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Sebastian Vettel

Sebastian Vettel
Deutschland

Porträt

(Stand: Februar 2021) Spätestens nach dem "Wunder von Monza", dem Sensationssieg beim Italien-Grand-Prix 2008 (im Toro Rosso im Regen), wurde Sebastian Vettel als der Nachfolger Michael Schumachers gehandelt. Seit 2010 ist er tatsächlich der zweite von drei deutschen Weltmeistern in der Formel 1. Mittlerweile hat Vettel vier Titel mit Red Bull auf der Habenseite. Sein Traum von weiteren WM-Triumphen mit Ferrari hat sich zwischen 2015 und 2020 nicht erfüllt. 2021 schlägt Vettel mit Aston Martin daher ein ganz neues Kapitel seiner Formel-1-Laufbahn auf.

Die Motorsportkarriere des Heppenheimers begann 1995 im Kartsport. Dort eilte er von Erfolg zu Erfolg und schlug 2003 in seiner ersten Saison in der Formel BMW mit dem zweiten Gesamtrang ein. 2004 war er nicht mehr zu bremsen: 18 Siege in 20 Rennen bedeuteten überlegen die Meisterschaft und bis heute einen Rekord. 2005 hatte Vettel Startschwierigkeiten in der Formel-3-Euroserie, in der er dennoch als bester Neuling Gesamtfünfter wurde (Meister: Lewis Hamilton).

2006 kämpfte Vettel bis zum Schluss gegen Paul di Resta um den Titel, allerdings erfolglos. Eine erste große Talentprobe gab er mit seinem beeindruckenden Formel-1-Einstand bei BMW ab, als er in der Türkei in seinem ersten Freien Training Bestzeit fuhr. Anschließend fanden zwei Siege bei Gasteinsätzen in der Renault-World-Series ihren Weg in seine Vita. In der Formelserie war Vettel auch 2007 parallel zu seinem Engagement als Formel-1-Testfahrer aktiv.

Schon in seiner ersten Saison als Ersatzfahrer von BMW kam der Heppenheimer zu einem Renneinsatz, als Stammfahrer Robert Kubica in Kanada einen schweren Unfall hatte und aus Sicherheitsgründen beim US-Grand-Prix pausierte. In Indianapolis holte sich Vettel als Achter einen WM-Punkt und schrieb als bis dato jüngster Punktesammler der Formel 1 Geschichte. Er war 19 Jahre und 349 Tage alt.

Ende Juli erhielt er die Freigabe von BMW, als Toro Rosso einen Nachfolger für Scott Speed suchte. Vettel wurde vom italienischen Rennstall ab dem Ungarn-Grand-Prix für den Rest der Saison als Stammfahrer eingesetzt und zudem für 2008 bestätigt. Starke Auftritte bei den Asien-Rennen und der Sensationssieg in Italien festigten seinen Status als Wunderkind. Er erfüllte er die Erwartungen im Juniorteam des Getränkekonzerns voll, was ihm die Beförderung zu Red Bull einbrachte.

2009 startete er endgültig durch: Vettel feierte vier weitere Grand-Prix-Siege und hatte bis zum vorletzten Rennen in Brasilien Titelchancen. Schließlich musste er sich aber Jenson Button geschlagen geben. Es war das vorerst letzte Mal, dass Vettel einem Konkurrenten im Titelkampf den Vortritt lassen musste.

2010 krönte er sich im Alter von 23 Jahren und 135 Tagen zum jüngsten Weltmeister: Er war als krasser Außenseiter zum Saisonfinale nach Abu Dhabi gereist, wo er Fernando Alonso sowie Teamkollege Mark Webber noch abfing und für ein Märchen aus 1.001 Nacht sorgte.

2011 gelang ihm die Titelverteidigung in beeindruckender Manier: Vettel holte elf Siege und 17 Podestplätze in 19 Rennen - Rekord. Auch 15 Polepositions, 18 Starts aus der ersten Reihe und 739 Führungsrunden in diesem Jahr bedeuteten historische Bestmarken. 2012 folgte der dritte Streich, allerdings musste der Deutsche bis zum Saisonfinale in Brasilien gegen Dauerrivale Alonso kämpfen.

Ein Jahr später war es ein Spaziergang: Vettel sicherte sich bereits nach 16 von 19 Saisonrennen den vierten WM-Titel in Folge und sorgte erneut für Rekorde: 13 gewonnene Grands Prix in einer Saison und neun Siege in Serie, beginnend in Belgien bis zur letzten Zielflagge. Noch wichtiger war es für Vettel jedoch, mit seinem Erfolg am Nürburgring einen ersehnten "Heimsieg" zu landen.

Mit Vettels Dominanz prägte auch sein Red-Bull-Team die Formel 1 und holte von 2010 bis 2013 vier Titel in der Konstrukteurs-WM. Immer wieder gab es Beschwerden bezüglich der Legalität der von Stardesigner Adrian Newey entworfenen Boliden, denen die FIA aber nur in wenigen Fällen stattgab.

