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Zwischengas-Ausnahmeregelung sorgt für Streit

Wortgefecht zwischen Martin Whitmarsh und Christian Horner: Die angebliche Ausnahmeregelung für den Renault-Motor sorgt für Ärger

(Motorsport-Total.com) - So langweilig das (verregnete) Freitagstraining in Silverstone über weite Strecken war, so interessant gestaltete sich die traditionelle FIA-Pressekonferenz der Teamvertreter im Anschluss an die Session am Nachmittag. Denn dabei kam es zu einer lautstarken Auseinandersetzung zwischen Martin Whitmarsh (McLaren) und Christian Horner (Red Bull).

Christian Horner und Martin Whitmarsh

Christian Horner und Martin Whitmarsh sind nicht gut aufeinander zu sprechen Zoom

Hintergrund ist die endgültige Präzisierung des Zwischengas-Verbots, das bekanntlich ab diesem Wochenende erstmals in vollem Umfang in Kraft tritt. Renault, Motorenlieferant des Weltmeisterteams Red Bull, hatte schon vor Wochen argumentiert, man müsse sogenannte Zwischengas-Mappings sogar weiterhin fahren, weil sonst die Zuverlässigkeit des V8-Triebwerks darunter leiden würde. Der positive Effekt, dass von den Auspuffgasen die Effizienz des Diffusors erhöht wird, nehme man mit, aber die Mappings seien grundsätzlich notwendig.

FIA-Cheftechniker Charlie Whiting hatte zunächst in Aussicht gestellt, dass man ab dem Moment, wenn der Fahrer nicht mehr auf dem Gaspedal steht, je nach Drehzahl maximal eine zehn- beziehungsweise 20-prozentige Öffnung der Drosselklappen zulassen werde. Auf die Renault-Bitte nach einer Ausnahmereglung wurde geantwortet, dass man die aktuellen Mappings mit jenen von 2009, als es noch keine angeströmten Diffusoren gab, vergleichen und dann eine Entscheidung treffen werde.

¿pbvin|512|3863||0|1pb¿"Ein Motorenhersteller bittet um ein bisschen mehr - aus Gründen, die ehrlich erscheinen", hatte Whiting Ende Juni angedeutet. "Wir haben die Möglichkeit, uns die Mappings von 2009 anzuschauen, denn wir haben alle Aufzeichnungen. Wenn wir zum 2009er-Mapping zurückgehen und feststellen, dass dieser Motorenhersteller damals etwa 28 Prozent Gas gebraucht hat, um null Newtonmeter bei 18.000 Umdrehungen pro Minute zu erreichen, dann ist das legitim, weil der Auspuff damals ja noch nicht an der Position war, an der er heute ist."

Wenn jedoch jemand um eine Ausnahme bittet, aber nicht nachweisen kann, dass er schon 2009 mehr als zehn beziehungsweise 20 Prozent Zwischengas gefahren ist, "dann gilt das Argument nicht, denn die Motoren haben sich ja seither nicht verändert, weil sie homologiert sind", stellte Whiting in Valencia klar und ergänzte: "Wenn ein Fahrer x Drehmoment fordert, wissen wir, was das Team früher hinsichtlich Benzin und Zündung gemacht hat. Fällt uns da eine Ungleichmäßigkeit auf, dann entsteht der Verdacht, dass es dafür unlautere Gründe gibt."

Doch zunächst hatte niemand damit gerechnet, dass die FIA tatsächlich eine Ausnahmeregel, von der Renault unter Umständen sogar profitieren könnte, zulassen würde. Zwar hatten einige befürchtet, dass man den Franzosen (und damit auch Red Bull) im Schleppbetrieb auf Basis der Vergleichswerte von 2009 mehr als die 20-prozentige Toleranz einräumen würde, doch wie 'auto motor und sport' nun berichtet, wird Renault angeblich sogar eine 50-prozentige Öffnung der Drosselklappen gestattet.


Fotos: Großer Preis von Großbritannien, Freitag


Darüber ist Whitmarsh stinksauer: "Wir sind nie mit einer derartigen Öffnung gefahren", schimpfte er laut Informationen der Fachpublikation im Rahmen der heutigen Pressekonferenz. "Bei uns wird der Gaswechsel über Walzenschieber gesteuert. Selbst wenn wir jetzt 50 Prozent öffnen dürfen, hätten wir keinerlei Erfahrungswerte damit. Wir würden ins kalte Wasser geworfen." Nachsatz: "Da sind wir ja schlechter dran als vorher!"

Whitmarsh und Horner lieferten sich im Rahmen der Fragestunde durch die internationalen Journalisten ein aufgeheiztes Wortgefecht - angeblich sollen Renault und Red Bull im Vorfeld sogar höchste sportpolitische Kreise aktiviert haben, um die erwünschte Ausnahmeregelung durchzusetzen. Doch während sich die beiden verschiedenste technische Details um die Ohren warfen, konnte nur Lotus-Teamchef Tony Fernandes (übrigens ebenfalls Renault-Kunde) noch grinsen: "Ich habe keine Ahnung, wovon die da sprechen..."

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