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Abt: Wie man der Renault-Dominanz trotzen möchte

Bei den ersten beiden Saisonläufen der Formel E war Renault e.dams das schnellste Team, doch Abt ist den Franzosen auf den Fersen und hat Schwächen ausgemacht

(Motorsport-Total.com) - Ist Renault e.dams in dieser Formel-E-Saison schlagbar? Diese Frage gilt es vor allem für das deutsche Team Abt zu beantworten. Dass die Franzosen zumindest in einem Rennen knackbar sind, hat der Sieg von Lucas di Grassi beim zweiten Saisonlauf in Putrajaya (Malaysia) bewiesen, doch sie über eine ganze Saison hinweg zu besiegen, ist eine andere Dimension. Denn die ersten zwei Saisonrennen haben gezeigt, dass der Vorteil doch recht groß war, obwohl das Abt-Team bei den Testfahrten in Donington mit Rundenrekorden glänzen konnte und so große Erwartungen schürte.

Daniel Abt

Das Abt-Team ist der Konkurrenz von Renault auf den Fersen Zoom

Umso größer war die Enttäuschung, als Renault e.dams beim Saisonauftakt in Peking im Qualifying eine Sekunde Vorsprung auf die Konkurrenz hatte und Sebastien Buemi den Lauf mit elf Sekunden Vorsprung gewann. Das muss auch Daniel Abt zugeben, der in China nur Elfter wurde: "In Peking waren wir schon ein bisschen enttäuscht, weil wir nicht ganz da waren, wo wir gerne gewesen wären", resümiert der Deutsche im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'.

Die Testzeiten in Donington hatten zuvor Mut gemacht, und laut Abt habe man dort auch nicht gepokert oder sei fälschlicherweise schnelle Zeiten gefahren. "Das Auto war schnell", sagt er, muss aber zugeben: "Aber es ist eben auch kein Stadtkurs." Mit den Gegebenheiten auf dem Rundkurs kam der Abt Schaeffler FE01 gut zurecht, doch in Peking, das eher ein repräsentatives Bild der Formel-E-Strecken abgibt, konnte Renault seine Stärken ausspielen.

Was Renault so stark macht

Doch wo liegen die Geheimnisse des starken Z.E.15? Durch die Beschränkungen in der Entwicklung konnten die Ingenieure der Elektrorennserie über den Sommer lediglich am Antrieb etwas gewinnen, doch das ist nur die halbe Wahrheit. Schon Teamgründer Alain Prost hatte gemeint, dass man vor allem am Getriebe und der Aufhängung einen großen Schritt getan habe. Das ist auch der Konkurrenz von Abt aufgefallen.

Lucas di Grassi, Sebastien Buemi

Speziell über die Randsteine sind die Blauen eine Nasenlänge voraus Zoom

"In Peking war zu sehen, dass Renault sehr, sehr stark über Randsteine und Bodenwellen fahren konnte. Gerade in den Schikanen können sie die Kerbs extrem cutten, ohne dass das Auto große Sprünge macht", erklärt Daniel Abt. "Da liegt deren Stärke, und ich bin mir nicht sicher, ob nicht auch im Motor ein kleines Geheimnis drin ist." Denn schon bei der Analyse am Bildschirm ist dem Deutschen aufgefallen, dass der Renault-Antrieb einen Tick stärker ist. Denn als Teamkollege Lucas di Grassi Renaults Nicolas Prost in Putrajaya attackiert hatte, sah die Sache eindeutig aus. "Er kam besser aus der Kurve, doch am Ende der Geraden ist Prost ihm wieder fast weggezogen."

Es scheint fast, als sei Renault e.dams auch 2015/2016 das Team, das es zu schlagen gilt. Schon in der Debütsaison der Formel E haben die Franzosen vorzeitig die Teammeisterschaft klar gemacht, und in der Fahrerwertung fehlte Buemi nur ein einziger Punkt auf Nelson Piquet jun., der mit seinem NextEV-Team derzeit unter ferner Liefen unterwegs ist. Renault konnte jedoch seine gute Position in der Meisterschaft halten und sie über den Sommer vielleicht sogar noch stärker zementieren.

Kurzer Aufholsprint vor Putrajaya

Ein Zufall ist das aber beileibe nicht. Mit geschätzten zehn Millionen Euro wird der finanzielle Input des Herstellers gerüchteweise beziffert, zudem besitzt man natürlich schon ein gewisses Knowhow von der Elektrotechnologie aus der Formel 1. "Die haben natürlich einen enormen Background, auf den sie zurückgreifen können, und natürlich auch alle Mittel, um das Thema zu lösen", sagt Daniel Abt, weiß aber, dass sein Team mit Audi und Schaeffler ebenfalls über gute Partner und genügend Ressourcen verfügt. "Von daher sind wir nicht in einer Position, in der wir uns verstecken müssen. Aber mit solchen Summen schmeißen wir noch nicht um uns", betont der Kemptener.

