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  • 03.02.2012 · 14:49

Di Resta: "Platz sechs halten wird schwierig"

Force-India-Pilot Paul die Resta bekommt es 2012 mit Nico Hülkenberg zu tun - Der Schotte beschreibt seine Erwartungen an den VJM05 und den neuen Kollegen

(Motorsport-Total.com) - In der DTM kämpfte der jahrelang - und sehr erfolgreich - gegen deutsche Konkurrenz, im ersten Jahr als Force-India-Einsatzpilot musste er sich gegen Adrian Sutil behaupten. Paul di Resta wird 2012 einen neuen Teamkollegen bekommen - wieder ist es einer aus Germany. Wie er Nico Hülkenberg einschätzt und was er von der neuen Saison erwartet, beschreibt Paul di Resta im Interview.

Paul di Resta

Paul di Resta absolvierte am Freitag den Shakedown mit dem VJM05

Frage: "Paul, hast du den Winter gut nutzen und deine Batterien aufladen können?"
Paul di Resta: "Ich habe kurz vor Weihnachten den letzten Arbeitstag absolviert und dann bis zum 13. Januar frei gehabt. Ich hatte eine schöne Zeit mit der Familie und Freunden, konnte ein wenig abschalten. Ich habe mein Training intensiviert, hab Routinen entwickelt und Spaß daran gehabt. In Monaco war es herrlich ruhig, es war schönes Wetter. Es war also immer klasse, mal raus zu gehen und Sport zu treiben."

Frage: "Du hast bei der Sitzanapssung ein erstes Gefühl für den neuen VJM05 bekommen können. Was waren deine ersten Eindrücke?"
Di Resta: "Es sieht gut aus. Die Sitzanpassung klappte reibungslos. Die kleinen Problemchen, die ich im vergangenen Jahr hatte, lagen am Design des Autos. So ist es eben, wenn man das zweite Jahr bei einem Team ist. Manche Dinge laufen dann einfach etwas besser. Ich würde nicht sagen, dass ich vergangenes Jahr nicht ins Auto passte. Aber ich kam nicht tief genug hinein. Nicht so tief, wie ich es gern gehabt hätte."

Frage: "Welche Ziele hat das Team mit dem neuen Auto?"
Di Resta: "Es soll voran gehen, ausgehend von dem Stand, den wir zum Ende der vergangenen Saison hatten. Wir müssen in diesem Jahr besser beginnen als im vergangenen Jahr. Das wird der Schlüssel sein. Wir haben einige Dinge weiterentwickelt, die wir 2011 ausprobiert haben. Wir glauben, dass es einen Schritt vorangehen wird. Ich sage jetzt nicht, was genau das ist. Man wird es sehen können, sobald wir auf der Strecke sind."

Keine Topspeed-Kanone gefragt

Frage: "Im vergangenen Jahr hattet ihr ein Auto, das auf allen Strecken konkurrenzfähig war und nicht nur in Monza oder Spa. Wird man dies in diesem Jahr wieder sehen?"
Di Resta: "Wir hatten im Vergleich zu anderen Teams etwas Probleme mit dem Topspeed auf den Geraden. Das war sicherlich eine Veränderung. Aber man muss sich nur mal das Rennen in Ungarn anschauen, wo wir eines der besten Ergebnisse erzielen konnten. Dort waren wir am gesamten Wochenende stark. Es ist gut, wenn wir in diese Richtung weitergehen. Man braucht Abtrieb, man braucht Effizienz. Die Frage ist immer, wie genau man den besten Kompromiss treffen kann."

Frage: "Wie viel besser bist du persönlich vorbereitet im Vergleich zu vor genau einem Jahr?"
Di Resta: "Ich bin viel stärker. Ich habe genauso hart wie immer trainiert, habe in den vergangenen Wochen richtig hart gearbeitet. Ich habe mir eine Routine erarbeitet und meinen Körper somit auf ein anderes Level gebracht. Mein gesamtes Leben ist stabilisiert. Man kann sich dann viel besser auf die wesentlichen Dinge konzentrieren. Der zweite Vorteil ist, dass ich nun ein Jahr Rennerfahrung habe. Ob es nun um Reiseplanung oder Analyse von Zeit geht: Man erkennt, was einem im vergangenen Jahr nicht passte und verändert es entsprechend."


