Al-Attiyah wirft Etappensieg weg - Terranova staubt ab

Orlando Terranova kommt auf Dakar-Etappe elf zu einem unverhofften Tagessieg - Al-Attiyah und Peterhansel schieben Frust - Roma baut Gesamtführung aus

(Motorsport-Total.com) - Über weite Strecken der elften Dakar-Etappe sah es so aus als würde Nasser Al-Attiyah (Mini) seinen zweiten Tagessieg in Folge einfahren. Auf der insgesamt 749 Kilometer (605 Wertungskilometer) langen Schleife, die zwischen Antofagasta und El Salvador wieder über zahlreiche Dünen führte, ließ Al-Attiyah der Konkurrenz zunächst keine Chance und diktierte das Tempo bis zum vorletzten Checkpoint.

Titel-Bild zur News: Orlando Terranova

Orlando Terranova staubte auf Etappe elf seinen ersten Tagessieg ab Zoom

Beim letzten Checkpoint vor dem Etappenziel in El Salvador allerdings tauchte Al-Attiyah statt mit knapp zehn Minuten Vorsprung plötzlich mit 20 Minuten Rückstand auf. Was war passiert? "Wir haben einen Felsen getroffen. Dabei wurde die Radaufhängung beschädigt. Die Reparatur hat uns 20 Minuten gekostet. Die letzten 70 Kilometer mussten wir dann sehr langsam fahren", berichtet Al-Attiyah enttäuscht von seinem Malheur.

So kam X-raid-Teamkollege Orlando Terranova überraschend zu seinem ersten Etappensieg bei der diesjährigen Dakar. Der Argentinier hatte sich etwa bei der Hälfte der Etappe auf Platz zwei festgesetzt und war zur Stelle als Al-Attiyah aufgrund seines Fauxpas und anschließender Schleichfahrt reichlich Zeit verlor.

Peterhansel schiebt Frust

Stephane Peterhansel

Peterhansels Hoffnungen auf Dakar-Sieg Nummer zwölf erhielten einen Dämpfer Zoom

"Ein tolles Ergebnis für mich heute", freut sich Terranova. "Das war wieder eine sehr anspruchsvolle Wertungsprüfung. Wir mussten sehr vorsichtig zu Werke gehen, da die Route wieder durch die Atacama-Wüste führte, in deren Sand man sehr schnell steckenbleiben kann. Ich hatte heute aber keine Probleme."

Unterm Strich brachte Terranova einen Vorsprung von knapp elf Minuten auf Joan "Nani" Roma ins Ziel. Dritter wurde Giniel de Villiers (Toyota; +12:38 Minuten) vor Stephane Peterhansel in einem weiteren Mini All4-Racing von x-Raid. Weil Peterhansel als Vierter vier Minuten auf den Zweitplatzierten Roma einbüßte, wuchs Romas Führung im Gesamtklassement vor der vorletzten Etappe auf fünfeinhalb Minuten an.

So hatte sich "Mister Dakar" die drittletzte Etappe nicht vorgestellt. "Das war's", hat der Franzose seine Hoffnungen auf einen möglichen zwölften Dakar-Sieg aufgegeben. "Wir hatten heute viel Spaß im Auto", merkt er lakonisch an und macht seinem Unmut Luft: "Gestern bat uns das Team, keine weiteren Risiken mehr einzugehen. Also ließ ich es ruhig angehen."

Peterhansel macht keinen Hehl daraus, dass von der Stallorder nicht viel hält: "Es ist frustrierend, denn wir haben den Großteil der Drecksarbeit erledigt. Mini möchte drei Autos auf dem Podium haben. Bei dem Tempo, das an den Tag gelegt wird, ist es aber sehr einfach, ein oder sogar zwei Autos durch Unfall zu verlieren. Wir wissen, dass so etwas passieren kann."

Roma glaubt (noch) nicht an Stallorder

Joan Roma

Joan "Nani" Roma geht mit fünfeinhalb Minuten Vorsprung in die vorletzte Etappe Zoom

Roma hingegen ist zweiten Dakar-Sieg nach 2004 und dem ersten in der Auto-Wertung einen großen Schritt näher gekommen. An einen Nichtangriffspakt im Mini-Lager von X-raid will der Spanier allerdings (noch) nicht so recht glauben. "Wenn jemand glaubt, es gäbe eine Stallorder, dann muss man sich nur die Zeiten ansehen. Ich habe heute alles gegeben, habe attackiert. Es war ein wichtiger Schritt. Die Etappe war lang und es ist uns gelungen, den Vorsprung auf Peterhansel zu vergrößern. So weit, so gut. Ich weiß nicht, vielleicht morgen, aber im Moment gibt es keine Stallorder."

Hinter Roma, Peterhansel und dem Gesamtdritten Al-Attiyah schob sich Terranova dank seines Tagessieges an de Villiers vorbei auf Rang vier. Dabei kann de Villiers von Glück reden, das Etappenziel auf Platz drei erreicht zu haben. "Wir hatten einen Plattfuß, verloren dadurch Zeit, kamen wieder näher ran, doch dann ging wieder ein Reifen kaputt", berichtet der Südafrikaner.

Doch damit nicht genug: In den Dünen von Copiapo driftete der Toyota Hilux von de Villiers eine Böschung hinunter und überschlug sich beinahe. Die Folge war ein weiterer Reifenschaden, aber auch die Erkenntnis, noch einmal Glück gehabt zu haben. "Der dritte Reifenschaden am Ende hat uns wirklich den Rest gegeben. Ich bin aber dennoch froh, dass bei dem Drift nicht mehr als ein Reifenschaden passiert ist. Das war echt nicht ohne", so de Villiers.

Ergebnis der 11. Etappe (Top 10):

01. Terranova/Fiuza (Mini) - 5:58:00 Stunden
02. Roma/Perin (Mini) +10:57 Minuten
03. De Villiers/von Zitzewitz (Toyota) +12:38
04. Peterhansel/Cottret (Mini) +14:14
05. Al-Attiyah/Cruz (Mini) +20:57
06. Chabot/Pillot (SMG-Buggy) +30:18
07. Villagra/Perez-Companc (Mini) +33:55
08. Alvarez/Graue (Ford) +35:38
09. Holowczyc/Zhiltsow (Mini) +38:17
10. Wasiljew/Jewtschenkow (Mini) +39:06

Gesamtwertung nach 11 von 13 Etappen (Top 10):

01. Roma/Perin (Mini) - 45:01:54 Stunden
02. Peterhansel/Cottret (Mini) +5:32 Minuten
03. Al-Attiyah/Cruz (Mini) +56:01
04. Terranova/Fiuza (Mini) +1:03:39 Stunden
05. De Villiers/von Zitzewitz (Toyota) +1:15:57
06. Holowczyc/Zhiltsow (Mini) +3:44:51
07. Dabrowski/Czachor (Toyota) +4:51:34
08. Lavieille/Garcin (Haval) +5:09:22
09. Kaczmarski/Palmeiro (Mini) +6:17:46
10. Wasiljew/Jewtschenkow (Mini) +6:34:57

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