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Aston Martin "sehr interessiert" an Gesprächen mit Audi

Weil die Verhandlungen mit McLaren ins Stocken geraten sind, könnte Aston Martin für Audi die attraktivste Möglichkeit für den Formel-1-Einstieg 2026 sein

(Motorsport-Total.com) - Am 7. April 2022 hat der Volkswagen-Konzern seinen beiden Marken Porsche und Audi im Aufsichtsrat grünes Licht für einen Formel-1-Einstieg ab der Saison 2026 gegeben. Doch während entsprechende Pläne von Porsche, als Partner bei Red Bull einzusteigen, bereits sehr konkret sind, sind die Pläne von Audi das "noch nicht so sehr", wie Volkswagen-CEO Herbert Diess kürzlich bestätigt hat.

Lawrence Stroll

Lawrence Stroll könnte sein Team an Audi verkaufen, wenn er das möchte Zoom

Ursprünglich schien Audi an einem Einstieg bei McLaren interessiert. Doch die Verhandlungen sind inzwischen deutlich abgekühlt. Laut Informationen von 'Motorsport-Total.com' klaffen die Vorstellungen zu weit auseinander - und zwar nicht unbedingt nur, was die finanziellen Rahmenbedingungen betrifft. Man sei einfach nicht kompatibel, heißt es.

Weswegen Audi weiterhin auf "Brautschau" ist. Ein komplettes Formel-1-Team mit Chassis und Antrieb von Deutschland aus zu betreiben, gilt in Insiderkreisen als äußerst unwahrscheinliche Variante. Sollte McLaren beim Nein zu Audi bleiben, wären damit nur noch drei Varianten im Rennen.

Williams, Sauber oder Aston Martin?

Erstens: ein Einstieg bei Williams. Einen solchen empfinden viele Medien wegen Williams-Teamchef Jost Capito als charmant, der den Volkswagen-Konzern einst in der Rallye-WM zu Serien-WM-Titeln geführt hat. Doch Williams befindet sich aktuell am Ende des Feldes, und Stimmen in Wolfsburg besagen, dass das intern als nicht attraktiv angesehen wird.

Dann wäre da noch Sauber. Das Team aus der Schweiz hat in der Vergangenheit schon mit BMW zusammengearbeitet und bringt eine top Infrastruktur mit, einschließlich eines State-of-the-Art-Windkanals, den Audi schon in der Vergangenheit genutzt hat und bestens kennt.

Und natürlich Aston Martin. 'Motorsport-Total.com' hat am 7. April als erstes Medium über Gespräche zwischen dem Team von Lawrence Stroll und Audi berichtet, und dieser Bericht wurde seitens Aston Martin auf Anfrage nicht dementiert. Man erkunde die Möglichkeiten, ließ man lediglich ausrichten.

Krack: Aston Martin ist interessiert an Audi-Einstieg

In Imola haben wir bei Aston-Martin-Teamchef Mike Krack nachgefragt - und auch der lässt die Gerüchte laufen: "Diese Möglichkeit ist für jedes Team, das keinen großen Hersteller an seiner Seite hat, super attraktiv", sagt er. "Wir würden lügen, wenn wir sagen würden, dass wir daran nicht interessiert wären. Ich wäre sehr interessiert daran, darüber zu sprechen."

Die Voraussetzungen wären auch aus Audi-Sicht perfekt. Aston Martin baut gerade in Silverstone einen neuen Formel-1-Campus auf. Sollte Audi jetzt einsteigen, hätte man vermutlich die Möglichkeit, den Bau der Infrastruktur noch nach den eigenen Vorstellungen feinzutunen. Das kann in der Konstellation kein anderes der bestehenden Teams bieten.

Stroll: Ausstieg würde Gesichtsverlust bedeuten

Allerdings: Stroll sen. hat sich mit seinen Ansagen weit aus dem Fenster gelehnt. Er wolle und werde Aston Martin in der Formel 1 zum Erfolg führen, hat er immer wieder betont. Jetzt hinzuschmeißen und mittendrin zu verkaufen, wäre zwar finanziell attraktiv, würde aber einen Gesichtsverlust für ihn bedeuten.


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Andererseits zeichnet sich für Aston Martin aktuell kein kurzfristiger Erfolg in der Formel 1 ab, und mit den Millionen aus einem etwaigen Verkauf könnte Stroll sen. in den Sportwagenhersteller Aston Martin Lagonda investieren, bei dem er ebenfalls Anteilseigner und Vorstandsvorsitzender ist. Der Sportwagenhersteller und das Formel-1-Team sind zwei voneinander getrennte Firmen.

Das Interesse an einer Partnerschaft mit Audi ist jedenfalls groß. Williams-Chef Capito bestätigt, dass man Gesprächen offen gegenüberstehen würde, und selbst Haas-Boss Günther Steiner sagt: "Wer würde nicht mit ihnen reden wollen?" Gleichzeitig gibt Steiner zu: "Wir hatten aber keine Gespräche darüber."

Sauber: Zufrieden mit Partner Alfa Romeo

Weshalb sich dem Vernehmen nach alles auf die Frage Aston Martin oder Sauber zuspitzt. Doch Sauber-Teamchef Frederic Vasseur ist mit seiner aktuellen Konstellation sehr zufrieden: "Wir haben eine starke Partnerschaft mit Alfa Romeo, und die Zusammenarbeit wird immer enger. Das entwickelt sich sehr positiv", sagt er in einem exklusiven Interview.

Und weiter: "Natürlich gehen wir mit offenen Augen durch die Welt. Ich rede ja auch ständig mit anderen Fahrern und anderen Teamchefs. Es ist nicht so, dass ich für nächstes Jahr Lewis Hamilton engagieren werde, aber es gehört zu meinen Aufgaben, über solche Dinge informiert zu sein. Aber für den Moment kann ich sagen: Wir haben mit Alfa Romeo ein gutes Momentum."