Fotos: Präsentation des Force India-Mercedes VJM05


Frage: "Im vergangenen Jahr waren die Pirelli-Reifen für alle neu. Hast du dich damit wohlgefühlt?"
Di Resta: "Kann ich kaum beantworten, weil es mein erstes Jahr war. Es war nicht allzu einfach, weil es deutliche Unterschiede zwischen den Pneus gab. Gleichzeitig hatten alle die gleichen Reifen. Man musste sie eben zum Arbeiten bringen. Man musste zu jedem Zeitpunkt eines Wochenendes genau das richtige tun, vor allem im Qualifying."

Frage: "Du hast nun in Nico einen neuen Stallgefährten. Freust du dich auf die Zusammenarbeit?"
Di Resta: "Nico war schon im vergangenen Jahr im Team. Ich kenne ihn schon länger und bin sicher, dass wir gut zusammenarbeiten werden. Natürlich ist man gleichzeitig stets in einem Wettbewerb. Man stachelt sich gegenseitig an, treibt das Team so zu besseren Leistungen an."

Starten beide Piloten auf einem Level?

Frage: "Auch du hast eine Saison im Renncockpit und ein Jahr als Freitagstester hinter dir - allerdings in anderer Reihenfolge als Nico. Eine ungewöhnliche Situation, oder?"
Di Resta: "Wir kämpfen mit gleichen Waffen. Er hat vermutlich schon ein paar mehr Formel-1-Kilometer auf dem Buckel als ich. Er kennt alle Strecken, es ist also definitiv kein Nachteil für ihn. Außerdem kennt er das Team."

Der neue Force India VJM05

Seltsame Front: Hat der Force India VJM05 eine Mundharmonika im Mund? Zoom

Frage: "Im vergangenen Jahr musstest du an Freitagen Nico mehrfach dein Auto überlassen. Habt ihr voneinander gelernt? Habt ihr einen ähnlichen Fahrstil und könnt so möglicherweise das neue Auto in die gleiche Richtung entwickeln?"
Di Resta: "Die Inhalte der Runs am Freitag waren immer unterschiedlich. Das Auto wurde vom ersten zum zweiten Training oft umgebaut. Mit Nico im Auto wurden oft ganz neue Dinge ausprobiert, um einen Eindruck zu gewinnen - auch im Hinblick auf jeweils kommende Rennen. Ich weiß es also nicht. Das wird sich im Verlauf der Wintertests aber zeigen."

Frage: "Im Mittelfeld der Formel 1 ist der Wettbewerb sehr hart. Wird es schwierig, die Form des vergangenen Jahres zu wiederholen?"
Di Resta: "Ganz klar: Den sechsten Platz von 2011 zu wiederholen wird sehr schwierig. Am Ende des vergangenen Jahres waren wir deutlich stärker als ich erwartet hatte. Vielen Dank noch einmal an das Team. Alle sind davon noch angestachelt. Hoffentlich können wir uns dadurch auf ein neues Level bringen. Man muss für so etwas vollen Einsatz bringen. Wir müssen dort anknüpfen, wo wir Ende letzten Jahres aufgehört haben und uns dann noch weiter verbessern."

Frage: "Wenn du dir das neue Gesamtpaket mal anschaust: Gibt es einen Grund, der dagegen sprechen würde?"
Di Resta: "Nein, ich sehe keinerlei Grund, der gegen eine weitere Steigerung sprechen würde. Wir haben eine gute Stabilität im Team, der Technikerstab ist derselbe geblieben. Und wir haben mit Mercedes bezüglich Motor und KERS sowie mit McLaren bei Getriebe und Hydraulik die gleichen Partner an Bord. Es bleibt alles stabil und setzt sich fort. Es fühlt sich eigentlich gar nicht wie ein Ende des einen und der Beginn des nächsten Jahres an. Alles beim Alten."