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Indy 500: Marcus Ericsson siegt in packender Schlussphase

Zwei seiner Ganassi-Teamkollegen bestraft, aber Marcus Ericsson setzt sich durch und gewinnt zum dritten Mal nach Rotphase ein IndyCar-Rennen, nun das größte

(Motorsport-Total.com) - Marcus Ericsson ist der Indianapolis-500-Sieger des Jahres 2022. Bei der 106. Auflage des berühmtesten Ovalrennens der Welt setzte sich der für das Team von Chip Ganassi fahrende Ex-Formel-1-Pilot aus Schweden im packenden Schlussspurt durch. Die letzten zwei Runden waren ein Sprint ins Ziel, nachdem das Rennen kurz mit Rot unterbrochen worden war.

Marcus Ericsson

Marcus Ericsson (Ganassi-Honda) ist der Indy-500-Sieger 2022 Zoom

Für Ericsson ist es der dritte Sieg seiner IndyCar-Karriere und bemerkenswerterweise der dritte nach einer Rotphase. Genau so hatte er im vergangenen Jahr schon auf den Stadtkursen in Detroit und in Nashville gewonnen. Nun hat er vor vollbesetzten Tribünen auf dem Indianapolis Motor Speedway das berühmteste Ovalrennen der Welt gewonnen. (Fotos: 106. Indianapolis 500)

"Ich kann es einfach nicht glauben", so Ericsson, der auch die späte Gelbphase, die zur kurzen Rotphase führte, "einfach nicht glauben konnte". Zu diesem Zeitpunkt hatte er gerade die Führung im Rennen übernommen und war auf dem Weg zum Sieg unter Grün. Letzten Endes musste er noch zittern und hat unter Gelb gewonnen, weil es in der letzten Runde nochmals einen Crash gab. (Ergebnis: 106. Indianapolis 500)


IndyCar 2022: Indy 500

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Während Ericsson für Chip Ganassi zum Sieg fuhr und dank der beim Indy 500 vergebenen doppelten Punkte nun auch die Führung in der IndyCar-Gesamtwertung 2022 übernommen hat, kassierten zwei seiner vier Teamkollegen im Rennen eine Strafe. Es betraf ausgerechnet die aus der ersten Reihe gestarteten Scott Dixon und Alex Palou.

Ganassi-Duo Dixon/Palou bestimmt Anfangsphase

Polesetter Scott Dixon (Ganassi-Honda) führte das 33-köpfige Feld in die erste Kurve. Aber schon auf der Gegengerade der ersten Runde übernahm Ganassi-Teamkollege Alex Palou das Kommando. Dixon kam gar nur als Dritter hinter Rinus VeeKay (Carpenter-Chevrolet) aus der ersten Runde zurück.

Im ersten Green-Flag-Run, der auch den ersten routinemäßigen Boxenstopp beinhaltete, wechselten sich Palou und Dixon an der Spitze ab. Mal lag der eine, mal der andere ganz vorn. Im Sinne des Spritverbrauchs wollte keiner der beiden zu viele Runden am Stück vor dem Feld herglühen.

Am längsten hinausgezögert wurde der erste Boxenstopp von den mehrmaligen Indy-500-Siegern Helio Castroneves (Shank-Honda) und Juan Pablo Montoya (McLaren-Chevrolet). Beide stoppten erst nach 36 Runden, wohingegen die Spitzengruppe nacheinander schon ab der 30. Runde an der Box gewesen war.

Früher Crash von VeeKay in den Top 3 liegend

Die erste von sechs Gelbphasen gab es, als in Runde 39 der zu diesem Zeitpunkt Zweitplatzierte crashte. Es war Rinus VeeKay, der seinen orangefarbenen Carpenter-Chevrolet in Turn 2 aus der Kontrolle verloren hatte.

Beim Aufprall auf die äußere SAFER-Barriere gab es kurzzeitig Flammenentwicklung, aber die war schnell wieder verfolgen. Der Unfall passierte direkt hinter Spitzenreiter Alex Palou und vor Verfolger Scott Dixon. VeeKay entstieg unverletzt.

"Ich kam aus der ersten Reihe und lag an zweiter Stelle, aber in Turn 2 konnte ich das Auto einfach nicht halten. Ich wurde komplett überrascht. Es war nicht einfach da draußen", so VeeKay, der damit auf die im Vergleich zu Trainings und Qualifying höhere Lufttemperatur von 27 Grad Celsius anspielte.

Gelb für Crash von Ilott wirft Palou von P1 auf P30 zurück

Beim ersten Restart lag das Ganassi-Team nicht nur mit zwei, sondern gar drei Piloten in den Top 3. Denn nach VeeKays Crash hatte sich hinter Alex Palou und Scott Dixon deren Teamkollege Marcus Ericsson eingereiht.

Alex Palou

IndyCar-Champion Alex Palou wurde von der zweiten Gelbphase ausgebremst Zoom

Der zweite Durchgang routinemäßiger Boxenstopps wurde in Runde 68 eingeläutet, ging aber nicht komplett bei Grün über die Bühne. Der Zweitplatzierte Dixon war in Runde 69 beim Service gewesen. Spitzenreiter Palou kam eine Runde später, aber genau in dieser Runde crashte IndyCar-Rookie Callum Ilott (Juncos-Chevrolet) in Turn 2.

