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Andretti: Nach Unfällen wie Bianchis fühlt man sich hilflos

Amerikas Formel-1-Legende Mario Andretti weiß, wie schwierig der Umgang mit solch schweren Unfällen wie dem Jules Bianchis auch für die Kollege ist

(Motorsport-Total.com) - Vor genau vier Wochen erschütterte die Formel-1-Welt einer der schwersten Unfälle der Königsklasse seit vielen Jahren. Jules Bianchi kam beim Grand Prix von Japan in Suzuka bei äußerst nassen Bedingungen von der Strecke ab und kollidierte mit einem Räumungsfahrzeug. Seitdem kämpft der Marussia-Pilot im Krankenhaus von Yokkaichi mit schweren Kopfverletzungen um sein Leben. Sein Zustand wird noch immer als kritisch, aber stabil beschrieben. Die Motorsportwelt hat sich indes weiter gedreht und Mario Andretti weiß zu berichten, warum das auch gut so ist.

Mario Andretti

Mario Andretti sah in seiner Karriere selbst viele Kollegen verunglücken Zoom

Die amerikanische Rennfahrer-Legende Andretti genießt derzeit die Rennatmosphäre in Austin, wo an diesem Wochenende zum dritten Mal der Grand Prix der USA ausgetragen wird. Das Thema Bianchi streift den Event dabei lediglich bei Aktionen wie dem Ausprobieren des "virtuellen Safety-Cars", als Sicherheits-Reaktion auf den Unfallhergang in Suzuka.

"Ich glaube, man kann niemanden allein verantwortlich machen für diesen Unfall", beurteilt Andretti das Geschehen gegenüber der 'Welt'. "Sehen Sie: Die Sicherheitsvorkehrungen sind so gut geworden. Und trotzdem passiert so ein Crash. Die Formel-1-Strecken sind die besten und sichersten der Welt. Niemand konnte das vorhersehen. Man könnte jemanden verantwortlich machen, wenn dieser Unfall anderswo noch einmal passieren würde. Es gibt jetzt den Plan, das Tempo bei allen Autos elektronisch zu drosseln, wenn gelbe Flaggen geschwenkt werden. Ich denke, das ist eine gute Idee, von der niemand benachteiligt wird. Die FIA unternimmt etwas. Und das finde ich gut. Hundertprozentige Sicherheit können jedoch auch sie nicht garantieren."

Andreti spricht aus Erfahrung

Neben seinen Aktivitäten im amerikanischen Motorsport war Andretti vor allem auch für seine Zeit in der Formel 1 bekannt. Zwischen 1968 und 1982 fuhr er in der Königsklasse und holte 1978 den Fahrertitel. Während dieser Zeit musste der heute 74-Jährige selbst viele unschöne Unfälle beobachten, von denen damals leider noch allzu viele tödlich ausgingen.

Jules Bianchi Schriftzug

In Sotschi wurde Jules Bianchi öffentlich Unterstützung ausgesprochen Zoom

"Der Mensch ist so geschaffen, dass er Mitgefühl empfindet", schildert er seine Erfahrungen mit dem Unglück der Kollegen. "Als ich noch gefahren bin, haben wir viele tolle Männer auf der Strecke verloren. Einer meiner besten Freunde ist bei einem Unfall umgekommen. Glauben Sie mir, ich weiß, wie schrecklich solche Momente sind. Es gibt nichts Schlimmeres im Leben."

Nach dem traurigen Ende des Rennens in Japan vor vier Wochen, sah man den anderen Piloten den Schock ins Gesicht geschrieben. Andretti weiß, dass es auch für die vermeintlichen Konkurrenten keine einfache Situation ist, solche Ereignisse zu verarbeiten.

The Show must go on

"Man wacht morgens auf und fühlt sich trotzdem total gerädert. Man kann nicht lächeln, es ist einem nicht nach Späßen zumute. Man fühlt sich komplett hilflos. Es gibt keine Freude im Leben in den Tagen nach solchen Unfällen. Die Trauer begleitet dich wie ein Schatten, rund um die Uhr. Ich weiß noch, dass ich dann immer gehofft habe, dass es möglichst schnell weitergeht zum nächsten Rennen. Du brauchst irgendetwas, das dich ablenkt. Als Dan Wheldon vor einigen Jahren bei den IndyCars gestorben ist, war es das letzte Rennen der Saison. Es war die Hölle."

"Man fühlt sich komplett hilflos. Es gibt keine Freude im Leben in den Tagen nach solchen Unfällen." Mario Andretti

Die Formel 1 konnte nach dem Bianchi-Unglück schon eine Woche später in Sotschi wieder an den Start gehen. Mit einer Welle der Unterstützung blieb der Kollege jedoch im Gedanken dabei. Marussia verzichtet, nach eigenen Angaben aus Respekt, sogar auf die Besetzung seines Cockpits und trat nur mit einem Auto an.

"Ich finde diese Entscheidung falsch", mein Andretti jedoch. "Als ich noch gefahren bin, habe ich dem Team gesagt, dass sie mein Cockpit jemand anderem geben sollen, wenn ich einen Unfall habe. Es war mein Wille. Deswegen habe ich mich gewundert, als ich Bianchis Auto in der Garage gesehen habe. Ich glaube, es hätte dem Team geholfen, wenn ein junger Nachwuchsfahrer die Möglichkeit gehabt hätte, Erfahrung zu sammeln. Ich glaube Bianchi hätte es so gewollt. Woher ich das weiß? Ich glaube, jeder Rennfahrer denkt so wie ich. Aber sie werden ihre Gründe gehabt haben bei Marussia."

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