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Barrichellos Renningenieur Cantoni im Interview

Barrichello-Renningenieur Carlo Cantoni gibt einen interessanten Einblick in die Arbeit eines Renningenieurs

(Motorsport-Total.com) - Frage: "Wenn man sich anschaut, wie es am Samstagnachmittag nach dem Qualifying aussah, so konnte man einen dritten Platz für Rubens Barrichello wohl kaum vorhersagen, der sich ja nur als Achter qualifiziert hatte. Was hat sich innerhalb weniger Stunden geändert?"
Carlo Cantoni: "Schon von Freitag an hatten wir Probleme, das Set Up für das Auto von Rubens zu finden. Im Qualifying konnten wir nicht das Maximum aus ihm herausholen, aber zum Warm Up am Sonntag änderten wir viele Dinge radikal. Wir nahmen verschiedene Veränderungen vor, besonders auf der Elektronikseite, arbeiteten an der Bremsbalance und der Traktionskontrolle. Rubens war sofort in Form und machte sogar noch mehr Druck. Vor dem Rennen nahmen wir ein paar weitere, kleinere Veränderungen am Set Up und der Elektronik vor, die es ihm erlaubten, ein wirklich aggressives Rennen zu fahren."

Carlo Cantoni

Cantoni durfte als Repräsentant des Teams in Magny-Cours auf das Podium

Frage: "Du bist nun sein anderthalb Jahren Rubens' Renningenieur. Wie kommt ihr miteinander aus?"
Cantoni: "Ich denke, sehr positiv und produktiv. Was die technische Seite angeht, so ist Rubens sehr gut und feinfühlig. Sein Fahrstil unterscheidet sich von jenem Schumachers und somit sind seine Einstellungen, das Set Up und die Elektronikabstimmungen an seinem Autos anders, besonders da er mit dem rechten Fuß bremst und sein Teamkollege mit Links. Das bedeutet, dass manche Lösungen Michael, aber nicht Rubens passen."

Frage: "Wie verlief deine Karriere bei Ferrari?"
Cantoni: "Nachdem ich meinen Maschinenbauabschluss an der Milan Polytechnic gemacht hatte, schickte ich meinen Lebenslauf an alle Formel-1-Teams. Ich erhielt keine Antworten und landete bei Innocenti in Milan, wo ich Schmiedemaschinen entwarf. Drei Monate später hatte ich die Möglichkeit, zu Brembo zu gehen, wo ich als Formel-1-Streckeningenieur von 1992 bis 1994 arbeitete. Das war zu jener Zeit, als alle Teams Brembo-Bremsen benutzten. So kam ich in Kontakt mit Ferrari und stieß 1995 zu ihnen. Zuerst begann ich als Chassis-Ingenieur beim Testteam und wurde dann erneut Streckeningenieur. 1999 kam ich zum Rennteam als Mika Salos Renningenieur. Das war eine großartige Erfahrung und ich habe gute Erinnerungen an den Finnen."

Frage: "Was macht ein Ingenieur deiner Position, wenn er nicht in seinem Element an der Rennstrecke ist?"
Cantoni: "Wenn ich nicht bei den Tests bin, so verbringe ich meine Zeit im Büro, um Daten von der Strecke zu analysieren, um uns für den nächsten Grand Prix vorzubereiten. Ich stehe in Kontakt mit dem technischen Büro und jenen Leuten, die an der Forschung und Entwicklung arbeiten, damit ich bei den Neuentwicklungen auf dem aktuellen Stand bin, die uns erreichen und ich weiß, wie sie am besten bei der Arbeit auf der Strecke integriert werden können. Wenn ich im Büro bin, so habe ich auch eine sehr enge Beziehung zum Fahrer. Rubens liebt Computer und eMail und aus diesem Grund stehen wir ständig in Kontakt, entweder in Schriftform oder im Dialog. So können wir besprechen, wie wir uns auf das nächste Rennen vorbereiten. Das ist mit ständigen Meetings vergleichbar."

Frage: "Und an den Grand-Prix-Strecken?"
Cantoni: "Wenn wir bei den Rennen sind, so ist es unsere Aufgabe, die Leute zu koordinieren, die mit dem Fahrer arbeiten. Das geht vom Motorspezialisten über den Chassisspezialisten bis hin zu allen Mechanikern. Es ist unsere Aufgabe, ständig in Kontakt mit dem Fahrer zu stehen, um seinen Input zu holen."

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