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  • 15.11.2016 14:40

  • von Maria Reyer & David Emmett

Ducati-Teamchef: Mit Lorenzo 2017 Schwächen ausbessern

Ducati-Teamchef Luigi Dall'Igna spricht über die erfolgreiche Saison 2016, Schwächen der Desmosedici und blickt auf die Arbeit mit Jorge Lorenzo voraus

(Motorsport-Total.com) - Auf Ducati liegt am Dienstag nach dem Saisonfinale bei den ersten Testfahrten für die Saison 2017 besonders viel Aufmerksamkeit. Denn immerhin sitzt der fünffache Weltmeister Jorge Lorenzo zum ersten Mal auf der Desmosedici. Ducati-Teamchef Luigi Dall'Igna geht mit freudiger Erwartung in die Vorbereitung auf das kommende Jahr, blickt aber auch mit Stolz zurück auf die abgelaufene Saison.

Titel-Bild zur News: Jorge Lorenzo

Erste Ausfahrt mit Ducati: Lorenzo in noch ungewohnten Farben in Valencia Zoom

"Ich bin sehr zufrieden mit unserer technischen Entwicklung über diese Saison. In den meisten Rennen waren wir knapp dran. Im Vergleich zum Jahr davor ist unser Resultat viel besser. Unsere Platzierung im Ranking spiegelt nicht die wahre Leistung des Bikes und unserer Fahrer wider, aber so ist das eben", glaubt der Italiener. Ducati konnte in der Saison 2016 einige Ziele erfüllen und wurde in der Konstrukteurs-Wertung hinter Yamaha und Honda Dritter.

"Unser erstes Ziel war, näher an unseren Gegnern in den meisten Rennen dran zu sein. Das haben wir geschafft. Ein weiteres Ziel war, Rennen zu gewinnen." Auch diese Vorgabe konnten Andrea Dovizioso und Andrea Iannone erfüllen. In Österreich holten die Werkspiloten den ersten Ducati-Doppelerfolg seit neun Jahren, Iannone feierte seinen ersten MotoGP-Triumph. In Malaysia behauptete sich Dovizioso an der Spitze und konnte somit seit Donington 2009 wieder aufs oberste Treppchen steigen.

Ducatis Achillesferse: das Kurvenverhalten

"An diesen Wochenenden konnten wir außerdem die Pole-Position einfahren. Das bedeutet, dass wir wirklich sehr konkurrenzfähig waren." Insgesamt holten die Italiener 2016 zwei Siege, neun Podestplätze und drei Pole-Positionen. "Ich würde mich gerne bei Iannone bedanken, er hat (in Valencia; Anm. d. Red.) ein fantastisches Rennen gezeigt. Vielleicht ist er dieses Bike mit Ducati im Herzen gefahren, was sehr wichtig ist. Die letzten vier Jahre hat er bei uns verbracht. Die Verbesserungen, die wir am Bike gemacht haben, konnten wir auch durch ihn schaffen. Daher bedanke ich mich herzlich und wünsche ihm alles Gute für die Zukunft." Iannone wechselt für 2017 zu Suzuki.

Beim Blick in die Zukunft analysiert Dall'Igna zuallererst die Schwächen der 2016er Maschine: "Das Hauptproblem ist das Turning des Bikes in der Kurvenmitte. Das Chassis müssen wir in diesem Bereich unbedingt verbessern. Da haben wir auch schon ein paar Ideen. Die werden wir am neuen Bike ausprobieren. Jeder fährt mit den gleichen Reifen, daher liegt das Problem eindeutig beim Chassis", macht er deutlich. Auch Dovizioso hat das Kurvenverhalten als einzige Schwachstelle ausgemacht.


MotoGP-Test in Valencia

Allerdings relativiert Dall'Igna: "Die Probleme, die wir heute haben, sind komplett anders im Vergleich zu den Problemen, die wir noch vor ein paar Jahren hatten. Klar sind wir sehr nahe an den Gegnern dran, daher müssen wir uns weiterhin verbessern. Es ist aber kein großes Problem wie in der Vergangenheit", weiß der seit 2014 tätige Teamchef. Die Zusammenarbeit mit Ex-Weltmeister Lorenzo stellt er sich wie folgt vor: "Jorge ist ein cleverer Kerl und er weiß, dass das Bike, das er ab Dienstag verwenden wird, anders ist als jenes, das er für viele Jahre in der MotoGP gefahren ist."

Dall'Igna sicher: Lorenzo kann auch wieder im Regen gewinnen

Der nun ehemalige Teamkollege von Valentino Rossi wird sich an sein neues Arbeitsgerät erst gewöhnen müssen. "Er muss das Bike zuerst kennenlernen und dann seinen Fahrstil an die Stärken des Bikes anpassen. Natürlich müssen wir ihm aber auch das bestmögliche Bike geben. Daher müssen wir verstehen, was er braucht, um schnell zu sein und ihm das dann auch geben. Wir müssen kooperieren, um das Ziel zu erreichen", weiß Dall'Igna.

Bereits bei seinen ersten Runden auf der Desmosedici am Dienstagvormittag konnte er bis auf den zehnten Platz an die Spitze heranfahren, ihm fehlten 0,6 Sekunden. Mit der Motorenpower werde Lorenzo keine Probleme haben, glaubt Dall'Igna. "Natürlich kann der Motor den Kurvenausgang beeinflussen. Ich bin schon gespannt, was Jorge zu unserem Motor sagen wird. Mit der Performance wird er bestimmt keine Probleme haben", lacht der Italiener, denn die Ducati-Power war besonders auf langen Geraden beeindruckend. "Aber wir werden natürlich über alle Aspekte sprechen, die verbessert werden können, um schneller in den Kurven zu sein."

Luigi Dall'Igna

Luigi Dall'Igna freut sich auf die Zusammenarbeit mit Jorge Lorenzo Zoom

Angesprochen auf Lorenzos Schwäche bei schlechten Wetterbedingungen meint er nur: "Jorge hat in der Vergangenheit auch im Regen Rennen gewonnen. Diese Bedingungen sind vielleicht nicht die besten für ihn, aber ich denke schon, dass er auch in Zukunft Regenrennen gewinnen kann. Unser Bike ist sehr stark im Regen, all unsere Fahrer haben gute Resultate bei solchen Bedingungen geholt. Ich mache mir darüber also keine Sorgen."