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  • 11.06.2006 · 19:39

Das große Siegerinterview mit Fernando Alonso

Fernando Alonso über sein perfektes Rennen in Silverstone, die weitere Marschroute im WM-Kampf und den Rekord von 19 Podestplätzen en suite

(Motorsport-Total.com) - 13,9 Sekunden Vorsprung hatte Fernando Alonso beim Überqueren der Ziellinie in Silverstone auf seinen Widersacher Michael Schumacher, womit er in der Fahrerwertung nun schon 23 Punkte vor dem Deutschen liegt. Heute hatte der Renault-Pilot mit seinen Gegnern keine Mühe, was ihn auch für die noch ausstehenden zehn Saisonrennen zuversichtlich stimmt.

Fernando Alonso

Fernando Alonso: Fünf Siege und drei zweite Plätze in bisher acht Saisonrennen

Frage: "Fernando, das sah nach einem perfekt eingeteilten Rennen aus. Es war ja wegen Renault auch irgendwie ein Heimrennen für dich, nicht wahr?"
Fernando Alonso: "Ja, das stimmt. Der Sieg heute war okay für uns. Durch die Pole Position von gestern wurde die Sache ein bisschen einfacher, weil ich vom ersten Platz starten konnte. Heute sahen wir, dass wir mehr Benzin als die anderen an Bord hatten, was uns von der Strategie her natürlich half."#w1#

Michelin-Reifen waren konstanter als erwartet

"Die Reifen waren das ganze Rennen hindurch sehr stark, also gab es für unsere Konkurrenten kaum Gelegenheiten, uns zu schlagen. Das ist auch für den Rest der Saison ermutigend. Wir müssen aber unseren Vorteil jetzt ausschöpfen. Wir hatten ein gutes Auto, keine Probleme, keine mechanischen Defekte - und wir sammeln gute Punkte. Wir kommen der Sache immer näher..."

"In den ersten beiden Runden nach dem Safety-Car war Kimi sehr schnell." Fernando Alonso

Frage: "Dein Rennen wurde in der Anfangsphase definiert, als du Kimi Räikkönen und Michael Schumacher hinter dir hattest und ihnen Zehntelsekunde um Zehntelsekunde davonfahren konntest..."
Alonso: "Ja. In den ersten beiden Runden nach dem Safety-Car war Kimi sehr schnell. Wir hatten ein bisschen zu viel Untersteuern, denn unser Auto war eher für das Ende der Stints abgestimmt. Von Runde zu Runde fühlte es sich dann besser an, also konnte ich noch im ersten Stint einen Vorsprung herausfahren und diesen dann verteidigen. Ich hatte im zweiten Stint etwas Graining, aber das war nicht gravierend. Wie gesagt: Die Reifen waren wieder perfekt. Mein Dank gilt allen Teammitgliedern, den Mechanikern und den Reifen. Der nächste Sieg!"

Frage: "Anfangs kam dir Kimi Räikkönen ein paar Mal sehr nahe. Wie eng war es wirklich?"
Alonso: "Ziemlich! Wir stimmten das Auto eher für die Mitte und das Ende eines jeden Stints ab, daher hatte ich in den ersten zwei Runden ein wenig Untersteuern. In der ersten und zweiten Runde war ich nicht schnell genug, also wollte es Kimi klarerweise wissen, aber ich hatte einen guten Topspeed. Es war nicht einfach, uns heute zu überholen. Das war mein Glück."

Frage: "Gab es danach irgendwelche Probleme mit dem Auto?"
Alonso: "Die Bedingungen waren schon das ganze Wochenende hindurch nicht einfach. Es war in den schnellen Kurven sehr windig, also gab es in ein paar Runden schon Überraschungen. Die Strecke war von Runde zu Runde ein bisschen anders, so dass man in manchen Kurven immer schätzen musste, wie es sein würde. Echte Probleme hatte ich aber nicht. Das Auto lief wirklich gut. Ich hatte im zweiten Stint ein bisschen Graining, aber mein Vorsprung war groß genug, also musste ich mir keine Sorgen machen."

Hinter jedem Sieg steckt viel harte Arbeit

Frage: "Es sah nach einem lockeren Sieg aus. Wodurch wurde es ein so einfaches Rennen für dich?"
Alonso: "Wir arbeiten einfach an jedem Rennwochenende und in jedem Rennen sehr hart - und das macht sich bezahlt. Jedes Rennen ist eine Herausforderung, denn wir wollen konkurrenzfähig bleiben. Wir müssen das Auto weiterentwickeln und weiter Rennen gewinnen, um unsere Position zu verteidigen. Wir müssen einen guten Job machen, so professionell wie möglich agieren und vor den anderen Teams bleiben. Dann kommen am Ende Siege heraus. Wir sind alle voll konzentriert, alle Mitarbeiter ziehen an einem Strang und machen keine Fehler. So müssen wir es beibehalten."

