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Carlos Sainz: Was kann er besser als Vettel, Ricciardo & Co.?

Carlos Sainz erlebte bei Ferrari kaum Anpassungsprobleme - Nun erklärt der Spanier, was ihn von Sebastian Vettel, Daniel Ricciardo und Co. unterscheidet

(Motorsport-Total.com) - Der Champagner auf dem Overall von Carlos Sainz nach seinem ersten Podestplatz für Ferrari ist schon lange rausgewaschen, in Baku wartet eine neue Herausforderung auf den Spanier. In Monaco war die Scuderia aus eigener Kraft nahezu siegfähig, Charles Leclerc aber bekam gar nicht erst die Gelegenheit, seine Poleposition zu nutzen.

Carlos Sainz

Carlos Sainz sorgt mit Ferrari schon seit Saisonbeginn für Furore Zoom

Sainz holte die italienischen Kastanien mit Rang zwei aus dem Feuer, doch auch knapp zwei Wochen später geistert noch der Gedanke um einen möglichen Sieg im Kopf des Neuzugangs herum, hatte er sich selbst doch auf einer möglichen Pole-Runde am Samstag gesehen, ehe Leclerc verunfallte.

"Am Sonntag hatte ich immer noch das Gefühl, dass der zweite Platz nicht genug war für die Pace, die wir das gesamte Wochenende über hatten. Aber es war wie eine Befreiung, wenigstens noch auf das Podium gekommen zu sein und dem Team ein gutes Ergebnis gegeben zu haben", sagt Sainz.

Sainz: Monaco war eine "Ausnahme"

Die Siegchance in Monaco, das weiß Sainz, könnte es für Ferrari so schnell nicht wieder geben. Zumindest in Baku rechnet er schon einmal mit deutlich größeren Problemen. "Auf dieser langen Geraden fahren wir zwei Kilometer Vollgas, wir wissen, dass das noch einer unserer Schwachpunkte ist, was Topspeed und Beschleunigung betrifft", erklärt Sainz.


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Immerhin: Sollte es Ferrari gelingen, in den auch auf dem Baku City Circuit in großer Zahl vorhandenen langsamen Kurven an Monaco anknüpfen zu können, glaubt Sainz, dass Ferrari zumindest "gute Punkte" holen dürfte. Monaco aber hingegen sei ein "Spezialfall" und eine "Ausnahme" gewesen.

Keine Ausnahme hingegen war Sainz' persönliche Vorstellung in Monaco. Denn der Spanier hat es binnen weniger Wochen geschafft, auf ein Level mit Leclerc zu kommen - und ihn teilweise sogar zu schlagen. Monaco war dafür nur eine Bestätigung.

Was macht Sainz anders?

Damit fällt der Neuzugang von McLaren aus dem sonst geltenden Muster dieser Formel-1-Saison, das für all jene Fahrer, die ihr Team gewechselt haben (oder nach jahrelanger Abwesenheit zurückkehrten), große Schwierigkeiten erkennt.

Egal, ob Sebastian Vettel, Fernando Alonso, Sergio Perez oder vor allem sein Nachfolger bei McLaren, Daniel Ricciardo: sie alle taten sich bislang unheimlich schwer, mit ihren Teamkollegen Schritt zu halten.


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Über die Gründe wurde schon ausgiebig diskutiert. Die Testfahrten waren mit eineinhalb Tagen pro Fahrer so kurz wie seit Ewigkeiten nicht mehr, und nicht einmal diese konnten immer genutzt werden (siehe Vettel). Zudem sind die Umstellungen zwischen den Autos teilweise extrem groß, was einfach Zeit braucht.

Sainz: Man benötigt "Zeit und Hingabe"

Doch warum ist es bei Sainz anders? Weder hatte er mehr Testzeit zur Verfügung, um den aktuellen Ferrari zu fahren noch hat er eine Vergangenheit im Team, die ihm entgegenkam. Und doch präsentiert er sich, als würde er schon seit Ewigkeiten für Ferrari fahren.

Was ist also Sainz' Geheimnis? "Ich weiß es nicht", so der Angesprochene selbst. "Ich kann nur sagen, was ich getan habe und dass es funktioniert. Und dieses ganze Produkt ist noch nicht zu Ende. Ich denke, es gibt immer noch Dinge, die ich verbessern kann", sagt Sainz.

Er erklärt, dass er einfach von Beginn an viel Zeit in der Fabrik verbracht und versucht habe, "jedes Detail des Autos zu verstehen und wie man es fahren muss. Auch, warum Charles im Qualifying so schnell ist, was man dafür tun muss und was man daraus lernen kann", beschreibt Sainz die Prozesse.


