powered by Motorsport.com

WSBK Phillip Island (Lauf 1): Rea beendet Durststrecke mit Glanzvorstellung

Kawasaki-Pilot Jonathan Rea hat bei der Superbike-WM in Australien das erste Rennen gewonnen - Ducati feiert den Gewinn der Herstellerwertung

(Motorsport-Total.com) - Kawasaki-Pilot Jonathan Rea hat bei der Superbike-WM auf Phillip Island (Australien) das erste Hauptrennen gewonnen. Auf abtrocknender Strecke setzte sich Rea klar gegen seine Gegner durch und gewann erstmals seit Estoril im Mai ein WSBK-Rennen (zum Ergebnis). Komplettiert wurde das Podium im ersten Rennen von Toprak Razgatlioglu (Yamaha) und Alex Lowes (Kawasaki).

Jonathan Rea

Jonathan Rea beendete eine beinahe sechsmonatige Durststrecke Zoom

Der Kurs war beim Start komplett nass. Es wehte ein starker Wind, der das Fahren zusätzlich erschwerte. Die Fahrer nutzten die Besichtigungsrunden, um sich einen Überblick über die Bedingungen zu verschaffen. Im nassen FT3 erhielten die 22 WSBK-Piloten bereits einen Vorgeschmack, wie viel Grip der Kurs im Nassen bietet.

Alvaro Bautista (Ducati) stand auf der Pole. Ebenfalls freie Sicht hatten die beiden Werks-Kawasaki von Jonathan Rea und Alex Lowes. Philipp Öttl (GoEleven-Ducati) ging von Startplatz sieben ins erste Rennen. Beim Sprint zur ersten Kurve setzte sich Bautista durch und führte das Feld durch die ersten Kurven.

Der Reifenpoker von Philipp Öttl geht nicht auf

Der Gewinner des Starts war Toprak Razgatlioglu, der sich aus der zweiten Reihe auf die zweite Position schob. Der klare Verlierer des Starts war Philipp Öttl, der auf die letzte Position zurückfiel.

Öttl riskierte den Intermediate-Hinterreifen. Dieser Poker sollte nicht aufgehen. Nach einer Runde fuhr der Deutsche an die Box. Der Rest des Feldes startete mit Regenreifen. Er setzte das Rennen fort und wurde schlussendlich als 20. gewertet.

Zu Beginn der zweiten Runde kam Jonathan Rea in Kurve 1 von der Strecke ab, verlor dabei aber nicht allzu viel Zeit. Eine Runde später übernahm Rea die zweite Position von Razgatlioglu. Wenige Kurven später setzte sich Rea an die Spitze. In der Miller-Kurve bremste sich Rea an Bautista vorbei. Bautista verlor wenig später zwei weitere Positionen an Razgatlioglu und Lowes und rutschte auf die vierte Position ab.

Razgatlioglu übernahm zu Beginn der sechsten Runde die Führung. Der Türke zog auf der Zielgeraden an Rea vorbei. Das Führungsduo hatte sich bereits leicht von Lowes und Bautista abgesetzt.

Die wechselhaften Streckenbedingungen sorgen für Positionswechsel

Durch den Wind und den Sonnenschein trocknete der Kurs von Runde zu Runde ab. Es bildeten sich trockene Stellen. Durch die wechselnden Bedingungen rückten die Top 4 wieder enger zusammen. Die Positionen wechselten mehrfach. Rea übernahm die Führung vor Lowes und Razgatlioglu. Bautista beobachtete das Geschehen von der vierten Position.

Zu Beginn von Runde acht übernahm Lowes die Führung. Die Fahrer der Spitzengruppe fuhren weiterhin mit Regenreifen und versuchten immer wieder, die Reifen abseits der Ideallinie abzukühlen. Die trockene Linie wurde binnen kürzester Zeit sichtlich breiter. Immer mehr Fahrer kamen an die Box, um die Räder zu wechseln.


Fotos: Superbike-WM 2022: Phillip Island (Australien)


Rea und Razgatlioglu steuerten zeitgleich die Boxengasse an, Lowes und Bautista fuhren eine weitere Runde. Bautista kam eine Runde später als Rea und Razgatlioglu an die Box. Lowes blieb eine weitere Runde auf der Strecke. Die schnellsten Rundenzeiten wurden zu diesem Zeitpunkt von den Fahrern mit Slicks gefahren. Noch waren elf Runden zu fahren. Lowes kam eine Runde nach Bautista an die Box.

Führungsrunden ohne Bedeutung: Scott Redding verpokert sich

Scott Redding (BMW) übernahm zwischenzeitlich die Führung vor Kyle Smith (Pedercini-Kawasaki). Doch der Poker, lange mit Regenreifen auf der Strecke zu bleiben, sollte sich nicht auszahlen. Die Rundenzeiten mit Slicks waren zu diesem Zeitpunkt mehr als acht Sekunden schneller. Nach dem Stopp rutschte Redding aus den Top 15.

Jonathan Rea war zehn Runden vor Rennende der bestplatzierte Fahrer, der mit Trockenreifen fuhr. Alex Lowes hatte zwölf Sekunden verloren, weil er zwei Runden länger mit Regenreifen fuhr. Die neue Reihenfolge nach den Boxenstopps: Jonathan Rea vor Toprak Razgatlioglu, Alvaro Bautista, Andrea Locatelli, Alex Lowes, Axel Bassani, Garrett Gerloff, Xavi Vierge, Loris Baz und Xavi Fores.

