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Nico Hülkenberg

Nico Hülkenberg
Deutschland

Porträt

(Stand: 31. Juli 2020) Oft suchte Nico Hülkenberg in seiner Karriere sein Glück auf's Neue. 2020 erhielt er unverhofft eine Comeback-Chance bei Racing Point in Silverstone. Zuvor war Ende 2019 bei Renault vorerst Schluss in der Formel 1. Seine Laufbahn begann mit seinem Debüt 2010 bei Williams und sah viele Erfolge, aber auch manchen Umweg. Etwa über die 24 Stunden von Le Mans, die er im "Nebenjob" für Porsche gewann. Sie markieren bis heute den größten sportlichen Erfolg Hülkenbergs.

Kaum jemand weiß so gut wie der Deutsche: Der Weg in die Formel 1 ist steinig. Bei Hülkenberg passte alles zusammen, weil ihn seine Eltern bedingungslos unterstützten. Dass es mit einem gewissen Risiko verbunden war, alles auf eine Karte zu setzen, hat er nie angezweifelt, aber auch nie ans Scheitern gedacht. Zunächst gewann Hülkenberg im Alter von 15 Jahren die Deutsche Junioren-Kartmeisterschaft. Drei Jahre später holte er sich in der Formel BMW den Deutschen Meistertitel.

Es folgte ein weiterer Meilenstein: Nach einer erfolgreichen Teilnahme an der A1GP-Serie gelang ihm der Sprung in die Formel-3-Euroserie, darüber hinaus gewann er das prestigeträchtige Formel-3-Masters in Zolder. Williams wurde auf den jungen Fahrer aufmerksam und lud ihn zu Testfahrten ein. Hülkenberg überzeugte und unterschrieb 2008 einen Testfahrervertrag. 2009 folgte der Sprung in die GP2-Serie. Er brillierte, siegte fünfmal und gewann die Meisterschaft überlegen.

Der Lohn für die Mühen waren ein Williams-Einsatzcockpit 2010. Ihm gelang eine kleine Sensation in Brasilien: Bei schwierigen Mischbedingungen foppte Hülkenberg die versammelte Elite mit einer sagenhaften Qualifying-Bestzeit, über eine Sekunde schneller als Sebastian Vettel. Trotz dieser Galavorstellung und sieben Punktresultaten war danach Schluss bei Williams. Die Ölmillionen des Pastor Maldonado waren mehr wert. Bei Force India fand Hülkenberg als Testfahrer einen neuen Arbeitsplatz, 2012 rückte er in das Stammcockpit auf und punktete in elf von 20 Rennen.

Und wieder gab es die Gala in Sau Paulo: Der Grand Prix von Brasilien 2012 zählt zu den größten Highlights in seiner Karriere. Ein Sieg war möglich. 30 Runden lang hielt sich Hülkenberg in einem spektakulären Kampf souverän an der Spitze, ehe es zu einer Kollision mit Lewis Hamilton kam und sich seine Träume zerschlugen. Trotzdem kürte seine Saison 2012 mit einem fünften Platz und dem elften Gesamtrang in der Fahrer-WM. Anschließend wählte Hülkenberg die Risiko-Variante und schloss sich trotz allem Bemühen des Force-India-Patron Vijay Mallya Sauber an.

Bei den Schweizern lief es erst gegen Ende der Saison rund. In Südkorea glückte ihm mit Rang vier das beste Formel-1-Ergebnis seiner Karriere, für Platz zehn galt das Gleiche in Bezug auf die Fahrer-WM. Bereits zuvor hatte Hülkenberg aber seinen Vertrag bei Sauber gekündigt. Es gab ernsthafte Verhandlungen mit Ferrari, wo jedoch Superstar Kimi Räikkönen den Vorzug erhielt. Bei Lotus war es erneut Maldonado, der sich den Drive mit üppiger Mitgift sicherte.

Force India nahm "Hülk" mit Kusshand ein zweites Mal und machte alles richtig: 2014 holte er in 15 von 19 Rennen WM-Punkte, verpasste aber die Chancen auf sein erstes Formel-1-Podium. Die Saison 2015 entwickelte sich ähnlich, allerdings punktete Hülkenberg erst gegen Saisonende mit der B-Version des Force India regelmäßig und musste sich Teamkollege Sergio Perez geschlagen geben. Auch im Folgejahr schrammte Hülkenberg am ersten Podium vorbei, egalisierte als WM-Neunter aber sein stärkstes Gesamtergebnis und unterschrieb einen Renault-Vertrag. Bei den Franzosen widmete er sich 2017 bis 2019 der Entwicklungsarbeit mitsamt sporadischer Rennhighlights. Insgesamt blieb das Projekt allerdings hinter den Erwartungen.

Nach seinem vorläufigen Karriereende tat sich nach nur drei Grands Prix 2020 die große Chance auf: Sergio Perez wurde vor dem Großbritannien-Rennen positiv auf COVID-19 getestet, weshalb Racing Point (vormals Force India) einen Ersatzmann suchte. Hülkenberg nahm die Herausforderung an und dockte ein drittes Mal beim Team aus Silverstone an.

2015 startete Hülkenberg neben seinem Engagement in der Königsklasse auch für das Porsche-Werksteam bei ausgewählten Läufen zur Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC), darunter die 24 Stunden von Le Mans. An der Seite von Nick Tandy und Earl Bamber gelang an der Sarthe die Sensation mit dem Gesamtsieg im LMP1-Boliden 919 Hybrid.

Hülkenberg gilt als ausgewiesener Teamplayer. Das ist bei ihm nicht nur Pflichtprogramm, sondern ein entscheidender Teil seiner Persönlichkeit. Neben seinem technischen Verständnis für das Auto trägt er mit seiner entspannten, humorvollen und aufgeschlossenen Art zum positiven Teamgeist bei. Bevor er Williams-Stammfahrer wurde, machte er beim Team ein Praktikum und tingelte durch jede Abteilung. Dafür hatte er sich extra eine Bleibe in der Studentenstadt Oxford gesucht.

Privat war er lange mit Laura Zinnel, einer Polizistin, glücklich. Mittlerweile schlägt Hülkenbergs Herz für die litauische Modedesignerin Egle Ruskyte. Seine Eltern besitzen eine Speditionsfirma in seiner Heimatstadt Emmerich, in der der Filius den Beruf des Speditionskaufmanns lernte.

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