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Schwedische Indy-500-Sieger: Was Marcus Ericsson und Kenny Bräck verbindet

Erstmals hat ein Schwede seit 1999 das Indianapolis 500 gewonnen - Die beiden Sieger Marcus Ericsson und Kenny Bräck verbindet mehr als die Nationalität

(Motorsport-Total.com) - Marcus Ericsson hat es geschafft: Der Schwede gewann am 29. Mai 2022 trotz einer späten Rotphase und eines Sprints zur schwarz-weiß-karierten Flagge das Indy 500. Nach Kenny Bräck, der den IndyCar-Klassiker im Jahr 1999 gewann, ist Ericsson erst der zweite Schwede, der die traditionelle Milch trinken und die berühmten Brickyards auf dem Indianapolis Motor Speedway küssen durfte. Die beiden Skandinavier verbindet aber mehr als nur der Indy-500-Sieg.

Marcus Ericsson

Marcus Ericsson ist der zweite Schwede, der das Indy 500 gewonnen hat Zoom

Doch wer zum Teufel ist Bräck? Der heute 56-Jährige kommt aus Arvika und hat eine bemerkenswerte Motorsport-Karriere hingelegt. Nach vielen Jahren im europäischen Formelsport war er für eine halbe Saison lang Testfahrer im Formel-1-Team von Arrows.

Im Jahr 1997 feierte der Schwede sein Debüt in der damaligen Indy-Racing-League (IRL) auf dem Phoenix Raceway. Er wusste zu überzeugen: In seiner ersten Teilzeit-Saison holte er in Charlotte und New Hampshire gleich zwei fünfte Plätze.

In seiner Debütsaison bestritt Bräck auch sein erstes Indy 500, jedoch kam er nicht über einen 33. Platz hinaus. Der Europäer blieb damals dem US-Rennsport treu und zeigte insbesondere auf den Ovalen starke Leistungen, obwohl er nicht die typische US-Oval-Ausbildung genossen hatte.

Im Jahr 1998 gewann er gleich drei Rennen in Charlotte, Pikes Peak sowie Atlanta und gewann den IRL-Titel. Nur ein Jahr später fuhr Bräck seinen wohl wichtigsten Karrieresieg ein.

Erster Schwede in der Victory-Lane von Indianapolis

Kenny Bräck feiert mit AJ Foyt seinen Indy-500-Sieg 1999

Kenny Bräck feiert mit AJ Foyt seinen Indy-500-Sieg 1999 Zoom

Der damalige IRL-Champion startete beim Indy 500 1999 wie schon im Vorjahr für das Team von AJ Foyt. NASCAR-Legende Tony Stewart bestritt an diesem Tag sowohl das Indianapolis 500 als auch das 600 Meilen lange NASCAR-Rennen in Charlotte, doch die Augen richteten sich auf den Schweden Bräck, der sich im Qualifying auf Rang acht und damit für die dritte Startreihe qualifiziert hatte.

Insgesamt drei Europäer gingen in der 83. Ausgabe des IndyCar-Klassikers an den Start: Arie Luyendyk aus den Niederlanden, der auf der Poleposition stand, Wim Eyckmans aus Belgien und eben Bräck aus Schweden. Stephan Gregiore aus Frankreich schaffte es im Qualifying nicht in das 33 Autos große Feld des Indianapolis 500.

Kenny Bräck beim Indy 500 1999

Kenny Bräck gewann den Spritpoker im Jahr 199 Zoom

Die Entscheidung fiel in den letzten Runden des 500-Meilen-Rennens: Robby Gordon lag in Führung, als noch zwei Runden zu fahren waren. Bräck lag 1,5 Sekunden hinter dem Führenden, doch dieser wurde plötzlich langsamer und bog in die Boxengasse ab. Gordon war der Sprit ausgegangen und Bräck übernahm damit ohne jegliches Angriffsmanöver die Führung. Mit genügend Benzin an Bord gewann er als erster Schwede das Indianapolis 500.

