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Formel E: Wie eine Maßnahme der FIA für mehr Unfälle gesorgt hat

Die FIA wollte verhindern, dass Fahrern unschuldig das Rennen versaut wird, doch sie hat damit die Büchse der Pandora geöffnet: Auto zu robust, Management zu gering

(Motorsport-Total.com) - Hat die Formel E derzeit ein Problem mit den Fahrstandards? Diesen Schluss legten einige Fahrer in dieser Saison nahe. "Das ist kein Motorsport", schimpfte etwa Titelverteidiger Jean-Eric Vergne nach Mexiko, und auch sein Teamkollege Andre Lotterer war nach dem kurz vor Schluss verlorenen Sieg von Hongkong bedient. Er fühlte sich zurück in den Kartsport versetzt, wo man sich gegenseitig anrempelt, um den anderen Fahrer von der Bahn zu schubsen.

Lucas di Grassi

Bis eine Nase in der Formel E kaputtgeht, muss einiges passieren Zoom

Doch das Problem mit den Fahrstandards in der Formel E ist vielschichtig. Als Hauptursache gilt jedoch, dass das neue Gen2-Auto für den Geschmack der Fahrer zu robust ist. Die Piloten wissen, dass ihr Auto bei Kollisionen nicht kaputtgeht, und bauen dieses Wissen in ihren Fahrstil mit ein. "In gewisser Weise ist es bei jedem Rennfahrer so, dass man sich danach richtet, wie stabil das Auto ist", meint Maximilian Günther gegenüber 'Motorsport-Total.com'.

Das war mit dem Gen1-Auto noch anders. Gab es damals eine Berührung, war das Rennen für die Beteiligten häufig gelaufen, weil Teile zu schnell abflogen. Vor allem die Radverkleidungen an den Hinterrädern wurden häufig in Mitleidenschaft gezogen - und das betraf am Ende auch häufig Fahrer, die eigentlich nichts für den Unfall konnten.

Gen1-Auto zu fragil

"Vorher war es so, dass Teile leicht abgeflogen sind, wo man gesagt hat: 'Das kann doch nicht sein, dass mein Frontflügel wegen so einer kleinen Berührung abfliegt'", meint Daniel Abt zu 'Motorsport-Total.com'. Er findet es daher gut, dass die Formel E drauf reagiert hat und das Auto robuster gemacht hat. Allerdings scheint man es dabei ein wenig übertrieben zu haben.

"Mit der Nase kannst du wahrscheinlich einen LKW von der Straße schieben, wenn du willst", drückt es Mahindras Pascal Wehrlein bildlich aus. Das ist auch bei der FIA angekommen.

Robin Frijns, Sebastien Buemi

Früher wurden viele Fahrer unschuldig in Mitleidenschaft gezogen Zoom

"Wir haben herausgefunden, dass das Auto robust ist - sehr robust", sagt FIA-Rundstreckendirektor Frederic Bertrand. "Wir haben gemerkt, dass das neue Auto zu viel Kontakt ermöglicht, ohne dass der Fahrer dafür den Preis bezahlt. Selbst in einigen Situationen, in denen man eigentlich erwarten kann, dass der Fahrer den Preis bezahlt, tut er es nicht", so Bertrand.

Eigentlich wollte man nur vermeiden, dass Fahrer durch eine unschuldige Kollision bestraft werden. Dabei ging es weniger um die Performance des Autos, als vielmehr um das Thema Sicherheit, weil viele Fahrer mit der "Spiegelei-Flagge" an die Box geholt werden mussten, weil Teile am Auto herunterhingen. "Das wollten wir lösen und haben so ein anderes Problem erschaffen", sagt Bertrand.

Problempunkt Energiemanagement

Doch es gibt noch einen weiteren Umstand, der zu dieser Thematik beigetragen hat. Durch das neue Rennformat von 45 Rennminuten plus einer Runde kommt es kaum noch zu Energiemanagement - vor allem wenn das Safety-Car auf die Strecke geschickt wird. Die Fahrer müssen daher nicht mehr so viel Energie sparen und fahren im Rennen eher Vollgas.


Die größten Unfälle der Formel E

"Deswegen ist es viel schwieriger zu überholen - und darum gibt es mehr Kontakt, weil es die Leute trotzdem probieren", merkt Ex-Champion Sebastien Buemi gegenüber 'Motorsport-Total.com' an. "Und wenn man dann noch weiß, dass die Chance gering ist, dass es schiefgeht, dann passiert das noch öfter", ergänzt Daniel Abt.

Die Formel E hatte in dieser Saison einige Rennen, die mit roter Flagge unterbrochen wurden - man erinnere nur an das Rennen in Rom, als nach der ersten Runde nichts mehr ging und eine lange Wartepause folgte. Auch das ist eine Folge aus der Bauweise der Autos und der aktuellen Fahrweise der Formel-E-Piloten, auch wenn Abt betont, dass kein Fahrer aktiv denkt: "Den knalle ich jetzt mal weg."

Wehrlein kein Freund von Tec-Pro

Pascal Wehrlein macht jedoch noch einen anderen Grund für die zahlreichen Unterbrechungen aus: "Ich bin kein Freund von diesen Tec-Pros", sagt er über die neuen Sicherheitsbarrieren. Er hätte lieber überall Betonmauern. "Sobald da ein Fahrer drinsteckt, ist die halbe Strecke blockiert, und der nächste Fahrer hinten dran fährt auch noch rein ..."

Wehrlein hatte dieses Erlebnis in Hongkong, als Felipe Nasr in der Tec-Pro steckte und der Deutsche nicht mehr ausweichen konnte. "Ich war eine halbe Sekunde hinter ihm. Er fährt in die Mauer rein, kommt dann wieder so halb zurück, ich fahre hinten drauf und es gibt rote Flagge", ärgert er sich. "Ich glaube, dass es besser Lösungen gibt für andere Streckenbegrenzungen, wo der Fahrer nicht drin stecken bleibt und sich kein Stau entwickelt."

Pascal Wehrlein

Für Pascal Wehrlein tragen die Tec-Pros mit zum aktuellen Chaos bei Zoom

Mit dieser Meinung steht Wehrlein aber im Grunde alleine da. Kein anderer von 'Motorsport-Total.com' gefragter Pilot spricht sich gegen die Barrieren aus: "Tec-Pro-Barrieren sind in gewissen Bereichen nötig", sagt etwa Gary Paffett. "Wenn man in die Mauer fährt, ist es wirklich hart - egal bei welchen Geschwindigkeiten."

"Das ist ein Riesenunterschied", ergänzt Abt und verdeutlicht das mit einem Beispiel: "Du musst ja nur mal mit dem Fuß gegen eine Mauer treten und gegen eine Tec-Pro - das fühlt sich schon anders an."

Der Meinung schließt sich auch Günther an, weil es bei Mauer mehr blaue Flecken gebe. "Klar gibt es unglückliche Fälle, wenn man da irgendwo steckenbleibt und es dadurch Unterbrechungen gibt. Das ist ein Risiko, das damit verbunden ist", meint er zu den Tec-Pros. "Kategorisch zu sagen, man nimmt wieder Reifenstapel oder sowas wäre der falsche Weg."

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