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Seine Worte klingen nach viel Eifer, Fleiß und nach dem unbändigen Willen, sich zu steigern. "Die Formel-1-Autos sind heute so komplex und es gibt so viele Dinge, die man als Fahrer mit gewissen Werkzeugen und Einstellungen verändern kann. Sie sind so komplex und man muss Zeit und Hingabe dafür investieren", sagt Sainz. Wenn ein Fahrer sich jedoch nicht anpassen könne, ergänzt Sainz, sei es "unmöglich".

Surer: Vielleicht liegt es in den Genen

Diese Anpassungsfähigkeit ist es, die Sainz auszeichnet. Auch Formel-1-Experte Marc Surer hat das wahrgenommen - und sieht einen Grund für Sainz' Fähigkeiten in dessen "Genen". "Er ist der Sohn eines Rallyeweltmeisters. Und ein Rallyeweltmeister oder ein Rallyefahrer muss eigentlich die ganze Zeit mit einem Kompromiss leben", sagte Surer jüngst in einem Interview auf dem YouTube-Kanal von Formel1.de.

Sainz, glaubt Surer, könne sich einfach auf ein Auto einstellen. "Das kann ein Vettel nicht, das kann ein Daniel Ricciardo nicht, sondern das sind Leute, die nur schnell sind, wenn das Auto macht, was sie wollen", so der Schweizer, der allerdings auch annimmt, dass der Ferrari in diesem Jahr einfacher zu fahren sei.


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Auch McLaren-Shootingstar Lando Norris, ein guter Kumpel von Sainz und im vergangenen Jahr noch sein Teamkollege, hat diese Erfahrungen mit dem Spanier gemacht. "Darin war er sehr gut", sagt Norris mit Blick auf Sainz' Fähigkeiten, auch mit schwierig zu fahrenden Autos zurechtzukommen. Bei Ricciardo sei laut Norris jedoch zu sehen, dass es größere Probleme gibt, wenn das Auto nicht zu 100 Prozent passt.

Sainz genießt die Herausforderung

Sainz hat es nach eigener Aussage verstanden, zu akzeptieren, wenn alte Gewohnheiten nicht mehr funktionieren. "Ich muss meinen Fahrstil immer noch ändern und offen dafür sein, dass das, was bei McLaren funktioniert hat, im Ferrari vielleicht nicht klappt. Dafür muss ich einige Techniken ändern", schildert er.

Diese Phase des Lernens, des Anpassens an die neuen Gegebenheiten erfülle Sainz aber nicht nur mit Stress, sondern auch mit Freude. "Ich genieße die Herausforderung. Es macht keinen Spaß, zwei oder drei Zehntel auf der Strecke langsamer zu sein, also muss man sich selbst herausfordern, um diese zwei, drei Zehntel zu finden. Das fordert dich als Fahrer und zwingt dich, deine Komfortzone zu verlassen", erklärt er.

Einen Grund, warum er sich damit offenbar leichter tut als seine Kollegen, sieht Sainz in seinen zahlreichen Erfahrungen mit Teamwechseln. Nach Toro Rosso, Renault und McLaren ist Ferrari bereits das vierte Team für Sainz in seiner immer noch recht kurzen Formel-1-Karriere.


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"Als ich von Toro Rosso zu Renault gewechselt bin dachte ich direkt, diese Autos sind völlig verschieden, aber vielleicht ist das eine Ausnahme. Aber nach dem Wechsel von Renault zu McLaren war es wieder ein komplett anderes Auto und dann von McLaren zu Ferrari wieder. Das hat mir die Augen geöffnet, wie unterschiedlich die Autos sind und wie stark man sich anpassen muss", schildert er.

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Ein Team, das ein Chamäleon wie Sainz aktuell wohl gerne in den eigenen Reihen hätte, ist vermutlich Red Bull. Sainz war Red-Bull-Junior, doch damals musste die Wahl getroffen werden, ob mit Sainz oder Verstappen weitergemacht wird.

"Zu dem Zeitpunkt waren wir irrsinnig stark aufgestellt. Wir haben in Max die stärkere Option gesehen und das war ja die Entscheidung zwischen Verstappen und Carlos", sagte zuletzt Motorsportberater Helmut Marko in einem Interview auf dem YouTube-Kanal von Formel1.de.

Für Marko sind die Leistungen von Sainz bei Ferrari aktuell keine Überraschung. "Wir haben Sainz nicht umsonst ausgewählt und ihn damals noch relativ früh zu Toro Rosso geholt. Er war von Anfang an sehr wettbewerbsfähig und auch das Match zwischen ihm und Max war ein ganz enges", blickt er zurück. Das nächste Sainz-Podest für Ferrari dürfte nur eine Frage der Zeit sein - ob in Baku oder doch erst später.

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