• 04.12.2023 10:58

  • von Paul Reis, Co-Autor: Jonathan Noble

Zwei Saisons ohne Sieg: Hamilton über die längste Durststrecke seiner Karriere

Lewis Hamilton blickt zurück und erklärt, warum die vergangenen beiden sieglosen Jahre nicht die schwierigste Zeit seiner Karriere gewesen sind

(Motorsport-Total.com) - 103 Rennsiege, 104 Polepositions und sieben Weltmeisterschaften in 17 Jahren Formel 1 - Lewis Hamilton ist statistisch gesehen der bis dato erfolgreichste Fahrer der Königsklasse des Motorsports. Allerdings wartet der erfolgsverwöhnte 38-jährige Mercedes-Pilot seit über zwei Jahren auf den nächsten Erfolg, nachdem er zuvor in 15 Formel-1-Saisons immer mindestens einen Rennsieg pro Jahr feiern durfte.

Titel-Bild zur News: Hamilton kann den vergangenen beiden Jahren auch was abgewinnen

Hamilton kann den vergangenen beiden Jahren auch was abgewinnen Zoom

Obwohl Hamilton seit Dschidda 2021, was Rennsiege angeht, auf dem Trockenen liegt, weigert er sich, die vergangenen beiden Jahren als die schwierigste Zeit seiner Karriere zu bezeichnen: "Ich denke, das ist ein Trugschluss. Ich hatte auch als jüngerer Fahrer schwierige Jahre. Das Auto 2009 war furchtbar und wir konnten nur dank des zweiten Upgrades in dieser Saison ein Rennen gewinnen."

"Auch die Jahre 2010 und 2011 waren nicht besonders großartig. Einmal habe ich mich schwergetan und einmal war das Auto nicht wirklich gut", erklärt Hamilton, gibt aber gleichzeitig zu: "Wenn man nur auf die Erfolge schaut, dann ist es vielleicht die längste Durststrecke meiner Karriere, aber wenn man sich die Rennsiege wegdenkt, waren die Saisons ziemlich ähnlich."

Jüngste Form mit schlechtesten Zahlen

Ein Blick auf die Zahlen untermauert Hamiltons Behauptung nur ansatzweise. 2009 schloss der Brite mit zwei Siegen und sieben weiteren Podestplätzen auf Rang fünf ab. Ein Jahr später kämpfte er mit drei Siegen, fünf zweiten und zwei dritten Plätzen sogar bis zum Saisonende um die Fahrerweltmeisterschaft. Und auch 2011 fällt die Bilanz mit drei Siegen und drei zweiten Plätzen ähnlich aus.

Mit der Einführung des neuen Aerodynamik-Konzeptes von 2022 gelang es Mercedes und Hamilton nicht mehr, in einer ähnlichen Frequenz um Siege zu kämpfen. 2022 beendete der Brite mit neun Podiumsplatzierungen sogar nur Platz sechs - der schlechtesten Endplatzierung seiner Karriere.


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Noch dazu war es der frisch ins Team gekommene Russell und nicht der im Team etablierte Weltmeister Hamilton, der in Brasilien den einzigen Mercedes-Sieg der Saison eingefahren hatte.

Hamilton sieht sich persönlich noch weiter gereift

Die Zahlen von 2023 lesen sich mit sechs Podien, einer Poleposition, WM-Platz drei und einem klar geschlagenen Russell schon deutlich freundlicher.

"Ich denke, ich habe auf der mentalen Ebene viel gelernt, wie ich mich geistig fit halten und positiv bleiben kann", erklärt Hamilton. Er führt diese Entwicklung vor allem auf neue "Werkzeuge” zurück, die er sich in den vergangenen beiden Jahren erarbeitet und in sein "Arsenal" aufgenommen hat. Ich bin 38, fast 39, und ich fühle mich großartig in meinem Körper. Das liegt auch an den neuen Werkzeugen, die ich mir in den vergangenen beiden Jahren angeeignet habe." Auch die Zeit abseits der Rennstrecke verbringe er jetzt anders, wodurch es ihm gelänge "einen viel besseren Job" zu machen, wenn es darum geht, "fokussiert zu bleiben und Energie aufzubauen".

Doch auch an einem Hamilton sind zwei Jahre ohne Sieg nicht spurlos vorbeigegangen: "Wenn du zwei so schwierige Saisons durchgemacht hast, kommst du automatisch an den Punkt, wo du dich fragst: 'Liegt es an mir oder am Auto? Hast du noch, was es braucht, um erfolgreich zu sein oder hast du es verloren?' Denn nur wenn alles zusammenkommt, passiert etwas Magisches. Dann entwickeln Fahrer und Auto diesen speziellen Funken extra, den man natürlich immer sucht."

Selbstzweifel, das betont Hamilton, sind auch bei einem Rekordweltmeister normal: "Ich bin immer noch ein Mensch und jeder Mensch, der sagt, er sei von Selbstzweifeln befreit, macht sich was vor."