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Marquez-Crewchief staunt nach Mega-Saison 2019: "Weiß nicht, wo Limit ist"

Santi Hernandez - Crewchief von Marc Marquez - erklärt, wie der MotoGP-Weltmeister im Verlauf seiner Karriere gereift ist: die Zahlen belegen das

(Motorsport-Total.com) - Marc Marquez hat 2019 auf dem Weg zu seinem sechsten WM-Titel in der Königsklasse MotoGP statistisch gesehen eine der besten Saisons seiner längst schon eindrucksvollen Karriere in der Motorrad-WM hingelegt. In einigen Statistiken hat er dabei nicht nur für sich selbst, sondern überhaupt neue Bestmarken gesetzt.

Marc Marquez, Santi Hernandez

Marc Marquez und Crewchief Santi Hernandez sind ein eingespieltes Team Zoom

Von den 19 Rennen der abgelaufenen MotoGP-Saison hat Marquez zwölf gewonnen, fünf davon in Folge. Bei sechs weiteren Rennen kam er als Zweiter ins Ziel. Lediglich beim Grand Prix von Amerika in Austin verbuchte er eine Nullnummer - durch einen Sturz weit in Führung liegend.

Mit 420 eingefahrenen WM-Punkten hat Marquez 2019 die alte Bestmarke (383 von Jorge Lorenzo 2010) übertroffen. Marquez' Punktevorsprung auf Vizeweltmeister Andrea Dovizioso betrug am Saisonende sage und schreibe 151 Zähler. Mit einem derart großen Vorsprung hat kein anderer jemals zuvor in der Königsklasse der Motorrad-WM den Titel eingefahren.


Fotostrecke: Top 10: Vorsprung des MotoGP-Weltmeisters

In den Augen seines Crewchiefs Santi Hernandez war die Saison 2019 die bisher beste in Marquez' Karriere, wenngleich er in der Saison 2014 sogar zehn Rennen hintereinander gewonnen und es unterm Strich auf 13 Siege in 18 Rennen gebracht hatte. Die Konstanz freilich, mit der Marquez 2019 unterwegs war, sucht ihresgleichen.

2014 ein Rennen mehr gewonnen, aber ...

"Ja, wir haben 2014 die ersten zehn Rennen hintereinander gewonnen und 13 insgesamt. Zur damaligen Zeit waren aber die Unterschiede zwischen den Motorrädern der einzelnen Hersteller größer als sie es heute sind", bemerkt Hernandez im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'.

Marc Marquez

2014, als Marquez 13 Saisonsiege holte, war die Honda überlegener als heute Zoom

"Damals", so Marquez' Crewchief weiter, "verwendete jeder Hersteller seine eigene Elektronik, weil es die Einheitselektronik noch nicht gab. Heutzutage ist alles viel ausgeglichener. Ducati ist immer stark, Yamaha hat stark aufgeholt und Suzuki hat wahrscheinlich das Bike, das am stärksten verbessert wurde."

Trotzdem ist es Marquez gelungen, der Saison 2019 auf unglaubliche Art und Weise seinen Stempel aufzudrücken. "Wenn die technischen Unterschiede geringer sind, dann ist Marc in der Lage, mit seinem Talent den Unterschied zu machen", lobt Hernandez, für den ganz klar feststeht: "Es gibt keinen Zweifel daran, dass Marc heute besser ist als er es 2014 war. Er ist genauso schnell, verfügt aber über wesentlich mehr Erfahrung als damals."

Deutlich weniger Stürze als 2018 und 2017

Ein Faktor, der zu Marquez' unglaublicher Konstanz in der Saison 2019 beigetragen hat, ist die Tatsache, dass er trotz der schwierig zu fahrenden Honda deutlich seltener gestürzt ist als in der Vergangenheit. War er im Verlauf aller Sessions der Saison 2018 in Summe 23 Mal zu Boden gegangen und in Summe aller Sessions der Saison 2017 sogar 27 Mal, so stürzte Marquez bei allen Sessions 2019 zusammengerechnet nur 14 Mal.

Marc Marquez

Marquez fuhr auch 2019 gewohnt aggressiv, blieb aber häufiger im Sattel Zoom

13 von Marquez' 14 Stürzen in der Saison 2019 passierten in Trainings oder Qualifyings, wie etwa der brutale Highsider in Buriram, bei dem er laut Datenanalyse von Alpinestars mit einer Gewichtskraft von umgerechnet mehr als 1,5 Tonnen auf dem Asphalt aufschlug.

Seinen einzigen Sturz 2019 in einem Rennen verbuchte Marquez ausgerechnet in Austin, wo er zuvor sechs Mal hintereinander gewonnen hatte. Aber aus dieser Erfahrung hat er gelernt: Nur noch einen seiner seither elf weiteren Siege hat Marquez mit mehr als fünf Sekunden Vorsprung eingefahren.

"Marc lernt Jahr für Jahr dazu. Seine Lernkurve ist einfach beeindruckend", urteilt Hernandez und hat festgestellt: "In den ersten beiden Jahren [2013 und 2014] war alles einfach für ihn, weil er extrem jung war. Er fuhr ohne Druck und das Motorrad half ihm dabei, sich gegen die anderen Fahrer durchzusetzen."

Schwierige Saison 2015 hat Marquez reifen lassen

2015, in seiner dritten MotoGP-Saison, wurde Marquez zum bislang einzigen Mal in einem WM-Kampf in der Königsklasse bezwungen. Mit fünf eingefahrenen Siegen, aber 88 Punkten Rückstand auf Weltmeister Lorenzo beendete er die Saison damals als WM-Dritter. Der Grund: Von Marquez' 13 Stürzen über alle Sessions der Saison 2015 gerechnet waren sechs in den Rennen passiert.

Santi Hernandez

Santi Hernandez ist beeindruckt davon, wie Marquez sich immer noch steigert Zoom

"Sieg oder Sturz - das fasst es ziemlich gut zusammen, wie das Jahr damals verlief", erinnert sich Hernandez und weiß noch, wie sein Schützling nach jener Saison 2015 "zur Erkenntnis kam, dass er seine Mentalität ändern muss. Er verstand, dass er auf dem Weg zum ganz großen Ziel auch mal mit einem dritten oder sogar fünften Platz im Rennen zufrieden sein muss".

Und tatsächlich: In der Saison 2016, als er seinen dritten MotoGP-Titel errang, kam Marquez bei zehn der damals 18 Rennen auf den Plätzen zwei, drei, vier oder fünf ins Ziel. Und obwohl er damals wie 2015 "nur" fünf Rennen gewann, wurde Marquez am Saisonende mit 49 Punkten Vorsprung auf Valentino Rossi Weltmeister. 2017 und 2018 ließ der Honda-Star im WM-Kampf gegen Dovizioso zwei weitere Titel folgen, bevor er die Saison 2019 mit zuvor ungekannter Konstanz dominierte.

In der ewigen Bestenliste aller Weltmeister liegt Marquez in der Königsklasse mit sechs WM-Titeln schon jetzt an alleiniger dritter Stelle hinter Giacomo Agostini (acht Titel) und Rossi (sieben Titel). Über alle WM-Klassen gerechnet liegt er mit seinen acht Titeln auf Rang sechs der ewigen Bestenliste hinter Agostini (15 Titel), Angel Nieto (13) sowie Rossi, Mike Hailwood und Carlo Ubbiali (jeweils neun).

"Und er lernt ja immer noch dazu", bemerkt Marquez' Crewchief Hernandez und blickt abschließend selbst ein bisschen unsicher in die Zukunft: "Ich weiß wirklich nicht, wo das Limit ist."

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