Palou fuhr in die Boxengasse, obwohl diese aufgrund der herausgekommenen Gelbphase zunächst geschlossen war. Es war ein Notstopp für den Führenden, für den er mit Rückversetzung ans Ende der Führungsrunde bezahlen musste. Genau das gleiche Missgeschick war Teamkollege Dixon im vergangenen Jahr passiert.

Glück für Dixon bei Crash von Grosjean

Im dritten Stint war Conor Daly (Carpenter-Chevrolet) stärkster Gegner für Dixon und führte das Rennen einige Runden an. Für die dritte Gelbphase sorgte dann Romain Grosjean (Andretti-Honda). Der Indy-500-Neuling hatte sich bis dahin im Bereich von P10 bis P20 aufgehalten. In Turn 2 aber verlor auch er sein Auto auf ganz ähnliche Weise aus der Kontrolle wie es zuvor Rinus VeeKay und Callum Ilott passiert war.

Grosjean, der wie VeeKay und Ilott unverletzt geblieben ist, sagt zum Unfallhergang: "Das Auto hat sich einfach gedreht. Warum, weiß ich nicht. Ich muss mir erst die Daten anschauen." Auffällig: Alle drei Crashs passierten in der gleichen Kurve (Turn 2) und alle passierten gegen Ende eines Stints.

Und wie im Falle von Ilott, so fiel auch der Crash von Grosjean mitsamt hervorgerufener Gelbphase genau in die Phase, als die Spitzengruppe gerade den nächsten Durchgang Boxenstopps eröffnet hatte. Im Gegensatz zu Alex Palou vorher hatte Scott Dixon in diesem Fall aber Glück.

Denn als Dixon in Runde 108 mit fast leerem Tank in Richtung Box unterwegs war, hatte das Signal am Eingang der Boxengasse gerade von Rot auf Grün umgeschaltet. Fast das ganze Feld nutzte die Gelegenheit zum dritten Routinestopp. Einzig Conor Daly war schon unmittelbar vor der Gelbphase beim Service gewesen.

O'Ward geht mit schnellem Boxenstopp in Führung

An der Spitze hatten Scott Dixon und Conor Daly fortan Gesellschaft vom McLaren-Duo Patricio O'Ward und Felix Rosenqvist. Den Restart entschied O'Ward von der dritten Position kommend mit einem starken Manöver außen herum für sich. Dixon aber holte sich kurz darauf die Führung zurück.

Der vierte von fünf routinemäßigen Boxenstopps fand dann wie der erste tatsächlich inmitten eines Green-Flag-Runs statt. Am schnellsten wurde der Stopp mitsamt der sogenannten In-Lap und der Out-Lap von McLaren-Pilot Patricio O'Ward absolviert. So übernahm er die Führung im Rennen von Dixon. Der Ganassi-Pilot wiederum konnte O'Wards Teamkollege Felix Rosenqvist gerade so hinter sich halten.

McLaughlin crasht nach starker Fahrt durch das Feld

Doch schon bald hieß es wieder Gelb. In diesem Fall war ein Crash von Scott McLaughlin (Penske-Chevrolet) in Turn 3 der Grund. Im Gegensatz zu den vorherigen Abflügen am Beginn der Gegengerade passierte der von McLaughlin am Ende der Gegengerade.

Der Aufprall des gelben Penske-Chevy mit der Startnummer 3 geschah an der SAFER-Barriere in Turn 3. Von dort aber rutschte das Auto bis in Turn 4, bevor es zum Stillstand kam. Auch McLaughlin, der vom 26. Startplatz kam und zum Zeitpunkt des Crashs knapp außerhalb der Top 10 lag, blieb unverletzt.

"Abgesehen vom angeschlagenen Ego geht es mir gut. Schade, denn wir hatten ein richtig schnelles Rennauto. Das war mein erster Crash hier [in Indianapolis]. Jetzt habe ich das also auch hinter mir", so der dreimalige Supercars-Champion McLaughlin, der in diesem Jahr den IndyCar-Saisonauftakt gewonnen hat und sich damit endgültig in der IndyCar-Serie etabliert hat.

Dixon erobert Führung zurück - und kassiert Strafe

An der Spitze gab es beim Restart wieder einen Führungswechsel auf der Außenbahn. In der ersten Kurve ging diesmal Scott Dixon an Patricio O'Ward vorbei und in Front, nachdem es beim vorangegangenen Restart genau umgekehrt gewesen war.

Ein paar Plätze weiter hinten schnappte sich Alexander Rossi (Andretti-Honda) auf der Gegengerade mit einem Schlag Tony Kanaan (Ganassi-Honda) und Santino Ferrucci (Dreyer/Reinbold-Chevrolet) und rückte damit in die Top 6 nach vorn. Derweil tobte an der Spitze das Duell O'Ward gegen Dixon. Die beiden wechselten sich mehrfach in der Führungsposition ab.

