hingegen verschwiegen, dass er bereits zwei Angebote von Ferrari auf dem Tisch liegen hatte: Stardesigner Adrian Newey. "Eigentlich seltsam", wundert sich Vettel heute. Hätte der Brite anders gehandelt, wäre das langjährige Erfolgsduo nun auch in Maranello vereint.

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