Der heftige Unfall im Jahr 2003

Nach einem zweijährigen Intermezzo in der rivalisierenden CART-Serie, kehrte Bräck im Jahr 2003 in die IRL zurück. Beim Finale auf dem Texas Motor Speedway kam es zum Horrorcrash, der die Karriere des Schweden beenden sollte. Bräck wurde in den Fangzaun geworfen, einzig allein das Monocoque, das sich unzählbar oft um die eigene Achse drehte, blieb vom Rahal-Auto übrig. Beim Unfall wurden 214 g gemessen, eine horizontale Kraft, die bei einem Überlebenden noch nie zuvor ermittelt wurde.

Kenny Bräck wird im Helikopter ins Krankenhaus geflogen

Kenny Bräck wird im Helikopter ins Krankenhaus geflogen Zoom

Mit gebrochenen Knochen und einer verletzten Wirbelsäule ging es für Bräck ins Krankenhaus, der diesen brutalen Crash wie ein Wunder überlebte. Nach einer langen und harten Rehabilitation, feierte der Schwede im Jahr 2005 noch einmal sein Comeback, um das Indy 500 zu bestreiten. Im letzten großen Rennen seiner Karriere kam er auf Platz 26 ins Ziel. Anschließend startete er noch sporadisch bei Rallyes und beim Festival Of Speed in Goodwood.

Nur ein Jahr nach seinem letzten Indy 500 kreuzten sich die Wege von Bräck und Ericsson, der im Jahr 1999 völlig zufällig damit begonnen hatte, Kartsport zu betreiben. In einem Einkaufszentrum überredete Ericsson seine Eltern, die keinen Bezug zum Motorsport hatten, auf der Kartbahn des schwedischen Rennfahrers Fredrik Ekblom fahren zu dürfen. Der Jungspund knackte damals beinahe auf Anhieb den Rundenrekord, weshalb Ekblom Ericssons Vater dazu riet, dem Sohnemann ein Kart zu besorgen.

Die Wege kreuzen sich: Bräck nimmt Ericsson unter die Fittiche

Gesagt, getan: Ericsson kämpfte sich durch die Nachwuchsklassen und deshalb wurde niemand anderes als der Indy-500-Sieger des Jahres 1999 auf den Jungspund aufmerksam. Bräck nahm Ericsson in dessen letztem Kartjahr 2006 unter seine Fittiche und agierte in der ersten Zeit als Manager des Talents. Mit nur 16 Jahren holte Ericsson seinen ersten nennenswerten Titel in der britischen Formel BMW.

Anschließend erlebte Ericsson eine Karriere, die einer Achterbahnfahrt glich. Er holte in der britischen Formel-3-Serie solide Ergebnisse und zog sogar ein Jahr nach Japan, um dort im Jahr 2009 ohne Anlaufschwierigkeiten den Formel-3-Titel zu holen. Daraufhin wechselte er in die asiatische und auch europäische GP2-Serie und bekam die Möglichkeit, einen Formel-1-Boliden aus dem Hause Brawn GP zu testen.

Der Aufstieg in die Königsklasse

Marcus Ericsson

Erster F1-Station für Marcus Ericsson: Caterham Zoom

Im Jahr 2014 wurde der Schwede in die Formel 1 geholt. Er bekam einen Vertrag bei Caterham, jedoch musste das Team im Laufe der Saison den Großen Preis der USA auslassen, da es finanzielle Schwierigkeiten gab. Ericsson löste seinen Vertrag auf und wechselte im folgenden Jahr zu Sauber, wo er im internen Duell gegen Felipe Nasr den Kürzeren zog.

In seiner Karriere wird Ericsson von der Tetra Laval Group unterstützt, die sich im Hintergrund hält, aber dennoch die nötigen finanziellen Mittel auftreibt, damit der Schwede auf höchstem Level konkurrieren kann. Nach einer zweiten Saison mit Nasr an der Seite gab es eine Veränderung im Team: Nasr war Geschichte, dafür kam der Deutsche Pascal Wehrlein. Außerdem wurde Sauber von Longbow Finance SA übernommen - ein Investmentunternehmen, dem eine Nähe zum persönlichen Sponsor von Ericsson nachgesagt wird.

Klatschpresse spekuliert über Liebesleben

Im Jahr 2015 erlebte Ericsson die Schattenseiten als Person der Öffentlichkeit. Im australischen Melbourne wurde er mit einer Gruppe Freunden, darunter war sein Physio Alex Elgh, beim Feiern fotografiert. Mit dabei war auch ein australisches Modell, das im australischen Fernsehen auftrat: Sarah Todd, die mit dem Unternehmer Devinder Garcha verlobt war.