Scott Dixon

Scott Dixon vergab die große Chance auf seinen zweiten Indy-500-Sieg selber Zoom

Zum letzten Boxenstopp kam Dixon in Runde 175 als Spitzenreiter. O'Ward kam zwei Runden später. Aber als der Mexikaner seinen Routinestopp einlegte, war auch Dixon nochmals in der Boxengasse. Denn der Ganassi-Pilot hatte bei der Anfahrt zu seinem eigenen Routinestopp das Speedlimit am Eingang der Boxengasse überschritten.

Mit der folgenden Stop-and-Go-Strafe war für Polesetter und Langzeitspitzenreiter Dixon die Führung dahin. Und damit war für ihn auch einmal mehr die Chance auf einen zweiten Indy-500-Sieg (nach 2008) dahin.

Crash von Johnson sorgt für Rot - und Sprint ins Ziel

Nach Dixons Fauxpas hatte O'Ward im letzten Stint aber trotzdem reichlich Ganassi-Gegenwehr im Kampf um den Sieg. Denn Marcus Ericsson ging direkt nach dem Boxenstopp am McLaren-Piloten vorbei und setzte sich damit in Front. Und auch Routinier Tony Kanaan im nur beim Indy 500 eingesetzten fünften Ganassi-Honda fuhr in der Schlussphase in den Top 5 mit.

Für die fünfte Gelbphase sorgte derweil der andere Ganassi-Pilot: Indy-500-Neuling Jimmie Johnson. Sechs Runden vor Schluss crashte er nach einem Highspeed-Dreher in Turn 2. Kurz zuvor hatte sich der siebenmalige NASCAR-Champion bei seinem Indy-500-Debüt eine Führungsrunde abgeholt. Die war strategiebedingt, denn den letzten Boxenstopp hatte Johnson so lange hinausgezögert wie kein anderer.

Auch Johnson kam bei seinem Crash unversehrt davon. Für den Rest des Feldes aber wurde das Rennen mit Rot unterbrochen, um im Anschluss an die Aufräumarbeiten eine Schlussphase unter Renntempo zu ermöglichen anstatt das Rennen sicher unter Gelb zu beenden.

Ericsson hält O'Ward knapp hinter sich und siegt unter Gelb

Der Sprint ins Ziel erfolgte - ganz im Stile eines Green-White-Checkered-Finish der NASCAR - über zwei Runden. Marcus Ericsson führte das Feld zum Restart, gefolgt von Patricio O'Ward und Tony Kanaan. Eingangs der letzten Runde attackierte O'Ward, kam aber nicht an Ericsson vorbei. Das war die Entscheidung.

Denn weiter hinten im Feld crashte Sage Karam (Dreyer/Reinbold-Chevrolet) auf der Gegengerade der letzten Runde. So ging das Rennen letztlich doch unter Gelb zu Ende, aber erst nach dem packenden Schlussspurt.

Hinter Sieger Marcus Ericsson belegte Patricio O'Ward den zweiten Platz, Tony Kanaan den dritten, Felix Rosenqvist den vierten und Alexander Rossi den fünften. Der amtierende IndyCar-Champion Alex Palou kam nach seiner frühen Strafe letztlich noch auf P9 ins Ziel. Der sechsmalige IndyCar-Champion Scott Dixon hingegen schaffte nach seiner späten Strafe nicht mehr als P21.

Frust für zahlreiche Favoriten

Für Helio Castroneves und Juan Pablo Montoya zahlte sich der lange erste Stint letztlich nicht aus, weil die Gelbphasen nicht ganz passend kamen. Castroneves schloss das Rennen auf P7 ab, Montoya knapp außerhalb der Top 10 auf P11.

Bestplatzierter Rookie war David Malukas (Coyne-Honda), der im Abschlusstraining am Freitag noch einer von zwei Fahrern mit Crash gewesen war. Nachdem das Auto zu großen Teilen wieder aufgebaut wurde, kam Malukas am Sonntag auf Platz 16 ins Ziel.

Hingegen kam Colton Herta (Andretti-Honda) zwei Tage nach seinem Überschlag im Abschlusstraining nun am Renntag nicht ins Ziel. Er saß im Ersatzauto und dabei handelte es sich um jenes Chassis, mit dem er vor zwei Wochen das Regenrennen auf dem Indianapolis-Rundkurs gewonnen hatte.

Mit Oval-Set-up aber war dieses Auto ohne ein einzige Trainingsrunde nicht konkurrenzfähig. Zu allem Überfluss gab es auch noch ein Problem mit dem Gaspedalsensor. Letzten Endes wurde Herta aus dem Rennen genommen, weil das Auto zu langsam war.

In der IndyCar-Saison 2022, in der Indy-500-Sieger Marcus Ericsson jetzt der neue Tabellenführer ist, geht es am kommenden Wochenende direkt weiter. Am Sonntag (5. Juni) wird in Detroit gefahren, wobei zum letzten Mal der Stadtkurs auf der Belle Isle genutzt wird. Ab 2023 wird dann auf einem neuen Stadtkurs in Downtown Detroit gefahren.

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