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Quartararo in Indien auf P3, aber mit klarer Forderung an Yamaha

Fabio Quartararo nimmt beim Indien-Grand-Prix erst zum zweiten Mal 2023 an der Podiumszeremonie teil, sieht Yamaha aber trotzdem immer weiter zurückfallen

(Motorsport-Total.com) - Für Fabio Quartararo hielt der Grand Prix von Indien auf dem Buddh International Circuit ein seltenes Erfolgserlebnis in der MotoGP-Saison 2023 bereit. Der Ex-Weltmeister in Diensten von Yamaha kam auf dem dritten Platz ins Ziel und hat damit erst zum zweiten Mal in dieser Saison (nach Austin) an einer Podiumszeremonie teilgenommen.

Titel-Bild zur News: Fabio Quartararo

Fabio Quartararo sieht Yamaha gegen Ducati und Co. immer weiter zurückfallen Zoom

Gegen den überlegen vorneweg fahrenden Marco Bezzecchi auf der VR46-Ducati hatte Quartararo zwar nicht den Hauch einer Chance. Und am Zweitplatzierten Jorge Martin (Pramac-Ducati) war er in der Schlussphase nur deshalb so knapp dran, weil Martin mit seinen Kräften absolut am Ende war.

"Ab acht Runden vor Schluss war ich dehydriert", so die Erklärung des Pramac-Piloten in einem Statement des Teams. Interviews hatte Martin nach seinem zweiten Platz keine gegeben. Für Quartararo wurde es im Duell mit dem schwächelnden Martin in der letzten der 21 Runden einmal ganz eng.

In Kurve 4 am Ende der langen Gegengerade hatte sich Martin verbremst und dadurch in der folgenden Linkskurve (Kurve 5) die zweite Position an Quartararo verloren. Doch direkt am Eingang der folgenden schnellen Rechts-Links-Passage (Kurven 6/7) zog Martin auf der Außenbahn energisch vor die Yamaha und damit wieder an dieser vorbei.

Quartararo macht Martin keinen Vorwurf für enges Manöver

Quartararo macht Martin für das enge Manöver keinen Vorwurf. "Das war okay. Es war einfach nur frustrierend. Ich hatte [aus Kurve 5 heraus] die bestmögliche Beschleunigung versucht, aber sie fliegen einfach wie die Raketen vorbei", sagt der Yamaha-Star über die Ducatis und deren überragende Traktion und Beschleunigung.

Jorge Martin, Fabio Quartararo

Im Ziel lag Quartararo knapp hinter dem schwächelnden Jorge Martin Zoom

So versucht Quartararo das Positive mitzunehmen aus einem Wochenende, das nicht durchweg positiv war. "Insgesamt war es okay", fasst er zusammen. "Wir hatten eine gute Pace und waren auch im Qualifying ganz gut dabei. So gesehen bin ich mit dem Wochenende zufrieden, aber hoffentlich können wir in diesem Jahr noch weitere solche Wochenenden abliefern."

Der dritte Platz war laut dem Yamaha-Piloten "das Beste, was wir an diesem Wochenende erreichen konnten". Mit Blick auf die kommenden sieben Rennwochenenden, von denen noch sechs außerhalb Europas stattfinden, sagt er: "Wir müssen einfach clever sein und unsere Chancen nutzen, sobald sich auch nur kleine Chancen bieten."

Quartararo fordert Fortschritte: "So können wir nicht kämpfen!"

Denn grundsätzlich ist die Yamaha M1 der Ducati Desmosedici, egal ob GP23 oder GP22, noch immer deutlich unterlegen, insbesondere beim Herausbeschleunigen aus den Kurven. "In der letzten Runde konnte ich ganz klar sehen, wo wir immer mehr verlieren", sagt Quartararo über sein Duell mit Martin und fordert von Yamaha: "Daran müssen wir arbeiten. Hoffentlich können wir zumindest für nächstes Jahr einen Schritt machen. Denn so können wir einfach nicht kämpfen!"

Fabio Quartararo

Die Beschleunigung ist ein großer Nachteil der Yamaha M1 Zoom

Schon nach dem Sprint am Samstag, den er als Sechster beendete, hatte Quartararo herausgestellt: "Rein vom Ergebnis her war das sicherlich das Beste, was möglich war. Vom Gefühl her war es aber schlecht, weil unsere Probleme offensichtlich sind."

"Das sind", so Quartararo weiter, "noch immer genau die Probleme, die wir schon seit langer Zeit haben. Ich kann vielleicht eine gewisse Zeit an den anderen Bikes dran bleiben, aber wir verlieren in so vielen Bereichen einfach so viel, dass uns die Hände gebunden sind".


Fotos: MotoGP: Grand Prix von Indien (Noida)


"Das Kurvenverhalten unseres Motorrads, das in der Vergangenheit mal so viel besser war als das der anderen, das ist mittlerweile im direkten Vergleich mit den anderen so viel schlechter geworden. Wir haben viel mehr Wheelies und viel weniger Grip", so Quartararo und weiter: "Ich sehe wirklich keinen Aspekt, in dem wir besser sind als die anderen. Hier zum Beispiel konnte ich von Kurve 1 bis Kurve 3 gut dranbleiben, aber dann ist ihre Beschleunigung einfach so viel besser als unsere. Das ist frustrierend."

Gute Indien-Ergebnisse, aber: Haben Yamaha & Honda wirklich zugelegt?

Dennoch bleibt nach dem Indien-Wochenende festzuhalten, dass Yamaha und auch Honda etwas besser zurechtgekommen sind als an den meisten Wochenenden des bisherigen Saisonverlaufs. Joan Mir erzielte am Sonntag mit P5 das mit Abstand beste Ergebnis seit er für Honda fährt. Und Quartararos Yamaha-Teamkollege Franco Morbidelli kam auf P7 ins Ziel. Das lag nicht etwa an vielen Stürzen, denn abgesehen von Tabellenführer Francesco Bagnaia ist am Sonntag keiner aufgrund eines Sturzes ausgeschieden.

Morbidelli sagt: "Ich kann nicht mit dem Finger darauf zeigen, warum die japanischen Motorräder an diesem Wochenende so viel besser waren als normal. Ich nehme das aber gerne mit." Und auf Nachfrage, ob er eher glaubt, dass die japanischen Hersteller Fortschritte gemacht haben oder aber die europäischen Hersteller an diesem Wochenende einfach größere Probleme hatten, antwortet der Yamaha-Pilot mit einem Grinsen: "Nun, ich würde das natürlich gerne so sehen, dass Yamaha Fortschritte gemacht hat."

Teamkollege Quartararo sagt dazu noch: "Wir haben jetzt viele Rennen in kurzer Zeit vor uns. Diese Phase direkt beim ersten Rennen mit einem guten Ergebnis begonnen zu haben, das ist wirklich wichtig. Und damit meine ich weniger mich selber, sondern vor allem das Team. Wir sind mit ungefähr 45 Leuten an der Strecke. Da ist es ganz wichtig, dass die gesamte Crew, also auch die von Franco, gemeinsam Freude hat."

Marc Marquez, Brad Binder, Fabio Quartararo

Marc Marquez, Brad Binder, Fabio Quartararo Zoom