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Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Valentino Rossi

MotoGP-Ikone Valentino Rossi kann seinen größten Vorteil beim Kampf um die WM nicht ausspielen und kassiert in Le Mans zum dritten Mal in Folge null Punkte

Valentino Rossi

Valentino Rossi verlor in der WM endgültig den Anschluss Zoom

Liebe Motorradfreunde,

Sie ahnen es. Die Wahl für die heutige Kolumne fiel mir nach dem MotoGP-Rennen in Le Mans vergleichsweise leicht. Der routinierteste Fahrer im Feld hat den dritten selbstverschuldeten Sturz in Folge fabriziert.

Dass Valentino Rossi in der Nacht vom Sonntag zum Montag im übertragenem Sinne schlecht geschlafen haben muss, ist für mich nur logisch.

Ausgerechnet auf den Paradestrecken in Misano, Barcelona und Le Mans konnte Rossi zuletzt keine Punkte einfahren. Seine bisher letzte Zielankunft feierte der Italiener beim ersten Misano-Rennen, als er vor den heimischen Fans nur knapp am Podium scheiterte. Danach lief zumindest in den Rennen nicht mehr viel zusammen.

Schnell genug ist er, aber ...

Schnell genug ist Rossi nach wie vor. Das fortgeschrittene Alter ist in meinen Augen nicht das Problem. Ich kann mir vorstellen, dass er die vergangenen drei Rennen ohne die Stürze auf dem Podium beendet hätte. Da bin ich mir sogar ziemlich sicher. Und wenn er nur jedes Mal 16 Punkte für Platz drei geholt hätte, was durchaus möglich war, dann wäre er jetzt ein ganz heißer WM-Anwärter.


Fotostrecke: Le Mans: Valentino Rossi stürzt kurz nach dem Start

Vielleicht wollte Rossi zu viel, weil er wusste, dass Misano, Barcelona und Le Mans seine besten Strecken für den Rest der Saison sind? War sich Rossi der Chance bewusst, die ihm das Schicksal in diesem Jahr geboten hat?

Der Fahrer mit der größten Erfahrung macht die Fehler eines Rookies

Was mich erstaunt: Rossi machte zuletzt Fehler, wie ich sie von den Rookies erwarte, während die Neulinge um Siege und Podestplätze kämpften und dabei sehr abgeklärt wirkten. Rossi konnte seinen größten Joker, damit meine ich seine extreme Erfahrung, zu keinem Zeitpunkt ausspielen. Bei diesem Punkt werden mir auch Rossis treueste Anhänger nicht widersprechen.

Genau diese Erfahrung hätte ihm in diesem Jahr dabei helfen können, den lang ersehnten zehnten WM-Titel zu holen. Aktuell ist Rossi als WM-13. kein Kandidat mehr für den Titel. Dabei waren die Voraussetzungen in diesem Jahr so gut wie lange nicht mehr.

Weltmeister Marc Marquez verletzt, Andrea Dovizioso nicht konstant schnell, Maverick Vinales mit wiederkehrenden Problemen in den Rennen und auch Fabio Quartararo zeigte schwankende Leistungen: Alle Spitzenfahrer machten bisher Fehler oder hatten klar erkennbare Schwachstellen.

Valentino Rossi nutzt die größte Chance seit 2015 nicht

Genau hier hätte Rossi zur Stelle sein müssen. Ich behaupte, dass 2020 die wohl größte Chance seit 2015 war, den zehnten WM-Titel einzufahren. Nie waren konstant gute Ergebnisse wichtiger als in diesem Jahr. Wie absurd die WM ist, wurde gestern wieder sehr deutlich. Wenn der WM-Führende seinen Vorsprung ausbaut, obwohl er nur Neunter wird, dann läuft irgendetwas schief.

Valentino Rossi

Valentino Rossis Rennen in Le Mans war nach weniger als einem Kilometer vorbei Zoom

Ich kann mich nicht erinnern, dass es jemals eine so chaotische und unberechenbare MotoGP-Saison gab wie die laufende. Es gilt, sich schnelle auf die Gegebenheiten einzustellen und seinen Nutzen daraus zu ziehen. Rossi nutzte diese Chance bisher nicht. Im Gegenteil: Er ließ sich immer wieder von den deutlich jüngeren Fahrern vorführen.

Blick in den Kalender sorgt für wenig Hoffnung

Zur WM-Führung fehlen Rossi im Moment 57 Punkte. Das ist keine Welt. Doch mit einem Blick auf die bevorstehenden Events wirkte der "Doctor" am Sonntagabend nicht besonders optimistisch. Es folgen jeweils zwei Rennen in Aragon und Valencia, bevor die MotoGP in Portimao das Saisonfinale feiert.

Aragon und Valencia zählen nicht zu Rossis Paradestrecken. Aber was heißt das in diesem Jahr schon? Vielleicht kommt alles ja ganz anders. Es wäre nicht das erste Mal in diesem Jahr, dass Erwartung und Realität weit auseinanderliegen. Vielleicht wechseln sich die Vorzeichen dieses Mal zu Gunsten der Startnummer 46. Ich würde es ihm gönnen.

Sportliche Grüße,

Sebastian Fränzschky

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