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  • 01.02.2015 · 20:18

  • von Christian Nimmervoll & Roman Wittemeier

Zwei Teams in Problemen: Fehlt Force India in Melbourne?

Lotus nimmt den ersten Formel-1-Test 2015 verspätet in Angriff, Force India gar nicht - Team von Nico Hülkenberg widerspricht besorgniserregenden Informationen

(Motorsport-Total.com) - Sieben Teams eröffneten heute in Jerez die Formel-1-Testfahrten 2015, und allesamt gingen mit ihren neuen Autos auf die Strecke. Caterham und Marussia fehlen "programmgemäß", aber dass Lotus und Force India noch nicht einsatzbereit sind, zeichnet kein gutes Bild vom "Gesundheitszustand" der Königsklasse. Denn die beiden Teams gelten als finanziell angeschlagen - und das nicht erst, seit sie am Ende der Saison 2015 (gemeinsam mit Sauber) mit Streik gedroht haben.

Lotus-Truck bei Formel-1-Tests in Jerez

Das Lotus-Team traf erst am Sonntagnachmittag mit dem E23 in Jerez ein Zoom

Während der Lotus E23 am späten Sonntagnachmittag in Südspanien landete und noch diese Woche seine Jungfernfahrt absolvieren wird, konnte sich Nico Hülkenberg den Luxus leisten, in seinem Hotelzimmer in den Bergen das Australian-Open-Finale zwischen Novak Djokovic und Andy Murray zu schauen. Denn Force India lässt die komplette erste Testwoche in Jerez aus - und kämpft laut Informationen von 'Motorsport-Total.com' sogar ums nackte Überleben.

Wegen offener Rechnungen in Millionenhöhe haben Zulieferer ihre Zusammenarbeit mit Force India vorübergehend beendet. So ist etwa bei Toyota in Köln (Windkanal) eine siebenstellige Summe ausständig, und auch dem Kohlefaser-Hersteller EPM Technology wird angeblich Geld geschuldet. EPM verweigert nun, so heißt es, die Auslieferung des Monocoques - und das stellt Force India, bei der "Präsentation" in Mexiko noch mit 2014er-Auto anwesend, vor ein gravierendes Problem.

Der Test in Jerez war sowieso nie geplant, Barcelona I (19. bis 22. Februar) könnte unter diesen Umständen aber ebenfalls noch zu früh kommen. Theoretisch wäre es denkbar, ein 2014er-Monocoque unter ein 2015er-Chassis zu montieren, aber offiziell verweist das Team solche Sorgen ohnehin ins Reich der Fabeln: "EPM ist ein Zulieferer und wurde bezahlt. Unser Ziel bleibt unverändert die Teilnahme am Barcelona-Test", heißt es auf Anfrage von 'Motorsport-Total.com'.

Dass auch Mitarbeiter in Silverstone ihre Gehälter derzeit nicht pünktlich überwiesen bekommen und wichtige Entscheidungsträger im Paddock davon ausgehen (zumindest hinter vorgehaltener Hand), Force India in Melbourne nicht am Start zu sehen, zeichnet ein düsteres Bild - und würde auch dazu passen, dass Hülkenberg lieber demonstrativ Tennis schaut und Ski fährt, statt sich mit dem vielbeachteten Testauftakt der Konkurrenz auseinanderzusetzen.

Nicht ganz so dramatisch scheint die Schieflage bei Lotus zu sein. Am Samstagabend fand in der Fabrik in Enstone das erste "Fire-up" des E23 statt, heute Morgen wurde dieser von Birmingham nach Jerez geflogen. Über Nacht wird das Auto aufgebaut, spätestens am Dienstag und Mittwoch soll es dann auch fahren. Ein erstes Rollout schon am späten Montagnachmittag wäre wünschenswert, ist aber nicht gesichert.

Man habe mit dem E23 ein "sehr straffes und aggressives" Entwicklungsprogramm verfolgt, sagt Technikchef Nick Chester. Außerdem handle es sich beim E23 "um eines der technologisch am weitesten fortgeschrittenen Autos, das je in Enstone gebaut wurde. Sobald wir aus technischer Sicht bereit sind, werden wir damit auf die Strecke gehen." Von der neuen Zusammenarbeit mit Mercedes verspricht sich Lotus 2015 sportlich positive Akzente.