Auch Vettels Stallduell mit Webber blieb den Fans im Gedächtnis: Das Verhältnis zum Australier war bis zuletzt frostig, auch wegen eines Crashs in der Türkei 2010 sowie der Affäre um den Funkspruch "Multi 21" in Malaysia 2013, als Vettel eine vermeintliche Stallregie ignorierte. Dazu vergifteten zahlreiche Gerüchte um eine interne Bevorzugung des Deutschen die Atmosphäre.

Erst 2014 endete die Dominanz Red Bulls und damit auch die interne Vorherrschaft Vettels. Im Vergleich mit dem aufstrebenden Daniel Ricciardo zog er, von technischen Problemen geplagt, meistens den Kürzeren und schloss die WM auf dem fünften Gesamtrang ab. Es war die erste volle Formel-1-Saison, in der er ohne Grand-Prix-Sieg blieb. Und offenbar Zeit für einen neuen Impuls: In Japan verkündete Red Bull die Trennung, in Abu Dhabi war der Wechsel zu Ferrari perfekt.

In der Saison 2015, seinem ersten Jahr bei der Scuderia, hatte Vettel Freund und Teamkollege Kimi Räikkönen klar im Griff. Schon in seinem zweiten Rennen in Rot in Malaysia siegte er sensationell und weckte bei den Tifosi die Hoffnungen, dass die Mercedes-Dominanz zu brechen sein könnte. Zwar etablierte sich Vettel als dritte Kraft im Feld und holte zwei weitere Grand-Prix-Erfolge, doch gegen Lewis Hamilton und Nico Rosberg war meist kein Kraut gewachsen.

Dennoch: Die Kombination Vettel und Ferrari harmonierte, schließlich war der Heppenheimer in Maranello als Erlöser nach einer sieglosen Saison ein gefeierter Held. Die Traumehe kriselte 2016, als erhoffte Fortschritte bei den Roten ausblieben. Teamchef Maurizio Arrivabene übte offen Kritik an Vettel, als er ihn als "Hansdampf in allen Gassen" beschrieb. Ein Jahr ohne Grand-Prix-Sieg beendete er als Vierter der Gesamtwertung, doch es ging 2017 bergauf. Lange kämpfte Vettel mit Hamilton um den Titel, schlug mit fünf Rennsiegen aber nur einen Silberpfeil. Tiefpunkt der Saison war ein absichtlicher Rammstoß gegen den Briten in einer Safety-Car-Phase in Aserbaidschan. 2018 war das Bild ganz ähnlich: Vettel holte wieder fünf Erfolge, verlor mit Ferrari nach der Sommerpause jedoch seine gute Form. Vier Kollisionen ließen Zweifel an seiner mentalen Fitness aufkommen.

2019 begann vielversprechend bei den Testfahrten, doch alsbald stellte sich Ernüchterung ein bei Ferrari und besonders bei Vettel: Die Erfolge blieben aus, Neu-Teamkollegen Charles Leclerc war oft schneller. Vettel erzielte erst im Herbst in Singapur seinen einzigen Saisonsieg, stand bis dahin (und auch darüber hinaus) teilweise heftig in der Kritik. Auch aufgrund seines Verhaltens in Kanada: Vettel hatte sich eine 5-Sekunden-Zeitstrafe eingehandelt und verlor so den Sieg an Hamilton, stellte im Parc ferme jedoch die Positionstafeln um und verweigerte zunächst ein Interview, ehe er doch zur Podiumszeremonie erschien.

Und es blieb kontrovers: Noch vor dem verspäteten Saisonstart 2020 kündigte Ferrari die Zusammenarbeit mit Vettel zum Saisonende auf und holte Carlos Sainz als Nachfolger. Zwischen Vettel und Leclerc knirschte es erneut mehrfach auf der Rennstrecke, gleich im zweiten Saisonrennen kam es zur Kollision. Vettel machte kaum einen Stich gegen den Teamkollegen, war sowohl im Qualifying als auch im Rennen meist der Langsamere - und schaffte nur einmal in 17 Rennen als Dritter den Sprung auf das Podium. Der erhoffte WM-Titelgewinn mit Ferrari blieb aus.

Zur Saison 2021 wechselte Vettel mit einem mehrjährigen Vertrag zu Aston Martin.

Privat ist Vettel eine ruhige Erscheinung und seit der gemeinsamen Schulzeit mit Hanna Sprater liiert. Im Januar 2014 freute sich das auf einem renovierten Bauernhof in der Schweiz lebende Paar über die Geburt einer Tochter. Im September 2015 gab es zum zweiten Mal Babyglück mit einer weiteren Tochter, was Vettel jedoch lange geheim hielt. Im November 2019 folgte das dritte Kind, ein Sohn.

Seine Erfolge haben Vettel zahlreiche Ehrungen eingebracht, darunter die Ehrenbürgerwürde der Stadt Heppenheim, das Silberne Lorbeerblatt, die Titel als "Sportler des Jahres" in Deutschland und Europa sowie nicht zuletzt auch die Ehrenmitgliedschaft bei seinem Lieblingsfußballklub Eintracht Frankfurt.