"Ich musste ganze Rennen pushen, weil wir nicht wussten, wie sich die Reifen verhalten würden." Fernando Alonso

Frage: "War es dein einfachster Sieg bisher in dieser Saison?"
Alonso: "Ich weiß es nicht. In Australien hatte ich auch einen Vorsprung, denn hier musste ich das ganze Rennen pushen, weil wir nicht wussten, wie sich die Reifen verhalten würden. Bei den Boxenstopps kann auch immer etwas passieren, also wollte ich mit einem gesunden Vorsprung an die Box fahren. Man konnte auch Michael schwer einschätzen, denn er überholte Kimi beim zweiten Stopp und war dann gleich schnell wie ich. Er konnte den Rückstand nicht mehr aufholen, aber ich musste schon pushen. Außerdem waren da noch die Bedingungen: In den schnellen Kurven war es ziemlich windig."

Frage: "Du wirkst ein bisschen erschöpft, es war ja ziemlich heiß heute. Wie anspruchsvoll war dieses Rennen?"
Alonso: "Naja, man ist an solche Temperaturen in England nicht gewöhnt. Das hat uns alle ein bisschen überrascht. Es ist schon hart auf dieser schnellen Strecke, denn die Kurven sind körperlich sehr anstrengend, vor allem mit dem V8. Da ist man in den Kurven irre schnell. Es war nicht leicht."

Dritter Saisonsieg en suite für Alonso

Frage: "Wie fühlt es sich an, hier in Silverstone einen Grand Prix zu gewinnen?"
Alonso: "Fantastisch! Dass ich in Spanien, Monaco und jetzt auch Silverstone gewonnen habe - da geht ein Traum in Erfüllung! Das alles sind Strecken mit klingenden Namen und großen Emotionen. Die Atmosphäre hier ist großartig, denn in diesem Land geht es nur um die Formel 1. Außerdem ist es ein wirklich schönes Gefühl, 20 Minuten von meiner Heimat in Oxford entfernt zu gewinnen. Ein fantastischer Tag!"

Fernando Alonso vor Kimi Räikkönen und Michael Schumacher

Fernando Alonso musste im Rennen nur in der Anfangsphase wirklich fighten Zoom

Frage: "Du siehst trotzdem ein bisschen traurig aus - als wären deine Eltern heute Morgen gestorben..."
Alonso: "Meine Eltern sind noch zu Hause, hoffe ich! Für mich war das Rennen okay. In Monaco war ich ziemlich erschöpft, weil ich dort hart gegen Kimi fighten musste, aber heute bin ich happy. Ich bin eben nicht der Typ, der immer aus sich herausgeht."

Frage: "Es wurde heute kaum überholt. Wie viel Spaß macht so ein Rennen, in dem es keine Überholmanöver gibt?"
Alonso: "Wenn man schnell ist, dann überholt man auch den Fahrer vor sich - Michael hat das ja gezeigt, wenn auch beim Boxenstopp. In der Formel 1 geht es nicht nur um schnelle Autos. Hier geht es um Strategie und eine Kombination verschiedener Faktoren. Darum ist sie ja so beliebt: weil es interessant ist, was sich auf und abseits der Strecke tut."

Diesmal feierte Alonso mit einem Pfeil als Pose

Frage: "Was hatte deine heutige Pose nach dem Rennen zu bedeuten? Sollte das einen Pfeil symbolisieren?"
Alonso: "Ja, es war ein Pfeil."

Frage: "Hatte das einen speziellen Grund?"
Alonso: "Nein."

"Angriff ist die beste Verteidigung!" Fernando Alonso

Frage: "Du warst bis jetzt in allen Rennen Erster oder Zweiter. Eine außergewöhnliche Saison, nicht wahr?"
Alonso: "Ja, bis jetzt läuft es fantastisch. Aus dem Auto kann man nichts mehr herausholen, wir sind am absoluten Limit. Wir fahren am Limit. Es gab keine mechanischen Probleme, das Team war fantastisch. So kann es weitergehen! Angriff ist die beste Verteidigung, also wollen wir weiterhin versuchen, Rennen um Rennen zu gewinnen."

Frage: "Michael Schumacher hält den Rekord von 19 Podestplätzen hintereinander. Glaubst du, dass du das übertreffen kannst?"
Alonso: "Ganz ehrlich: Wir wollen jedes Rennen auf dem Podium beenden, was uns bisher gut gelungen ist, aber ob der Rekord so wichtig ist, weiß ich nicht. Mir ist wichtiger, am Ende der Saison vorne zu liegen, aber wenn wir immer auf dem Podium landen, dann sind wir sicher auf dem richtigen Weg. Ich hoffe, in diesem Jahr noch oft auf das Podium zu kommen."

Frage: "Was sagst du zu der Möglichkeit, dass Lewis Hamilton im nächsten Jahr dein Teamkollege werden könnte?"
Alonso: "Fragt mich so etwas nicht! Ich will dieses Jahr gewinnen. Nächstes Jahr haben wir noch genug Zeit, um über meinen Teamkollegen zu sprechen. Eigentlich ist mir das ziemlich egal."

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