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Hockenheim 1997: Wie Symonds das Berger-Wunder erahnte

Wieso Benetton-Technikchef Pat Symonds 1997 schon vor dem Hockenheim-Wochenende Gerhard Bergers Sieg erahnte und im Team das reine Chaos herrschte

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Berger jubelt nach der Zieldurchfahrt. Technikchef Pat Symonds ahnte es schon Tage davor. Doch was passierte damals wirklich? Jetzt durch die Bilder klicken und das Wunder von Hockenheim 1997 noch einmal erleben.
Berger jubelt nach der Zieldurchfahrt. Technikchef Pat Symonds ahnte es schon Tage davor. Doch was passierte damals wirklich? Jetzt durch die Bilder klicken und das Wunder von Hockenheim 1997 noch einmal erleben.

(Motorsport-Total.com) - Es war eines der ganz großen Wunder der Formel-1-Geschichte, als Gerhard Berger vor 20 Jahren nach drei Rennen Zwangspause und rund zwei Wochen nach dem Tod seines Vaters auf dem Hockenheimring die Pole-Position, den Sieg und die Schnellste Runde einfuhr (die Hintergründe verrät Gerhard Berger im 'Motorsport-Total.com'-Interview über die Sternstunde). Und das im Benetton-Boliden, der 1997 bei weitem nicht mehr das beste Auto im Feld war. Doch ein Mann hatte die Sensation kommen sehen: der damalige Benetton-Technikchef Pat Symonds.

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Und zwar schon vor dem ersten Training. "Als ich Gerhard damals in Hockenheim bei seiner Rückkehr ins Fahrerlager beobachtete und mit ihm sprach, da wusste ich, dass wir an diesem Wochenende das Rennen gewinnen können", offenbart der Brite im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'. "Ich habe also schon am Donnerstag an den Sieg geglaubt. Nach unserem Gespräch wusste ich, dass es möglich ist. Das war wahrscheinlich etwas überoptimistisch, aber mir war klar, dass mit ihm alles in Ordnung ist."

Und das, obwohl der damals 37-jährige Routinier komplett mit dem Rücken zur Wand stand. Nur wenige hatten angesichts der Schicksalsschläge überhaupt mit einem Comeback in Hockenheim gerechnet, außerdem war Ersatzmann Alex Wurz nach Platz drei in Silverstone der Mann der Stunde. Rücktrittsgerüchte machten bereits die Runde.

Technikchef Symonds: Berger musste es allen beweisen

"Das war eine sehr harte Zeit für Gerhard", erinnert sich Symonds. "Es gab damals Krach zwischen ihm und Teamchef Flavio Briatore, und überhaupt wurde gestritten. Außerdem war Gerhard nicht ganz fit. Dann war da natürlich der Tod seines Vaters, und Wurz' dritter Platz hatte ihn zusätzlich unter Druck gesetzt", beschreibt der Brite die damalige Situation seines Piloten. "In Hockenheim musste er es also allen beweisen. Und ich muss eines sagen: Mental war Gerhard an diesem Wochenende so stark. Er war in der Lage, alles zu erreichen, was er nur will."

Das führt Symonds auch auf Bergers geerdete Persönlichkeit zurück: "Er fuhr LKWs für die Spedition seines Vaters, ist ein bodenständiger, normaler Typ. Das gilt nicht für viele Fahrer. Nicht viele haben die gleiche Lebensschule durchgemacht wie er. Auch das gab ihm diese mentale Stärrke."

Berger sei aber auch ein Fahrer gewesen, der manchmal "das gewisse Etwas brauchte", meint Symonds. "Es gab diese ein, zwei Rennen pro Jahr, in denen er über sich hinauswuchs. Aber damit meine ich nicht, dass er bei den anderen Rennen nicht auch gut war." Als Beispiel nennt er den letzten Grand Prix des Österreichers 1997 in Jerez: "Es schien, als wäre ihm bei Halbzeit eingefallen, dass es sich um sein letztes Rennen handelt - und er fuhr in der zweiten Hälfte plötzlich unglaublich gut." Am Ende fehlten Berger bei seiner finalen Zielflagge als Vierter nur 1,9 Sekunden auf den Sieg.