Todd und Garcha haben ein gemeinsames Kind, jedoch spekulierten die Medien in Australien damals darüber, dass Todd, die nach ihrer Modellkarriere im Fernsehen als Köchin Karriere machte, eine Beziehung mit Ericsson hätte. Bis heute dementiert der Schwede, dass jemals zwischen den beiden etwas gelaufen sei. Die Gerüchte führten zum Beziehungsaus von Todd und Garcha.

Heftiger Unfall und Formel-1-Aus

Marcus Ericsson

Marcus Ericsson wurde in Italien in einen heftigen Unfall verwickelt Zoom

Im Jahr 2018, in der er bei Sauber gegen Charles Leclerc antrat, hatte Ericsson im Freien Training zum Großen Preis von Italien in Monza eine echte Schrecksekunde. Sein DRS-Flügel wollte sich einfach nicht schließen, weshalb er beim Anbremsen die Kontrolle über sein Fahrzeug verlor. Ericsson krachte links in die Leitplanke und überschlug sich mehrere Male. Er überstand den heftigen Unfall ohne Blessuren. Das war jedoch der Anfang vom Ende seiner Formel-1-Karriere, denn nach dieser Saison war für Ericsson Schluss.

Mit Erfahrung aus der Königsklasse im Gepäck wechselte Ericsson für die Saison 2019 in die US-amerikanische IndyCar-Serie, was ihn endgültig auf die Spuren seines früheren Mentors Bräck brachte. Er startete in seiner Debüt-Saison für Schmidt-Peterson und holte in Detroit einen starken zweiten Platz. Ein Jahr später wechselte er zum Topteam von Chip Ganassi und überzeugte mit drei Top-5-Platzierungen.

In der Saison 2021 folgten dann die ersten Siege des Schweden: Ericsson gewann in Detroit, wo er schon in seiner Debütsaison beinahe in die Victory-Lane gefahren war, und in Nashville. Das reichte für Platz sechs in der Gesamtwertung. Ganassi scheint mit dem Schweden sehr zufrieden zu sein, denn der Rennstall setzt immerhin auch im Jahr 2022 auf Ericsson.

Der zweite Schwede gewinnt Indianapolis

In Texas hat der heute 31-Jährige gezeigt, was in ihm steckt. Er holte auf dem schnellen Oval in Forth Worth den dritten Platz. Auf dem Rundkurs von Indianapolis hatte er mit Platz vier ein weiteres solides Ergebnis geholt, ehe Ericsson auf dem legendären Oval des Indianapolis Motor Speedways seinen größten IndyCar-Sieg holte.

Marcus Ericsson

Im Jahr 2022 gewann Marcus Ericsson zum ersten Mal in seiner Karriere das Indy 500 Zoom

In einer spannenden Schlussphase, die wegen eines Unfalls von Jimmie Johnson sechs Runden vor Schluss noch einmal mit der Roten Flagge unterbrochen wurde, setzte sich Ericsson letztlich gegen den Mexikaner Pato O'Ward im McLaren durch. Nach Bräck ist Ericsson der zweite Schwede, der das Indy 500 gewonnen hat und die wohl leckerste Milch im Rennsport-Geschäft probieren durfte.

Ericsson hat allen Grund zum Feiern, denn er hat nicht nur das Indy 500 gewonnen, sondern auch die Führung in der IndyCar-Meisterschaft 2022 übernommen. Der nächste Lauf findet bereits am 5. Juni auf dem Straßenkurs von Detroit statt. Während Ericsson seinen ersten IndyCar-Titel jagt, hat Bräck seine Karriere ebenfalls weiterverfolgt. Erst 2018 wurde Letzterer von McLaren zum Chef-Testfahrer für Straßenautos ernannt.


Was macht Kenny Bräck heute?

Zuvor hatte Bräck im Jahr 2017 einen neuen Rekord auf dem Nürburgring mit einem Straßenauto aufgestellt. Er umrundete die Grüne Hölle in einem McLaren P1 LM in 6:43.22 Minuten. Außerdem ist der Schwede der Songwriter seiner eigenen Band "Bräck", die er zusammen mit dem Sänger Franc Aledia gegründet hat.

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