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Boullier: "Geht es uns 2016 gleich, wird Alonso verrückt"

McLaren-Rennleiter Eric Boullier erklärt, wie es um Fernando Alonsos Geduld bestellt ist und wie McLaren Motorenpartner Honda nun unter die Arme greifen will

(Motorsport-Total.com) - Der Grand Prix von Kanada war ein weiteres enttäuschendes Rennen für Fernando Alonso. Doch während er bislang gute Miene zum bösen Spiel machte, beschwerte er sich diesmal während des Rennens über die Anweisung, Sprit zu sparen, als er mitten im Zweikampf steckte: "Ich will nicht, ich will nicht." Eine nachvollziehbare Reaktion, denn der Spanier kam ein weiteres Mal nicht ins Ziel und schied in der 44. Runde wie Teamkollege Jenson Button mit einem Auspuffdefekt aus. Immerhin konnte er so seinen Boliden im direkten Duell ausprobieren.

Eric Boullier, Fernando Alonso

Tiefpunkt in Kanada: Fernando Alonsos Geduld wird strapaziert Zoom

Nach dem Rennen legte er nach und kritisierte sein Team, das ihn "wie einen Amateurfahrer aussehen lässt". Reißt also beim zweimaligen Weltmeister, der weiterhin punktelos ist, nach dem dritten Ausfall in Serie der Geduldsfaden? Alonso beschwichtigt gegenüber 'Sky Sports F1', dass er seinen Wechsel noch immer nicht bereut: "Nein, das ist die logische Konsequent bei einem neuen Team mit sehr neuer Technologie und einer sehr aggressiven Herangehensweise beim Design. Das dauert einfach, aber es ist der einzige Weg, Mercedes in der Zukunft zu schlagen."

McLaren-Honda schraubt Ziele herunter

Zu Saisonbeginn hatte man noch angekündigt, gegen Saisonende auf Mercedes-Niveau sein zu wollen, doch dieses Ziel hat man längst ad acta gelegt, wie Teamkollege Button bestätigt: "McLaren hat sich entschieden, mit Honda zu arbeiten, und so ist es eben. Wir werden dieses Jahr keinen Podestplatz erreichen, aber wir müssen die Arbeit machen, sonst verdienen wir auch keinen Podestplatz."

Doch wie lange hält der nicht gerade für seine Engelsgeduld bekannte Alonso noch durch? "Wenn es uns nächstes Jahr noch so geht wie dieses Jahr, dann wird er sicher verrückt werden", sieht Rennleiter Eric Boullier sein Team unter Druck. "Aber ich denke nicht, dass das passieren wird."


Fotostrecke: GP Kanada, Highlights 2015

Laut dem Franzosen hat der Spanier die aktuelle Lage akzeptiert. "Ihr seht ihn ja regelmäßig", spricht er die Journalisten an. "Und ihr seht, dass er mit dem Team glücklich ist, dass er sich hier wohlfühlt. Außerdem hat er mir vor kurzem gesagt, dass er dieses Jahr als Testjahr sieht, um nächstes Jahr bereit zu sein."

McLaren greift Honda unter die Arme

Doch selbst dafür sind die aktuellen Fortschritte bei McLaren-Honda zu gering. Das ist Boullier bewusst: "Wir liegen weit zurück." Jetzt will man den Japanern unter die Arme greifen und IT- und Software-Spezialisten aus Woking nach Tokio schicken. "Wir haben unsere Hilfe angeboten, damit wir uns schneller erholen", sagt der Rennleiter. "Wir rechnen damit, dass Honda sehr rasch Lösungen liefert. Jeder weiß, wo wir stehen und was passieren muss. Es handelt sich um die Formel 1, und wir haben alle zwei Wochen einen öffentlichen Test."

Dass Alonso ungeduldig wird, sei diesbezüglich nur ein Nebenaspekt: "Er will gewinnen, er will Rennen fahren, er will konkurrenzfähig sein. Er ist ein Siegertyp, und wir haben ohnehin den gleichen Plan."