Bergers Hockenheim-Geheimnis

"Gerhard war darin ein Meister, die Bremspunkte haargenau zu treffen."
Pat Symonds

Auf reine Willenskraft führt Symonds Bergers Sternstunde in Hockenheim aber nicht zurück: Der Ingenieur ist der Ansicht, dass die bis 2002 befahrene Hochgeschwindigkeitsstrecke, die vom Gegensatz der langen Geraden im Wald und des winkeligen Motodroms geprägt wurde, Berger auf den Leib geschneidert war.

"Es ist auffällig, dass seine Bilanz dort schon vor dem Sieg 1997 sehr gut war", sagt Symonds und spielt damit unter anderem auf Bergers Ferrari-Erfolg im Jahr 1994 und den von einem Motorschaden vereitelten Triumph im Jahr 1996 an. "Hockenheim war als Strecke so untypisch wie Monaco. Sie verlangte eine unglaubliche Präzision, am Ende der langen Geraden die Bremspunkte ganz genau zu treffen. Und die Schikanen verlangten eine sehr seltsame Fahrweise, denn das waren keine klassischen Kurven. Man musste richtig über die Randsteine rumpeln."

All das schien Berger besser zu liegen als seinen Rivalen. "Er war darin ein Meister, die Bremspunkte haargenau zu treffen", adelt Symonds den zehnmaligen Grand-Prix-Sieger. "Er war so gut in diesen Schikanen. Wenn man dann noch die mentale Stärke ergänzt, die er an diesem Wochenende hatte, dann war es schlicht unmöglich, ihn zu besiegen."

Alesi erinnert sich: Berger war unschlagbar

Das musste damals auch Teamkollege Jean Alesi anerkennen. Der Franzose, der fünf Jahre an der Seite des Österreichers fuhr, fand in Hockenheim 1997 gegen Berger kein Rezept. "Gerhard ist dort wirklich geflogen", erinnert sich der einmalige Grand-Prix-Sieger im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'. "Mit wenig Abtrieb fuhr er auf eine Art und Weise, die ihn sehr konkurrenzfähig machte. Er war unglaublich schnell."

Auch Alesi, der in Hockenheim bereits in der gemeinsamen Ferrari-Zeit meist das Nachsehen hatte, war Bergers Stärke beim Anbremsen der Schikanen bewusst. "Aber dieses Wochenende war durch den Tod seines Vaters bei einem Flugzeugabsturz noch einmal eine andere Geschichte. Wir alle waren davor beim Begräbnis, auch einige Teammitglieder, Jean Todt und viele Kollegen aus dem Motorsport", erzählt Alesi. "Das lag auch daran, dass Gerhard im Motorsport sehr beliebt war."

Das Comeback-Wochenende empfand der Mann mit sizilianischen Wurzeln dann als "wirklich einzigartig und emotional. Es war einer dieser Tage, an denen ihn wirklich niemand schlagen konnte. Er war sehr konzentriert, und er wollte dieses Rennen unbedingt gewinnen."

Warum stürzte Benetton nach den Schumacher-Erfolgen ab?

Doch galt nicht auch Alesi, der zum Beispiel in Monza stets glänzte, als Spezialist für schnelle Rennstrecken? "Monza und der alte Hockenheimring sind komplett unterschiedliche Strecken", schüttelt Symonds den Kopf. "Abgesehen von der Tatsache, dass ein ähnlicher Flügel verwendet wurde, kann man sie nicht vergleichen. Jean war sehr gut an vielen Orten, aber in Hockenheim sah er gegen Gerhard kein Land."

Abgesehen von der Hockenheim-Sternstunde fiel die Bilanz der zwei gemeinsamen Jahre von Berger und Alesi bei Benetton aber eher ernüchternd aus: 1996 und 1997 holte das Renault-Vorgängerteam in der Konstrukteurs-WM hinter Williams und Ferrari jeweils Rang drei und erreichte die Erfolge der Jahre mit Michael Schumacher nicht annähernd.

