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Beschwerdekönig Räikkönen: Strafe, Sprit und Plastiktüten

Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen verpasst das Podium beim Grand Prix von Europa und fällt in Baku vor allem durch seine Schimpftiraden auf

(Motorsport-Total.com) - Ferrari kann nach dem Grand Prix von Europe wieder nur zu Hälfte zufrieden sein. Zwar schaffte es Sebastian Vettel mit solider Leistung auf Rang zwei hinter Nico Rosberg, doch Teamkollege Kimi Räikkönen konnte das Doppelpodium für die Scuderia in Baku nicht eintüten. Dem Finnen ging am Ende der Sprit aus. Er hätte seinen Platz aber ohnehin an Sergio Perez abgeben müssen, weil er für das Überfahren der Boxengassen-Linie eine Fünf-Sekunden-Strafe (und zwei Strafpunkte) bekam. Mit Rang vier trägt er immerhin noch zu den 30 WM-Punkten für das Team bei. Dennoch war er heute in Mecker-Laune.

Kimi Räikkönen

Kimi Räikkönen hatte im Rennen in Baku viel zu beanstanden Zoom

"Ich verstehe ja die Regel mit dem Überfahren der Linie, aber ich finde es auch Blödsinn", schimpft Räikkönen nach den durchwachsenen 51 Runden. "Man gewinnt dabei gar nichts." In Runde 45 wollte er sich gegen Daniel Ricciardo im Red Bull verteidigen, der seinen Windschatten auf der Start-Ziel-Geraden auszunutzen drohte. Ricciardo zog auch nach links, allerdings nur um in die Boxengasse abzubiegen. Und Räikkönen übertrieb es mit der Verteidigung seiner Linie.

"Ich habe leider die Strafe bekommen", erklärt er, wie sein Rennen danach den Bach runter ging. "Deswegen war das Ziel die fünf Sekunden Abstand zu halten. Ich habe aber erst hinter einem Sauber und dann hinter einem Haas festgesteckt. Da habe ich viel Zeit verloren." Das gab dem "Iceman" noch mehr Grund zur Beschwerde - während und nach dem Rennen in Richtung Rennleitung: "Der Kerl, der die Strafen verteilt sollte wenigstens auch die blauen Flaggen geben. Das war der Beginn der Probleme."

Weitere folgten in der Endphase des Rennens, als sich Räikkönen nicht mehr gegen Perez verteidigen konnte. Was zunächst wie Motoren-Schwierigkeiten wirkte, führt der Weltmeister von 2007 aber aufs Spritsparen zurück. Das hätte er gerne schon während des Rennens geklärt, was zu einem interessanten Funk-Austausch mit seinem Ingenieur führte.

In der TV-Übertragung war zu hören, wie Räikkönen sich über das "gleiche Problem wie beim letzten Rennen" beschwerte. Das konnte ihm die Box jedoch wegen der seit diesem Jahr in Kraft getretenen Funkverbotsregeln nicht bestätigen. "Du wirst doch wohl 'ja' oder 'nein' sagen dürfen", polterte Räikkönen daraufhin. Eine Antwort bekam er dennoch nicht.

Eine dritte Räikkönen-Funk-Raserei fand bereits im Anfangsdrittel des Rennens statt, als sich vor ihm eine Plastiktüte im Auto seines Teamkollegen verfing und dann in seine Richtung wieder löste. Der herumfliegende Müll beeinträchtigte aber zum Glück weder sein noch Vettels Rennen. Die Übertragung von Räikkönens Beschwerde musste jedoch weggepiepst werden.


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Einmal in Fahrt, meckerte Räikkönen auch in Richtung Team. In Runde 29 muss er aufgrund unterschiedlicher Strategien laut Teamorder Vettel vorbei lassen. "Jetzt sagt ihm aber auch, dass er pushen soll", hört man danach über Funk. Hinterher erklärt er: "Ich habe nichts gegen die Entscheidung, denn ich hatte ja die Strafe, da hätte das Endresultat ohnehin so ausgesehen. Aber ich denke, man hätten es wenig besser lösen können. Ich weiß nicht genau wie, aber ich habe zweieinhalb Sekunden in dieser Runde verloren. Ich bin gegen Force India gefahren um sie fünf Sekunden auf Abstand zu halten."

Der Finne verpasste im achten Rennen der Saison, was sein viertes Podium 2016 hätte werden können. "Der Speed war da. Es war aber insgesamt ein schwieriges Wochenende und hat nicht viel Spaß gemacht." Den Spaß sollte er aber schnellstens wiederfinden. Denn der in Baku anwesende Ferrari-Präsident betonte vor dem Rennen noch einmal, dass die Vertragsverlängerung mit dem 36-Jährigen von dessen Performance abhänge. Das merkt auch Ex-Pilot Timo Glock an, der in Baku wieder als RTL-Experte unterwegs war: "Sebastian hat das Maximum rausgeholt und hat es dem Team wieder gezeigt, auch gegenüber Kimi, der sich wieder einen Fehler erlaubt hat, den er sich nicht erlauben darf - erst recht nicht, wenn der große Chef hier ist."

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