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Alonso: Wie seine Schreckensunfälle sein Leben änderten

McLaren-Pilot Fernando Alonso ist längst nicht mehr der verbissene Rennfahrer, der er einmal wahr - Haben seine schweren Unfälle ihn weichgespült?

(Motorsport-Total.com) - Das letzte Mal, dass Fernando Alonso bis zum Ende der Saison in einen Titelkampf verwickelt war, ist bereits über drei Jahre her. Seit seinem Wechsel zu McLaren hat er ganz andere Probleme - aber vielleicht auch mehr Zeit. Der Hobby-Philosoph wirkt jedenfalls ausgeglichener und noch mehr im Einklang mit seinen Lebensweisheiten. Hat er endlich sein optimales Arbeitsverhältnis gefunden? Haben zwei schwere Unfälle innerhalb von 13 Monaten sein Gemüt erweicht? Oder bereitet sich hier ein 260-facher Grand-Prix-Teilnehmer auf seinen Ruhestand vor?

Fernando Alonso

Ein anderer Mensch: Fernando Alonso ist nicht mehr der heißblütige Racer von einst Zoom

Wenn Fernando Alonso einen Unfall baut, dann geschieht das meist spektakulär und selten ohne Folgen. Das war schon 2003 so, als es ihn Brasilien ordentlich aushebelte. Damals kam er mit leichten Verletzungen davon. Mit fortgeschrittenem Alter scheint er Zwischenfälle dieser Art körperlich nicht mehr so gut wegzustecken. Dafür verarbeitet der 34-Jährige seine Schicksalsschläge nun mental besser.

22.02.2015: Bei den Testfahrten vor der Saison kommt es zu einem mysteriösen Unfall des neuen McLaren-Piloten Alonso. Ausgangs der Kurve 3 fliegt er aus bis heute ungeklärten Ursachen von der Strecke und schrammt seitlich an der Mauer entlang. Er muss geborgen werden und kommt für Untersuchungen ins Krankenhaus. Wegen einer Gehirnerschütterung verpasst er das Auftaktrennen in Melbourne.


Fotostrecke: Unfall von Fernando Alonso in Barcelona

20.03.2016: Ein Jahr später nimmt Alonso zwar am Australien-Grand-Prix teil, gerät aber in eine schwere Kollision mit dem Haas von Esteban Gutierrez. Sein Bolide überschlägt sich und landet verkehrtherum im Kiesbett. Der Spanier steigt aus, erleidet aber Rippenbrüche und einen Pneumothorax. Das hindert ihn daran, im Folgerennen in Bahrain an den Start zu gehen.


Fotostrecke: Horrorcrash in Melbourne: Alonso & Gutierrez

"Im Auto fühlt es sich viel weniger spektakulär an und viel langsamer", beschreibt er seine Erfahrungen in Melbourne. "Es ist wie ein normaler Unfall: Man berührt ein anderes Auto, dann knallt man gegen die Mauer und - okay, dann überschlägt man sich. Dann steigt man aber aus und merkt, dass es von außen viel beängstigender aussieht."

Blöder Zufall oder nachlassende Kräfte?
In Bahrain saß Alonso zwar nicht hinterm Steuer, gab dafür aber neben der Strecke Gas. Zum einen versuchte er die Rennleitung bis zuletzt davon zu überzeugen, dass er fahren kann. Zum anderen musste er sich gegen schwere Vorwürfe wehren. Ex-Pilot und TV-Experte Johnny Herbert dichtete ihm fehlende Leidenschaft an. Alonso antwortete, in dem er die 'Sky Sports F1'-Live-Übertragung crashte und Herbert vor den Kopf stieß.

Mit seiner neuen Gelassenheit beurteilt der Weltmeister von 2005 und 2006 seine Unfälle ganz anders. "Fürs Rennfahren hat sich für mich nichts geändert, aber vielleicht für das Leben neben der Strecke", sagt er. "Man weiß, welches Risiko besteht und wenn man im Auto sitzt denkt man nicht daran. Wenn man aber aussteigt wird einem bewusst, dass es Prioritäten im Leben gibt. Nach meinem Test-Unfall in Barcelona ging Einiges in mir vor. Man weiß das Leben mehr zu schätzen und will es fröhlicher nutzen."

Viel zu lachen hat Alonso bei McLaren aber bisher nicht. So verbissen, wie er bei Ferrari fünf Jahre lang vergeblich einem dritten Titel nachjagte, so ernüchternd steigt er Rennen für Rennen aus einem McLaren, der noch lange nicht für die gewünschten Spitzenpositionen ausreicht.

Deswegen entstehen regelmäßig Spekulationen, wie lange sich ein Weltmeister einen solchen Spaß noch antut. Sein Vertrag läuft noch für die kommende Saison. Aber die Lehren, die er aus seinen Unfällen zieht, klingen nicht nach einer Verlängerung der Karriere um jeden Preis: "Je erfahrener man ist, desto mehr hilft einem so etwas, ein besserer Mensch zu werden. Man steigt aus dem Auto und kümmert sich um die wirklich wichtigen Dinge im Leben."

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