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  • 18.11.2006 17:42

Zanardi: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg

Alessandro Zanardi wird am kommenden Wochenende im Formel-1-Boliden Platz nehmen und macht damit auch anderen behinderten Menschen Mut

(Motorsport-Total.com) - Alessandro Zanardis Leben wäre am 15. September 2001 beinahe zu Ende gewesen, als er sich bei einem ChampCar-Rennen auf dem Lausitzring nach einem Boxenstopp auf die Fahrbahn drehte und von einem Kollegen mit Tempo 320 seitlich getroffen wurde. Der Rennwagen des Italieners wurde in zwei Stücke gerissen, dabei wurden beide Beine des Rennfahrers abgetrennt.

Alessandro Zanardi

Alessandro Zanardi steigt in einer Woche ins Formel-1-Auto Zoom

Der ehemalige Formel-1-Pilot verlor dabei fast sein ganzes Blut, doch nach vier Tagen im künstlichen Koma war Zanardi über den Berg. Das Leben konnten ihm die Ärzte dank einiger Blutkonserven wieder schenken, nicht jedoch seine beiden Beine, trotz 15 weiterer Operationen, die noch notwendig wurden. Die Ärzte sagten zu Zanardi, dass die Beine das geringste Problem waren - sie hatten nicht gedacht, dass sie den sympathischen Familienvater ins Leben zurückholen können.#w1#

Alessandro Zanardi

Zanardi zeigte sich bereits Wochen nach seinem Unfall wieder in der Öffentlichkeit Zoom

Doch Zanardi, der am 23. Oktober seinen 40-jährigen Geburtstag feierte, kämpfte und fand nicht nur ins Leben sondern sogar auf die Rennstrecke zurück. Am 29. August 2005 gewann er in der WTCC für BMW sein erstes Rennen nach seinem schweren Unfall.

Nach dem letzten Lauf der Saison an diesem Wochenende in Macau darf Zanardi am kommenden Wochenende im speziell für ihn umgebauten BMW Sauber F1.06 Platz nehmen: "Mir ist bewusst, dass ich keinen Fahrervertrag mehr bekommen werde. Aber noch einmal diese Möglichkeit zu haben ist sensationell", wird Zanardi von der 'Welt' zitiert.

Mit der Hand gibt Zanardi Gas, mit dem rechten Bein kann er bremsen. Das linke künstliche Bein beginnt oben am Oberschenkel, das rechte Bein ist beweglicher, denn es wurde kurz oberhalb des Knies abgenommen. Mit einer Bewegung aus der Hüfte heraus erzeugt Zanardi Druck auf das Bremspedal.

Alessandro Zanardi

Im für ihn modifizierten Tourenwagen ist Zanardi konkurrenzfähig unterwegs Zoom

Zanardi ist gezwungen, mit dem Fuß zu bremsen, braucht man doch den notwendigen Druck, der über ein Handsystem mit den Reglement-Vorgaben nicht aufzubauen ist. Also musste Zanardi lernen, mit seiner Prothese zu bremsen. Trainiert wurde zuhause im Badezimmer. Die Personenwaage lehnte an der Wand, Zanardi lag auf dem Boden und drückte eines Tages mit 80 Kilogramm dagegen: "Mittlerweile schaffe ich 90 Kilogramm."

Heute ist Zanardi ein Vorbild für viele behinderte Menschen und findet das "eine gute Sache". Heute fährt er Rennen, "weil ich Spaß haben will". Und die Gefahr, bei einem weiteren Unfall verletzt zu werden, nimmt er mit Humor: "Was soll mir passieren? Meine Beine sind quasi unverwundbar. Alles kann mit ein paar Schrauben behoben werden."

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