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Zurück zur Zuverlässigkeit: Beide McLaren in Sao Paulo im Ziel

Nach den vielen Problemen sehen Fernando Alonso und Jenson Button beim Großen Preis von Brasilien 2015 die Zielflagge - Fortschritte auch im Hinblick für 2016

(Motorsport-Total.com) - Das schwierige Wochenende für McLaren-Honda in Sao Paulo kam doch noch zu einem versöhnlichen Ende. Nach den vielen Problemen, die insbesondere Fernando Alonso betroffen hatten, kamen beide Fahrzeuge im Rennen ohne Probleme ins Ziel. Mehr als die Plätze 15 und 16 waren für Jenson Button und Fernando Alonso aber nicht drin. Was sich vom Resultat her nach weniger als Durchschnittskost anhört, macht trotzdem Mut: Die Punkte waren nicht zu weit weg.

Jenson Button, Fernando Alonso

Es geht doch: Das Brasilien-Wochenende endete für McLaren versöhnlich Zoom

"Natürlich genießt man es nicht, auf solchen Positionen zu fahren, aber wenigstens konnten wir heute einige Fahrer unter Druck setzen", sagt Button, der von "deutlichen Fortschritten" spricht. "Wir waren nur zwölf Sekunden hinter dem zehnten Platz und das ohne Safety-Car. Das ist näher an den Punkten, als wir erwarten konnten." Streng genommen hatte sich der Abstand auf Max Verstappen auf 13 Sekunden hochaddiert hat (Zum Ergebnis), doch Button weiß, wovon er spricht: Für ihr Verhältnis waren die McLaren MP4-30 in Sao Paulo konkurrenzfähig.

"Beide Fahrer sind heute wieder einmal entschlossen und geschickt zu Werke gegangen", lobt Eric Boullier seine beiden Weltmeister. "Natürlich wurden ihre Anstrengungen von der langen Bergauf-Geraden durchkreuzt, von der wir wussten, dass sie die Performance unseres Fahrzeugs zu dessen Nachteil beeinflussen würde." Dennoch schickt er auch ein Lob an den an diesem Wochenende arg gebeutelten Motorenlieferanten Honda: "Beide Antriebseinheiten liefen den ganzen Nachmittag wie Uhrwerke. Das ist lobenswert und bildet eine solide Entwicklungsplattform, auf der wir in Zukunft aufbauen können."

Schockmoment auf der Geraden

Trotzdem ist es noch ein langer Weg, wie das Rennen zeigen sollte. Den größten Sprung des Rennens machte Button beim Start, als er von Startplatz 16 aus an Marcus Ericsson und Pastor Maldonado vorbeikam und so auf Position 14 lag. Im Laufe des Rennens kam Maldonado mit einer Zweistopp-Strategie wieder vorbei. Doch mit den Sauber-Piloten konnten es sowohl Button als auch Alonso aufnehmen. "In den Kurven waren wir heute richtig konkurrenzfähig und hatten unseren Spaß, aber leider kann man dort nicht überholen", bemerkt der Weltmeister von 2009, der einen intensiven Kampf mit Felipe Nasr führte.


Großer Preis von Brasilien

Durch einen Undercut war Button beim ersten Boxenstopp am Lokalmatadoren vorbeigekommen, doch der setzte sich publikumswirksam in der ersten Kurve wieder durch. "Das war richtig furchteinflößend", spricht Button auf die bekannte Leistungsschwäche des Honda-Aggregats an. "Erst ist er auf der Geraden noch weit weg und plötzlich taucht er in Kurve eins neben mir auf." Dasselbe gilt auch für die Fahrzeuge beim Überrunden, die ihn teilweise auf der Geraden völlig überraschten.

Anschließend konnte er sein Fahrzeug im engen Streckenteil mit den Überholenden vergleichen und kommt zu dem Schluss, dass hinsichtlich des Chassis bei McLaren Fortschritte erzielt worden sind. Ansonsten fiel Jenson Button in Interlagos nur durch einen Funkspruch auf, als er seinen Renningenieur zurechtwies. "Wenn der Ingenieur in den Kurven zu einem redet, stört einen das immer", kommentiert der 35-Jährige, der aber auch Verständnis zeigt: "Sie wollen einem halt die Informationen so schnell wie möglich ins Auto funken."

Alonsos neuer Motor noch nicht ganz harmonisch

Jenson Button, Felipe Nasr

Plötzlich war er neben mir: Button wurde mehrfach auf der Geraden überrascht Zoom

Fernando Alonso erwischte von ganz hinten einen äußerst guten Start und lag bereits nach wenigen Kurven hinter seinem Teamkollegen, hinter dem er den Rest des Rennens verbringen sollte. Ein zwischenzeitlicher Zwischenspurt auf weichen Reifen nach dem zweiten Stopp scheiterte daran, dass er genau hinter Kimi Räikkönen auf die Strecke kam, der auf alten Reifen sogar den überrundeten McLaren für kurze Zeit in den langsamen Passage blockierte. Nach den vielen Problemen war jedoch die Zielankunft ein echter Befreiungsschlag für Alonso.

"Leider hat das Auto mit der neuen Antriebseinheit noch nicht zu 100 Prozent funktioniert", so der Weltmeister von 2005 und 2006. "Es war etwas seltsam zu fahren, weil es mit den Gängen nicht ganz harmoniert hat." Weil McLaren alle Teile der Honda-Antriebseinheit ausgetauscht hatte, aber kein Training mehr zur Verfügung stand, fehlte die Zeit zur Feinkalibrierung von Motor und Getriebe. "Aber wir haben das Rennen beendet, was nach all den Problemen schon einmal etwas Positives ist", kommentiert Alonso den versöhnlichen Abschluss eines bis dahin völlig verkorksten Wochenendes.


Fotostrecke: #PlacesAlonsoWouldRatherBe

Bei McLaren stand bereits Vorarbeit für 2016 auf dem Programm. "Ich hoffe, wir konnten einige gute Daten fürs nächste Jahr mitnehmen", sagt Alonso, der auch die gute Teamatmosphäre unterstreicht, die auch durch den leicht provokanten Auftritt am Samstag keinen Schaden genommen hat. Unter anderem testete McLaren einen neuen Frontflügel im Hinblick auf die kommende Saison. Jenson Button ist sehr zufrieden: "Das Team hat auch hier viele neue Teile hergebracht, die alle funktionieren."

Einmal müssen beide Fahrer noch in Abu Dhabi leiden, bevor 2016 der große Sprung erfolgen soll. "Dort haben McLaren und Honda sich vergangenes Jahr zu einem Team zusammengeschlossen", erinnert sich Honda-Motorenchef Yasuhisa Arai. "Es wird wichtig sein, dass wir dort unsere Fortschritte unter Beweis stellen und das Maximum aus unseren derzeitigen Möglichkeiten herausholen."