Jonathan Rea kontrolliert das Rennen nach dem Boxenstopp

Rea hatte durch seine clevere Strategie, die perfekte Boxenstopp-Zeit und das blitzschnelle Umschalten auf Trockenreifen einen komfortablen Vorsprung von etwa sechs Sekunden herausgefahren. Toprak Razgatlioglu fuhr auf der zweiten Position.

Um Platz drei gab es einen Dreikampf zwischen Alvaro Bautista, Andrea Locatelli und Alex Lowes. Lowes war der schnellste Fahrer in dieser Gruppe und schob sich auf die dritte Position. Der Brite konnte sich von Locatelli und Bautista absetzen.

Im finalen Renndrittel änderten sich die Positionen nicht. Rea gewann das Rennen mit 6,2 Sekunden Vorsprung auf Razgatlioglu und beendete damit eine sechsmonatige Durststrecke. Lowes komplettierte das Podium und hatte 15,4 Sekunden Rückstand.

Jonathan Rea bedankt sich bei Kawasaki

Jonathan Rea gewann erstmals nach 24 sieglosen Rennen. "Es war ein richtig schönes Rennen, denn es hatte von allem etwas. Ich musste ruhig bleiben und den Boxenstopp zum richtigen Zeitpunkt absolvieren", kommentiert der Rekord-Champion.

Jonathan Rea

Die fehlerfreie Arbeit der Kawasaki-Crew ermöglichte Jonathan Rea den Sieg Zoom

"Ich sah, wie der Kurs abtrocknete. Alex war zu Beginn sehr schnell. Meine Taktik zahlte sich aus", freut sich Rea und bedankt sich bei seiner Crew: "Meine Jungs zeigten einen sehr guten Boxenstopp. Sie stellten mir zudem ein richtig gutes Motorrad zur Verfügung. Die Abstimmung war ein Kompromiss aus trocken und nass und ich stellte mich beim Fahren darauf ein."

Yamaha verliert beim Boxenstopp Zeit auf Kawasaki

Toprak Razgatlioglu kam auf Platz zwei ins Ziel. Der Rückstand bei der Zieldurchfahrt entsprach der verlorenen Zeit beim Boxenstopp. Yamaha arbeitete nicht so gut wie Kawasaki. Das kostete Razgatlioglu den Sieg.

Toprak Razgatlioglu

Toprak Razgatlioglu war schnell genug, um das Rennen zu gewinnen Zoom

"Ich mag diesen Kurs, doch das Wetter ist in diesem Jahr seltsam. Ich gab im Rennen mein Bestes. Wir verloren beim Motorradwechsel etwas Zeit. Doch wir stehen erneut auf dem Podium und hoffen, dass morgen noch mehr möglich ist. Ich danke meinem Team. An diesem Wochenende versuchen wir fieberhaft, die Abstimmung zu verbessern. Jetzt fühle ich mich bereits deutlich wohler und versuche, am Sonntag um den Sieg zu kämpfen", so der Türke.

Alex Lowes lässt "riesige Chance verstreichen"

Alex Lowes war am Samstag ebenfalls ein Sieganwärter. Doch der Brite lag zum falschen Zeitpunkt in Führung und verpasste dadurch den idealen Zeitpunkt zum Reifenwechsel. "Es war das erste Flag-to-Flag-Rennen seit einer ganzen Weile. Ich war schnell genug, um gewinnen zu können - egal ob im Trockenen oder im Nassen", so Lowes.

Alex Lowes

Alex Lowes blieb zwei Runden zu lange auf der Strecke Zoom

"Wir haben eine riesige Chance verstreichen lassen", ist sich der Kawasaki-Pilot bewusst. "Ich erhielt über die Boxentafel keine Information. Das hätte man sicher anders lösen können. Doch ich bin nicht enttäuscht. Ich freue mich, hier wieder auf dem Podium zu stehen."

Ducati holt vorzeitig den Titel bei den Herstellern

Yamaha-Pilot Andrea Locatelli beendete das Rennen auf der vierten Position. Weltmeister Alvaro Bautista musste sich mit Platz fünf zufriedengeben. Die Punkte für Platz fünf reichten Ducati, um vorzeitig den Titel in der Herstellerwertung sicherzustellen (zum Gesamtstand).

Alvaro Bautista

Alvaro Bautista wurde Fünfter und bescherte Ducati damit den Herstellertitel Zoom

Garrett Gerloff (GRT-Yamaha) war als Sechster bester Privatfahrer. Axel Bassani, Xavi Vierge, Loris Baz und Tetsuta Nagashima komplettierten die Top 10. Loris Baz war als Neunter bester BMW-Pilot.

BMW-Werkspilot Scott Redding ging nach der missglückten Strategie als 16. leer aus. BMW-Teamkollege Michael van der Mark schied zwei Runden vor Rennende durch einen Sturz in Kurve 4 aus.

Am Sonntag folgen das Superpole-Rennen um 3:00 Uhr (MEZ) und das finale Rennen um 6:00 Uhr (MEZ) (zur TV-Übersicht).