Lag es an den Fahrern? "Ich muss jetzt vorsichtig sein, denn das könnte arrogant wirken, aber Gerhard und ich haben die Probleme des Teams mit unserer Erfahrung sogar kaschiert", geht Alesi in die Gegenoffensive. "Nach uns kamen mit Alex Wurz und Giancarlo Fisichella zwei Fahrer ohne Erfahrung, und dann ging es mit Benetton bergab."

Alesi: Benetton liefen die Ingenieure davon

Die Schuld sieht er aber nicht bei seinen Nachfolgern. "Das Hauptproblem war, dass uns die technische Unterstützung abhanden gekommen war: Viele Ingenieure haben uns nach Schumachers Abgang verlassen. Gerhard und ich hatten also ein Siegerauto, fuhren für ein Siegerteam, aber die Ingenieure waren weg", sagt Alesi und kann sich ein ironisches Lachen nicht verkneifen.

"Gerhard und ich hatten ein Siegerauto, fuhren für ein Siegerteam, aber die Ingenieure waren weg."
Jean Alesi

Noch 1996 ging der damalige Technikchef Ross Brawn über Bord und folgte Schumacher zu Ferrari. "Es ging aber nicht nur um Ross, sondern auch um Designer Rory Byrne oder den Software-Spezialisten Tad Czapski", wirft Alesi ein. "Wir standen also mit einer sehr chaotischen Technikertruppe da."

Der Aderlass im Technikbüro brachte das Team laut Alesi um Siege. "Ich lag 1996 in Monaco klar in Führung, und es wäre ein einfacher Sieg geworden, doch dann ging die Hinterradaufhängung kaputt", erzählt er. "Das Aufhängungs-Design war sehr fragil - Gerhard war schon in Argentinien deswegen ausgeschieden. Aber niemand war in der Lage gewesen, sich um das Projekt zu kümmern." Symonds, der 1997 zum Technikchef befördert wurde, sei zwar ein "sehr talentierter Ingenieur" gewesen, "aber er hatte zu viel zu tun", meint Alesi.

Ließ Briatore das Team ausbluten?

Als Briatore wegen der mangelnden Erfolge Ende 1996 auch noch das Gehalt der Fahrer kürzen wollte, um bei der Benetton-Familie nicht in Ungnade zu fallen, platzte Alesi der Kragen. "Ich will Flavio nicht die Schuld geben, aber ihm ging es darum, an der Rennstrecke einen coolen Eindruck zu machen, mit Models aufzukreuzen und eine Show zu liefern. Die Probleme des Teams waren für ihn zweitrangig. Er hat das Geld nicht in das Team investiert, denn als Ross und Rory gingen, hat er nichts getan. Niemand wurde nachbesetzt. Ich verstand also nicht, warum ich auf Geld verzichten sollte."

"Briatore ging es darum, an der Rennstrecke einen coolen Eindruck zu machen, mit Models aufzukreuzen und eine Show zu liefern."
Jean Alesi

In Anbetracht der Aussagen Alesis wiegt Bergers Erfolg in Hockenheim noch schwerer. Denn auch der Österreicher litt nach eigenen Angaben unter der schwierigen internen Situation bei Benetton. "Das war das erste Team, in dem ich mich nicht wohlgefühlt habe", bestätigt er im Interview mit 'Motorsport-Total.com'.

Trotz der damaligen Konflikte hat ihn sein damaliger Technikchef Symonds übrigens in bester Erinnerung: "Bei den meisten Fahrern habe ich versucht, kein allzugroßes Naheverhältnis aufzubauen, aber Gerhard mochte ich einfach. Ich habe ihn bewundert, aber er war auch ein durch und durch netter Kerl. Manchmal haben die Leute nicht erkannt, dass er darüber hinaus auch unglaublich gut war." Warum das so war? "Vielleicht, weil er ein lockerer Typ ist", mutmaßt der inzwischen in Pension gegangene Ingenieur.

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