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Bernie Ecclestone setzt Manor unter Druck: Bald Geschichte?

Bernie Ecclestone platzt der Kragen, und das nicht nur wegen der Spielchen von Manor-Marussia: "Früher waren Teamchefs noch anständige Leute"

(Motorsport-Total.com) - Dass das Manor-Marussia-Team beim Formel-1-Saisonauftakt 2015 in Melbourne zwar angereist, aber nicht mitgefahren ist, stößt Bernie Ecclestone sauer auf. Der Grand-Prix-Boss hat in seinem Vertrag mit dem Rennstall festgehalten, dass innerhalb von zwölf Monaten maximal drei WM-Läufe ausgelassen werden dürfen. 2014 hat Marussia schon in Austin, Sao Paulo und Abu Dhabi gefehlt. Umso wichtiger war es, die Autos in Melbourne zumindest in die Garage zu rollen - auch wenn Insider der Teamführung unterstellen, dass nie ernsthaft geplant war, im Rennen an den Start zu gehen.

Graeme Lowdon und Bernie Ecclestone

Graeme Lowdon steht bei Bernie Ecclestone momentan nicht hoch im Kurs Zoom

Sportdirektor Graeme Lowdon schob den Startverzicht auf Probleme mit der Motorenelektronik, doch die Antriebseinheit hätte man laut Experten auch ohne Ferrari-Zutun zumindest starten können. Unlogisch auch, dass sich Lowdon am Samstag zu Mittag vor die TV-Kameras stellt und davon spricht, dass man nur ein bisschen mehr Zeit gebraucht hätte, um rechtzeitig für das Qualifying fertig zu werden. Aber warum hat man dann nicht den Sperrstunden-Joker gezogen und die Nacht durchgearbeitet?

Die FIA hat bei ihrer Untersuchung des Nichtantretens von Manor-Marussia zwar noch einmal Gnade vor Recht ergehen lassen, denn hätte sie Melbourne nicht als Teilnahme anerkannt, wäre das Team um 47 Millionen US-Dollar Preisgeld gestorben. Kein Wunder, dass Ecclestone langsam der Kragen platzt: "Laut Vertrag dürfen sie drei Rennen auslassen. Eines noch und sie sind Geschichte", sagt er dem 'Independent'. Hinter vorgehaltener Hand soll er über Lowdon, Booth und Co. noch viel deutlichere Worte finden, hört man.

Renault würde nicht als neues Team kommen

Viel lieber als ein Manor-Marussia- wäre Ecclestone ein Renault-Werksteam. Doch selbst wenn der französische Automobilhersteller tatsächlich erwägt, wieder werksseitig Grand-Prix-Sport zu betreiben, würde es kein zusätzliches Formel-1-Team geben. Denn Renault hat nicht vor, einen neuen Rennstall aus dem Boden zu stampfen, sondern würde einen bestehenden übernehmen - oder sich zumindest mit Minderheitsanteilen beteiligen. Und selbst das ist Stand jetzt alles andere als sicher.


Fotostrecke: F1 Backstage: Melbourne

Dass momentan vier von zehn Teams akut überlebensgefährdet sind, wird oft auf die Einnahmenverteilung der FOM geschoben. So wurden etwa 2014 (für die Saison 2013) an Ferrari und Red Bull mehr als 160 Millionen Dollar ausbezahlt, an den WM-Letzten Marussia aber nur zwölf. Doch Ecclestone lässt das kalt: "Es ist nicht gerecht, dass die Topteams so viel bekommen - aber vieles in dieser Welt ist nicht gerecht. Es ist auch nicht gerecht, dass Kindern hungern, während andere ihr Essen wegschmeißen."

Topteams nicht kooperationsbereit

Sein Angebot, den Verteilungsschlüssel zugunsten der kleinen Teams zu ändern, steht. Allerdings sind die Inhaber der kommerziellen Rechte nicht gewillt, auf einen Teil von ihrem Kuchen zu verzichten, weshalb die Topteams trotz bestehender Verträge freiwillig auf einen Teil ihrer Einnahmen verzichten müssten. "Das wird nicht passieren", ist sich Ecclestone sicher. Warum auch sollte etwa Ferrari Marussia-Manor subventionieren, obwohl man wegen offener Motorenrechnungen ohnehin mehr als 20 Millionen Euro Altschulden hinterherläuft?

Monisha Kaltenborn und Hanspeter Brack

Auch Monisha Kaltenborn hat bei Bernie Ecclestone gerade kein gutes Standing Zoom

Ecclestone hat für Manor-Marussia und andere in Schieflage geratene Teams jedenfalls kein Verständnis: "Ihre Firmen stecken in der Scheiße, weil sie mehr ausgeben, als sie haben. Sie könnten ja weniger Geld ausgeben. Mit uns hat das nichts zu tun. Wir können die Ausgaben der Leute nicht kontrollieren", sagt er. Die Idee einer Budgetobergrenze ist schließlich auch an den Teams selbst gescheitert, die sich nicht einig werden konnten.

"In den guten alten Zeiten war nur ein kurzes Gespräch mit den Menschen erforderlich, die das Geld hatten, zum Beispiel Colin (Chapman, Lotus-Gründer; Anm. d. Red.). Jetzt kommen sie mit Rechtsanwälten und können sich auf nichts einigen", seufzt der 84-jährige Formel-1-Chefvermarkter. "Der große Unterschied sind die Einstellung und die Menschen. Früher waren das noch anständige Leute. Heute kommen sie in Anzügen mit sehr kleinen Taschen daher."