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Nur noch 13 Punkte Vorsprung: Bagnaia nach Rennsturz aber nicht besorgt

Francesco Bagnaia stürzt nach einem Duell mit Jorge Martin um Platz zwei und verliert wichtige Punkte - Wie er den Crash und die WM-Situation beschreibt

(Motorsport-Total.com) - Nach seinem Doppelsieg in Spielberg lag Francesco Bagnaia zur Halbzeit der MotoGP-Saison 2023 in der WM mit einem Vorsprung von 62 Punkten noch komfortabel in Führung. Doch seitdem hat der Ducati-Pilot an jedem Wochenende Zähler verloren - vor allem auf seinen Markenkollegen Jorge Martin.

Titel-Bild zur News: Francesco Bagnaia

Francesco Bagnaia nimmt den Sturz im Indien-Rennen auf seine Kappe Zoom

Bei der MotoGP-Premiere in Indien schrumpfte sein Polster auf nur noch 13 Punkte. Schuld daran war vor allem ein Sturz im Hauptrennen am Sonntag, das Martin als Zweiter beendete. Den Sprint am Samstag hatte er vor Bagnaia gewonnen.

Im langen Rennen kämpfte der Weltmeister zunächst um die Podestplätze. Zwar musste er VR46-Pilot Marco Bezzecchi früh ziehen lassen, lag aber die ersten vier Runden an zweiter Stelle. Dann wurde er von Martin überholt, ließ sich aber nicht abschütteln und attackierte ihn seinerseits bei noch neun zu fahrenden Runden.

Danach sah es so aus, als könne sich Bagnaia sofort etwas absetzen. Doch ein Sturz in Kurve 5 beendete seine Fahrt. Die Vermutung, dass es an der Wahl seines Vorderreifens gelegen haben könnte, drängt sich auf. Denn Bagnaia fuhr als nur einer von zwei Fahrern im Feld mit dem harten Vorderreifen von Michelin.

War der harte Vorderreifen schuld am Sturz?

Auf die Frage, ob das der Grund für den Ausrutscher gewesen sein könnte, sagt der Ducati-Pilot: "Das ist schwer zu sagen. Alle anderen Ducati-Fahrer kamen mit dem Medium-Vorderreifen gut zurecht, ich aber nicht. Bei mir hat das Vorderrad immer wieder blockiert. Deshalb hatte ich auf der Bremse Probleme."

"Wir sind für das Rennen das Risiko des harten Vorderreifens eingegangen. Er hat bis zu diesem Moment auch gut funktioniert. Ich fühlte mich besser als mit dem Medium, war aber am Limit. In solchen Situation kann so etwas passieren. Aber es war die einzige Möglichkeit, um gegen die anderen zu kämpfen."

Bezzecchi sei im Rennen "unschlagbar" gewesen, "aber wir konnten mit Jorge kämpfen", hält Bagnaia fest. "Sobald ich ihn überholt hatte, fuhr ich meine Pace weiter, bin aber übers Vorderrad weggerutscht, weil das Hinterrad zu sehr gepusht hat."

"Ich bin natürlich nicht glücklich, weil ich denke, das hätte mir nicht passieren dürfen. Ich kämpfe um die WM und das ist ein Fehler, den ich mir im Moment nicht erlauben kann."

Seit Misano hat Bagnaia Probleme auf der Bremse

"Aber es liegt auch daran, dass wir hier wie auch schon in Misano unsere Stärke auf der Bremse verloren haben", so der Italiener weiter. "Ich kann das Bike nicht richtig abbremsen, weil das Heck sehr instabil ist. Und wir wissen nicht, warum. Aber für das nächste Rennen in Japan werden wir es sicher besser verstehen."

Dass er und sein Team, was die Bremsprobleme angeht, bisher noch keine Lösung gefunden haben, hänge auch damit zusammen, dass Bagnaia nach seinem Highsider in Barcelona angeschlagen war. "In Misano war meine Herangehensweise am Freitag und Samstag sehr konservativ - wegen der Verletzungen am Bein", verrät er.

"Am Sonntag war ich bereit zu kämpfen, auch wenn ich nicht zu 100 Prozent fit war. Aber ich hatte Probleme auf der Bremse, blockierende Räder, viel Chattering am Hinterrad."


Fotos: Francesco Bagnaia, MotoGP: Grand Prix von Indien (Noida)


"Das war womöglich der Punkt, an dem wir hätten verstehen müssen, dass etwas nicht stimmt. Aber ich war so konzentriert auf meine Beine, deshalb war es unmöglich zu sagen, dass etwas nicht funktionierte", räumt der Weltmeister rückblickend ein.

Bagnaia: "Wir waren konkurrenzfähig, aber ..."

"An diesem Wochenende in Indien waren die Beine kein Problem mehr. Ich hatte aber von Beginn an Schwierigkeiten. Das Vorderrad blockierte, auf der Bremse war das Heck sehr unruhig. Wir konnten uns für heute zwar verbessern und kämpften mit Jorge, der gestern noch zu schnell für uns war. Wir waren konkurrenzfähig."

"Aber ich fühlte mich nicht großartig. Und wie gesagt, wenn man ohnehin am Limit fährt, ist es umso leichter zu stürzen", weiß der Italiener. "Aber es war komplett mein Fehler und ich habe mich schon bei meinem Team entschuldigt. Heute wäre es besser gewesen, die Situation zu verstehen und Dritter zu werden."

Besorgt sei er mit Blick auf die WM aber nicht: "Ich bin überzeugt, dass mein Team das Problem lösen wird. Ich mache mir keine Sorgen, denn ich vertraue auf mein Team. Wir werden eine Lösung finden und unsere Stärke auf der Bremse wiederfinden."

"Es wird sicher nicht einfach, denn Jorge hat das Momentum. Aber heute ist er acht Sekunden hinter Bezzecchi ins Ziel gekommen, der eigentlich schon gestern stärker war - auch stärker als wir", unterstreicht Bagnaia die starke Form des Indien-Siegers.

"Ich will natürlich zurück an die Spitze. In Spielberg waren wir überlegen. In Barcelona haben wir gegen Aprilia gekämpft und die zweite Ducati war weit weg. Als wir in Misano ankamen, ist irgendetwas passiert. Ich fühlte mich nicht wie immer. Aber wir werden gemeinsam eine Lösung finden und nicht aufgeben."