Sam Bird, Lucas di Grassi, Robin Frijns

In Putrajaya war plötzlich Lucas di Grassi der gefeierte Sieger Zoom

Doch auch bei Abt scheint der Pfeil in die richtige Richtung zu zeigen. In den wenigen Tagen zwischen Peking und dem zweiten Saisonrennen in Putrajaya konnte der Rennstall einige Schwächen beheben und den eigenen Boliden somit stärker machen. Zwar war Renault e.dams auch in Malaysia noch mit einer besseren Performance unterwegs, doch der Abstand hatte sich merklich verringert, und durch die technischen Probleme bei den Blauen konnte Lucas di Grassi seinen zweiten Sieg in der Elektrorennserie einfahren.

"Man kann natürlich in zwei Wochen keine Bäume ausreißen", meint Abt zu den Verbesserungen für Putrajaya, doch weil man sich speziell in Sachen Fahrwerk und Fahrbarkeit des Autos steigern konnte, sah die Lage vor den Toren Kuala Lumpurs schon besser aus. "Das ist ganz, ganz wichtig", betont Abt. "Wir hatten da ein, zwei Themen, die uns in Peking daran gehindert haben, dass wir Fahrer uns im Auto 100-prozentig wohl fühlen - und das ist auf einem Stadtkurs das A und O."

Wenn die Quali die Performance verschleiert

In Putrajaya sollten sich die Piloten schließlich besser fühlen, wie die Plätze drei und fünf im Freien Training gezeigt hatten, doch im Qualifying lief es plötzlich wieder schlecht: Rang sechs für di Grassi und Rang zehn für Abt war nicht das, was man sich bei den Kemptenern erhofft hatte, doch bei allen Verbesserungen darf man eben nicht vergessen, dass in einem immer technischer werdenden Sport auch der Fahrer noch eine große Rolle für die Platzierung spielt - und da lief in Malaysia noch nicht alles nach Maß, während Buemi an der Spitze vor Selbstvertrauen strotzte.


Formel E: Team Abt vor Saison 2

Lucas di Grassi und Daniel Abt wollen in der zweiten Saison einen Schritt weiter gehen Weitere Formelsport-Videos

"Lucas war auf einer sehr schnellen Runde, bevor er die Mauer geküsst hat, und bei mir hat der neue Reifen irgendwie nicht funktioniert und ich konnte nicht einmal die Zeit aus dem Freien Training wiederholen", erklärt Abt die enttäuschende Qualifikation. Doch das sei eben auch die Schwierigkeit in diesem Jahr: "Man hat genau eine Runde, und entweder man trifft es oder man trifft es eben nicht. Wir waren dann ein bisschen enttäuscht, wussten dann aber als wir ins Rennen gegangen sind schon, dass unsere Performance besser als unsere Startposition ist."

Renault: Achillesferse Zuverlässigkeit?

Und so schien eigentlich der Weg für den zweiten Saisonsieg von Konkurrent Renault e.dams schon bereitet, doch der ePrix von Malaysia hielt für die Formel-E-Welt einige Überraschungen parat. Die Hitze von Putrajaya machte einigen Teams schwer zu schaffen und deckte auch die Achillesferse der bislang so dominanten Franzosen auf: die Zuverlässigkeit. "Das scheint auf jeden Fall ihre Schwäche zu sein", so Abt bei 'Motorsport-Total.com' weiter.

Nicolas Prost

In den ersten beiden Saisonrennen war der Renault Z.E.15 noch nicht standfest Zoom

"Beim Testen sind sie einige Male mit diversen Problemen stehengeblieben. Wir waren dann eigentlich eher überrascht, dass sie im ersten Rennen so problemlos durchgekommen sind", meint der ehemalige GP2-Pilot weiter. Darin liegt derzeit auch die Hoffnung des Abt-Teams, das bislang ohne größere technische Schwierigkeiten durch die ersten zwei Saisonrennen gekommen ist - sieht man einmal von den Problemen bei Abts Boxenstopp in Malaysia ab. "Man muss darauf hoffen, dass es weiterhin so ist, weil es uns die Möglichkeit gibt, viele Punkte im Vergleich zu ihnen zu holen."

Als ultimative Lösung betrachtet man das bei den Deutschen natürlich nicht. Nur darauf zu hoffen, dass unvorhergesehene Probleme wie bei Prosts Heckflügelbruch in Peking oder bei Buemis doppelter Ausroll-Einlage in Putrajaya passieren, ist keine Alternative. Man möchte die Franzosen auch sportlich aus eigener Kraft knacken. "Das muss natürlich unser Ziel sein und wir werden alles dafür tun", lautet Abts Kampfansage an die Konkurrenz. Er weiß, dass das Unternehmen hart wird - aber nicht unmöglich.

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