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Anleitung über Funk: Soll die Beschränkung gelockert werden?

Ein Formel-1-"Raumschiff" ohne Anleitung für die Fahrer: Die Funkeinschränkungen gehen vielen zu weit - Nach Baku haben die Diskussionen wieder begonnen

(Motorsport-Total.com) - "Der eingeschränkte Funkverkehr soll, soweit mir bewusst ist, Fahrerhilfen einschränken", sagte Lewis Hamilton nach seinem frustrierenden Rennen in Baku. "Das war keine Fahrhilfe, sondern ein technisches Problem." Dass der Mercedes-Pilot nicht auf Funkanweisung seines Renningenieurs ein fehlerhaftes Motormapping korrigieren konnte, löste im Formel-1-Faherlager neue Diskussionen aus, ob die FIA beim eingeschränkten Funkverkehr zu weit gegangen ist, und ob man das Reglement aus Sicherheitsgründen doch etwas lockern sollte.

Lewis Hamilton

Zwölf Runden lang versuchte Lewis Hamilton die richtige Einstellung zu finden Zoom

Mercedes steht mit der Kritik nicht alleine da. Auch andere Fahrer und Teams halten diese Funkbeschränkung für falsch. So findet Sebastian Vettel deutliche Worte: "Meiner Meinung nach ist es ein Witz, weil es kaum einen Unterschied macht. Aber es gibt viele Sachen, die man gerne fragen würde, aber nicht darf. Genauso gibt es vieles, was das Team uns gerne mitteilen würde." Sicherheitsrelevante Themen wie überhitzende Bremsen dürfen sehr wohl kommuniziert werden.

Aber jegliche Funksprüche, die sich auf die Performance des Autos auswirken könnten, sind untersagt. Da die Formel-1-Autos und vor allem die Hybrid-Antriebe extrem komplex geworden sind, wäre für die Fahrer Unterstützung von der Box hilfreich. Es geht um den schmalen Grat zwischen "ferngelenktem" Fahrer und echtem Racing. "Ich glaube, wir wollen sehen, dass die Fahrer gegeneinander kämpfen", hält Mercedes-Teamchef Toto Wolff den wesentlichen Aspekt fest.

Sicht der Fahrer: Raumschiff ohne Informationen darüber

Trotzdem meint auch der Österreicher, dass sich etwas ändern sollte: "Heutzutage sind die Autos sehr kompliziert und ich denke, wir müssen uns die Regeln ansehen. Ich will mich nicht beklagen, weil es für alle gleich ist. Bei Ferrari gab es ein ähnliches Problem." Doch Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene sieht die Situation gelassener: "Die Einschränkungen gelten für alle. Deswegen beklage ich mich nicht. Wir hatten aber eine verrückte Situation, weil Kimi etwas gefragt hat und wir keine Antwort geben durften."

Fernando Alonso

Routinier Fernando Alonso bringt das Dilemma der Fahrer auf den Punkt Zoom

Aus Fahrersicht bringt Fernando Alonso das Dilemma auf den Punkt: "Diese Regel hat von Anfang an keinen Sinn gemacht! Die geben uns mit der ganzen Technik, die wir haben, ein Raumschiff zum Fahren, und dann bekommst du keine Informationen. Manchmal ist es schwer zu verstehen, was gerade mit dem Auto passiert und was die Lösung dafür wäre." So bleiben bei einem Problem manchmal ratlose Fahrer im Cockpit übrig, die sich auf Knöpfe drücken und Schalter verdrehen kümmern, anstatt auf das Rennfahren.

Red-Bull-Pilot Daniel Ricciardo sieht einerseits den eingeschränkten Funkverkehr nicht problematisch: "Ich für meinen Teil kann nur sagen, dass ich all die Informationen bekomme, die ich brauche. Ich interessiere mich mehr oder weniger für die Rundenzeiten der anderen und welche Reifen sie fahren, um meine Pace vergleichen zu können. Wenn es darum geht, verschiedene Mappings etwa für die Bremsen zu verwenden, bin ich glücklich damit, das für mich selbst herauszufinden."

Entscheidung liegt bei FIA

Allerdings hält der Australier auch fest, dass er in bestimmten Situation doch gerne mehr Informationen von der Box bekommen würde: "Wenn es mehr ist als ein mechanischer Sachverhalt, wenn es um den Motor geht, sollten wir Instruktionen entgegennehmen dürfen. Ich weiß noch nicht einmal wie der Motor aussieht, da brauche ich schon Hilfe." Deswegen glaubt auch Vettel, dass Funksprüche, wie sie Hamilton benötigt hätte, keinen Unterschied machen würden: "Ich denke nicht, dass man schneller wird, wenn das Team einem sagt was los ist. Meiner Meinung nach ändert sich aber nichts, bis auf die Tatsache, dass weniger Funkverkehr zum Übertragen da ist."

Für die Zukunft gibt es nur zwei Möglichkeiten. Entweder macht man die Technik einfacher, oder man lockert das Funkreglement. Ex-Formel-1-Pilot Paul di Resta glaubt, dass die Teammanager bei ihrem nächsten Treffen das Thema ansprechen werden. Letztendlich müsste die FIA eine Entscheidung bezüglich einer Lockerung der Funkeinschränkungen treffen. "Wir stehen ständig im Dialog, was wir den Fahrern mitteilen dürfen", sagt Williams-Chefingenieur Rob Smedley. "Es wäre schön, wenn es etwas mehr Freiheiten geben würde."

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